KONKURRENZ UM DEN HOFPREIS. □ □ □ □ 0 □ □
anzupassen. Über die Art und Weise, wie sich ein Bauobjekt am besten
harmonisch in ein Landschaftsbild einfügen läßt, herrscht leider auch
in Fachkreisen eine Ansicht, die auf völlig falscher Basis aufgebaut
ist. Meist wird der Architekt, ohne weiter sich mit dieser wichtigen
Aufgabezubeschäftigen, ohnesich überhaupt darüber klar zu werden,
durch welche Silhouettierung, durch welche Ausgestaltung der Bau^
block sich am besten in seine Umgebung einfügen läßt, ohne Über^
legungin die Fußstapfen seiner Vorgänger treten. Es herrscht allgemein
die Meinung, daß ein Bauwerk, wenn es nur im sogenannten „länd'
liehen Stil" gehalten ist, wenn es die äußere Form und die Ausgestah
tung des Bauernhauses nachäfft, auch schon unbedingt in der besten
Weise sich dem Landschaftsbilde anpaßt. Dieser Ansicht gemäß ist
so manches Haus, das draußen in freier Natur steht, rücksichtslos
in das oft herzlich schlecht sitzende Gewand des Bauernhauses
gezwängt worden, ohne daß nur im geringsten auf den inneren
Organismus geachtet worden wäre. Diese Manie hat eine Unmenge
architektonischer Zerrbilder gezeitigt, deren Äußeres dem Innern
in keiner Weise entspricht. So zeigen Bauwerke verschiedenster
Bestimmung und in den verschiedensten Dimensionen alle dieselbe
äußere Form, Villen und Hotels, Herrschaftspalais und Amts.-gebäude
müssen sich ein und derselben rustikalen Bauweise fügen;
so entstehen oft vier Stock hohe Bauernhäuser. Der Stil des Bauernhauses
verdankt seine Entstehung durchaus nicht der Erwägung,
daß das Bauwerk sich seiner Umgebung anpassen soll, er ist vielmehr
ein Kind der Notwendigkeit, er ist als das Resultat der Lösung
praktischer Fragen, konstruktiver Aufgaben zu betrachten. Der
Bauernhausstil wird durchaus nicht immer am besten sich dem
Naturbilde anschmiegen, das Landschaftsbild fordert oft eine Silhouettierung,
eine Gruppierung der Masse des Bauwerkes, die im
„ländlichen Stil" nicht erreichbar, Foremn, die in der F ormensprache
des Bauernhausstiles nicht enthalten sind. Es ließen sich in den
meisten Fällen Formen finden, die bei weitem besser den ästhetischen
Forderungen entsprechen würden, als die Motive des ewig
gleichen, schon zum Überdruß abgedroschenen Bauernstiles. Diese
Formen müssen eben gesucht werden. Und wenn die Berechtigung,
wenn der Vorzug des „ländlichen Stiles“ einzig und allein nur im
gewohnten Anblick und in dem ländlichen Baumateriale liegt, so
sollte man lieber darauf achten, daß nicht ein Komfort auf das Land
gezogen wird, der das Liebäugeln mit dem bäuerischen Wesen
lächerlich macht, darauf achten, daß dieses geheiligte Aussehen und
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Material nicht gefälscht wird. Es ist ein vollkommen falscher, unmoderner
Standpunkt, das Vordringen des hochkultivierten Menschen
in die Natur vertuschen zu wollen, mit einem Bauerngewand
zu bemänteln, es führt diese Art des Vorgehens ja doch nicht zum
Ziele und hierdurch entstandene Bauwerke werden im besten Falle
O □ Q O den Eindruck eines Salontirolers machen. B □ □ □
Das vorliegende Studienblatt ist dem Projekte für ein Forst- und
Domänendirektionsgebäude in Niederösterreich entnommen. Auf
weitem Wiesengrunde, inmitten des flachen Waldreviers steht das
Bauwerk, auf einer sanften Bodenwelle—ein kleiner, weißerWurfel,
steht es in der weiten Landschaft, ein Augenruhepunkt; in dem
eintönigen, wirren Waldland ein Kontrast, ein ruhiger Fleck. Von
der wellenförmigen Bodenerhebung aus beherrscht das Gebäude
seine nähere Umgebung; durch das flache Dach vereinigt sich die
Silhouette harmonisch mit der flachen, geraden Horizontlinie der
Wälder. Einfach und ruhig wie das Bild seiner Umgebung ist auch
der Baublock selbst. Der langgestreckte Bau in seiner blendenden
V^eiße sticht vom satten Wiesengrün ab und gibt einen schönen
Kontrast zu dem dämmernden Blau der Wälder. Auf die Fernwirkung
berechnet, ist das Gebäude großzügig durchgebildet und
jeder Detaildekor, der in der weitläufigen Landschaft nicht zur
Wirkung käme, vermieden: Reine Architektur ohne Unterstützung
der plastischen oder malerischen Dekoration, eine Ausgestaltung
des Baublockes in den drei Dimensionen. Die großzügige Durchbildung
der Fassade, die kräftige Betonung des Mittels, die ruhige
Silhouette, die großen Mauerflächen, die stilvolle Monotonie der
Pfeilerstellung im Erdgeschoße und die Freitreppenanlage verleihen
dem verhältnismäßig kleinen Gebäude ein monumentales Aussehen.
Das Erdgeschoß enthält in der Front die Halle. Um für
diesen Raum diejenige Höhe zu gewinnen, welche seinen sonstigen
Dimensionen entspricht, ohne ihn durch zwei Stockwerke aufführen
zu müssen, ist sein Niveau auf — i m gelegt. Da der Vorplatz vor
dem Eingangstor der Halle noch um 15 cm tiefer liegt als diese,
entsteht hier ein Einschnitt im Terrain. Die Frontseite der Halle
ist in eine Pfeilerstellung aufgelöst. Zwischen je zwei Pfeilern geht
ein schmaler Fensterschlitz von der Decke der Halle bis zu deren
Fußboden. Die Pfeilerstellung und Lochverteilung soll dem Raume
den Charakter einer lichten und luftigen Halle wahren und auch
nach außen hin betonen. Als bekrönender Fassadendekor ist im
□ B B Gebäudemittel das Hubertuskreuz angebracht. B B B
BBBBBBBBBBBB KARL MARIA KERNDLE.