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Full text : Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Carl  Thomas  Richter.

Wechfel  gebraucht,  die  in  den  Kreuzzügen  in  Italien  wieder  Nachahmung  fanden.
Den  Lehrmeiftern  in  der  Buchführung  für  die  ganze  Welt,  den  Italienern,  haben
die  Araber  die  kaufmännifche  Buchführung  übermittelt.  Sie  konnten  daher  für
lange  die  Lehrmeifter  einer  neuen  ftrebfamen  Zeit  abgeben.  Von  diefen  Culturkräften
  angeregt  und  in  feiner  weiteren  Entwicklung  mehr  genährt,  als  man
oft  in  der  Gefchichte  darftellt  und  glaubt,  entwickelt  fich  Staats-  und  Wirthfchaftsleben
  des  XII.,  XIII.  und  XIV.  Jahrhunderts.  Ja  noch  weiter  herauf  ragen  die
Wirkungen  einer  grofsen  Zeit.
Wir  müffen  auch  hier  wieder  die  Handelsrichtungenbeftimmen.  Derbinnenländifche
  Verkehr  ift  während  und  nach  den  Kreuzzügen  bis  in  die  Mitte  des  XIII.
Jahrhunderts  durch  Wien  und  Regensburg  beftimmt,  die  immer  noch  ihre  handelspo'litifche
  Macht  im  lateinifchen  Reich  am  Bosporus  fuchen.  Da  aber  erhalten  die
Städte  in  Venedig  einen  fiegreichen  Gegner,  der  fich  mit  den  Genuefern  und  Pifanern
  in  der  Levante  feftfetzt  und,  je  mehr  er  den  indifchen  Plandel  an  fich  zieht,  deftomehr
  feinen  Handel  nach  den  Hinterländern  in  Europa  ausdehnen  konnte.  Regensburg ­
  lag  da  noch  günftiger  als  Wien,  allein  es  mufste  doch  bald  vor  Nürnberg,
Augsburg,  Innsbruck  zurücktreten,  als  der  venetianifche  Handel  jenen  Weg  einfchlug,
  den  heute  die  Brenner-Eifenbahn  wieder  aufgefucht  hat  und  an  dem  heute
Innsbruck  und  Botzen  wieder  lebendig  werden,  wie  fie  es  vor  Jahrhunderten  waren.
Von  hier  ging  dann  der  Weg  hinauf  nach  Ulm,  Reutlingen,  Speyer  an  den  Rhein  oder
vomLech  über  Nürnberg,  Magdeburg  nach  Braunfchweig.  Ebenfogingen  die  Deutfchen
  den  Weg  zurück  und  brachten  ihre  Waarennach  Venedig,Italien  und  weiter.
Zu  diefem  gröfsten  Handelsgebiete  trat  noch  das  franzöfifch-lombardifche,
Mailand,  Genf,  Bafel,  Strafsburg  verbindend,  aber  auch  nicht  im  Entfernteften
gleichbedeutend.  Ein  anderes  bedeutendes  Handelsthor  des  europäifchen  Südens,
für  die  Waaren  der  Levante  bildete  noch  Barcelona,  von  wo  aus  ein  lebhafter
Verkehr  mit  Conftantinopel,  Syrien,  dem  Nildelta  unterhalten  wurde  und  den
ftädtifchen  Gewerbfleifs  von  Sevilla,  Toledo,  Granada,  Malaga  u.  f.  w.  beförderte.
Aber  auch  im  Norden  Europas,  in  den  englifchen  und  friefifchen  Häfen,  hatten
die  Kreuzzüge  ein  reges  Leben  angeregt.  Auch  hatte  Venedig  nachFlandern  einen
billigeren  Weg  zur  See  als  zu  Land,  wo  Augsburg  und  Nürnberg  über  Köln,
Aachen  nach  Brabant  drangen.  Flandrifche  Tücher,  die  in  Italien  gefärbt  werden,
wurden  hier  geholt,  britifche  Gewebe  und  Wolle.  Brügge  ift  der  Knoten  und
Kreuzungspunkt  des  Landverkehres  Deutfchlands  nach  Flandern,  des  Seeverkehres
durch  die  Meerenge  von  Gibraltar,  den  Italien  behauptet.  England  fpielte  damals
noch  eine  untergeordnete  Rolle.  Die  Ausfuhr  feiner  Rohftoffe  und  rohen  Gewebe
betrug  noch  in  der  Mitte  des  XIV.  Jahrhunderts  kaum  3  Millionen  Gulden.  So  waren
Venedig  und  Genua  die  Canäle,  durch  die,  wie  der  Doge  Moncenigo  fchreibt,  die
Reichthümer  der  ganzen  Welt  Hoffen.  Aber  im  Innern  Deutfchlands  und  Frankreichs,
den  Hänfen  desNordens,  entwickelt  fich  eine  grofse,  felbflftändige,  wirthfchaftliche
Kraft,  die  oft  auch  berufen  war,  in  das  politifche  Leben  des  deutfchen  Volkes
einzugreifen.  Der  Welthandel  aber,  wenn  er  auch  neue  Bahnen  gefucht  hat,  von
anderen  Völkern  geleitet  wird,  in  feinen  Gütern  ift  er  gleich  geblieben  und  fo
befchaffen,  wie  er  es  vor  Jahrtaufenden  gewefen.  Die  afiatifche  Ausfuhr  beftand
in  den  Specereien  des  Ganges  und  Indusgebietes  und  den  Fabricaten  der  arabifchen
Stämme  und  der  Levante.  Europa  felbft  konnte  dafür  nur  feine  edlen  Metalle  bieten,
die  es  mit  ganz  naturgemäfsem,  von  der  Culturgefchichte  zu  oft  verkanntem  Eifer
in  feinen  Plöhenzügen  allüberall  fucht.  Und  doch!  So  mächtig  war  der  Zug,  dafs
Europa  1492  nicht  mehr  als  1  Milliarde  Francs  Bargeld  gehabt  haben  foll  und
Gold  gegen  Silber  zu  Gunften  des  Letzteren  fehr  fchwankte,  da  Indien  immer
lieber  Silber  nahm  als  Gold.  Allein  wie  dem  auch  war,  die  beweglichen  Realcapitale
  hat  der  Handel  doch  in  grofsartiger  Weife  entwickelt  und,  wie  beengt
auch  die  Menge  der  umlaufenden  Zahlungsmittel  fein  mochte,  die  Capitalanfammlung
  war  möglich  geworden  und  in  Handel  und  Gewerbe  erhielt  fie  kräftig
eine  fich  immer  mehr  entwickelnde  Arbeitstheilung.  War  doch  der  Zinsfufs  im.
            
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