Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Schweiz : Bericht über Gruppe V Textil-Industrie, Section IV und Sectionen I, II, III, V, VI nebst Gruppe XXI Hausindustrie

Reflexionen.

89

Es  mögen  Manche  unsere  Reflexionen  etwas  weitgehend  finden,
aber  darin  wird  man  uns  beipflichten,  dass  Europa  die  andern  Erdtheile
seinen  industriellen  Interessen  nur  durch  constanten  Fortschritt  auf  allen  Gebieten
der  Technik  und  der  Wissenschaft,  nur  durch  Fleiss,  Ausdauer  und  die  richtige
Benützung  unseres  der  Arbeit  günstigen  Climas  bleibend  unterthan  erhalten  kann,
dass  aber  die  erdrückenden  Kriegslasten,  die  Einmischung  der  Gesetzgebung  in
die  freie  Verfügung  Uber  die  Arbeitskraft  und  die  verkehrten  Theorien  des  Socialismus ­
  bedenkliche  Hemmnisse  für  die  geistige  und  industrielle  Fortentwicklung
von  Europa  sind.
U)  Yergleiclw  4er  textilen  Industrie  verschiedener  Länder.
Werfen  wir  einen  Blick  auf  die  allgemeine  heutige  Stellung  der
textilen  Industrien  der  verschiedenen  Länder,  so  erhalten  wir  folgenden
Eindruck:
England  ist  durch  seine  geographische  Lage,  seinen  Reichthum
an  Kohlen  und  Eisen,  seine  grossen  Gapitalien,  eine  grosse  Handelsmarine ­
  und  enorme  Besitzungen,  das  für  Industrie  am  meisten  begünstigte
Land  der  Erde.  Seine  Bewohner  verstehen  es,  diese  Vortheile  durch
Energie  und  Unternehmungsgeist  im  ausgedehntesten  Maase  auszubeuten. ­
  Sie  waren  die  Ersten,  welche  die  Industrien  durch  die  Erfindung
der  Dampfkraft  in  neue  Bahnen  leiteten;  die  Ersten,  welche  in  Spinnerei
und  Weberei  die  Handarbeit  durch  die  Maschine  ersetzten  und  durch
ihre  Concurrenz  die  Industrien  des  Continents  aus  hundertjährigem
Schlendrian  aufweckten.
Die  grossartigste  Neuerung  im  commerziellen  Gebiet  seit  1867  ist
die  Eröffnung  des  Suez  Canales;  so  sehr  England  sich  gegen  jede  Mitwirkung ­
  für  dieses  grosse  Unternehmen  gesträubt  hatte,  weil  es  fürchtete, ­
  das  Monopol  für  den  Verkehr  mit  Indien,  China  und  Japan  zu  verlieren, ­
  so  zeigte  sich  doch  seine  Einsicht  und  seine  überwiegende  Thatkraft
  auch  da  wieder  in  der  glänzendsten  Weise;  es  war  das  erste  Land,
welches  sofort  geeignete  Schiffe  baute  und  durch  billige  Frachten  die
Concurrenz  im  Schach  hält.
Dasselbe  hat  bis  zur  Stunde  seine  immense  Preponderanz  auf  dem
textilen  Gebiete  vollkommen  behauptet;  von  den  gesammten  für  Europa
bestimmten  Verschiffungen  roher  Baumwolle  gehen  ungefähr  3 /i  nach
England.  Es  consumirt  so  viel  wie  alle  andern  europäischen  Staaten
nebst  Nordamerika  zusammen,  und  deckt  die  Bedürfnisse  von  Asien,
Africa  und  Südamerika  fast  ohne  Concurrenz;  was  andere  Länder  in
diese  Gegenden  importiren  betrifft  blos  die  feinem  Artikel.
Auch  in  Leinenwaaren  bleibt  ihm  bis  jetzt  das  Monopol  für  den
Export.  In  den  billigen  mechanisch  gewobenen  Woll-  und  Halbwollenstoffen ­
  war  ihm  nicht  beizukommen.  London  hat  sich  bis  heute  als
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.