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Full text : Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6), officieller Ausstellungs-Bericht

Der  Welthandel.

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land  mit  Amerika  verband,  derKüfte  Afrikas  entlang  um  das  Cap  der  guten  Hoffnung ­
  zu  drängen  und  den-Seeweg  nach  Indien  auszunutzen.  Die  Navigationsadle
machte  es  möglich,  diefs  bald  auch  in  härtefter  Weife  den  gleichftrebenden
Staaten  fühlen  zu  laffen,  die,  in  ihrem  Handel  befchränkt  und  zumeift  von  England
und  Englands  Colonien  ferngehalten,  erlahmten  und  fchwach  wurden,  bis  England
felbft  die  Erbfchaft  des  ganzen  Welthandels  antrat.  Und  fo  hatte  England,  feine
inneren  wirthfchaftlichen  Kräfte  zuerft  grofsziehend,  feine  Transportmittel  ausgebildet ­
  und  deren  Bedeutung  für  Macht  und  Reichthum  der  ganzen  Welt  gezeigt.
Die  damit  gegebene  Capitalsanlage  wirkte  um  fo  mächtiger,  als  mit  der  äufseren
Veränderung  der  Handelswege  auch  der  Inhalt  des  Welthandels  fich  rafch  gar
bedeutend  erweiterte.  Amerikas  natürlicher  Reichthum  und  die  Entwicklung  der
europäifchen  Arbeitskräfte  boten  dafür  die  mächtige  Grundlage.  Immer  mehr
nämlich  verfchwinden  aus  dem  Handel  Englands  mit  den  überfeeifchen  Staaten
und  Welttheilen  die  fertigen  Produdle  und  Genufsmittel.  An  ihre  Steile  treten
-von  mächtigerer  Bedeutung,  als  diefe  je  waren,  die  unerfchöpflichen  Rohftoffe
der  neuen  Welt  und  mit  den  Fortfehritten  der  Induftrie  und  Manufaclur  auch  jene
Indiens.  England  holte  die  Rohftoffe  der  Welt  für  feine  Arbeit  und  gab  allmälig
•der  ganzen  Welt  feine  Arbeitsprodudle.  Frühere  Jahrhunderte  hatten  das  gerade
umgekehrte  Verhältnifs  im  Welthandel  gefehen.  Und  auch  das  war  ein  neues
Moment  für  die  Capitalskraft  der  Verkehrsmittel,  die  England  in  der  gleichen
Bewegung  entwickelte.  Nur  der  Urftoff,  das  Rohmaterial  der  koftbaren  Arbeit
verträgt  Transportarten,  zumeift  wenn  dasfelbe  Schiff  ihn  hier  ausladet  und
dafür  fertige  Produdle  aufnimmt,  die  es  wieder  zurückführt  nach  den  Produdlionsorten
  des  Rohftoffes.  Der  Fuchsfchwanz  und  der  Fuchspelz  der  Hanfa  England ­
  gegenüber  hat  fich  in  Baumwolle  und  Baumwoll-Waaren  Englands  Amerika
und  Indien  gegenüber  verwandelt  und  heute  noch  haben  Amerika  erft  in  den  erften
Anfängen,  Indien  und  Egypten  noch  gar  nicht  das  Geheimnifs  erkannt,  neben  die
Lager  der  Baumwolle  die  Spinnerei,  neben  die  Cottongin-  die  Spindel-  und
Webemafchinen  zu  errichten.  Erft  das  XIX.  Jahrhundert  verfchob  die  Verhältniffe
die  Englands  Reichthum  durch  drei  Jahrhunderte  weltbeherrfchend  gemacht
haben,  verfchob  fie  und  verfchiebt  fie  noch,  indem  es  immer  mehr  alle  europäifchen
Staaten  an  die  grofsen  Weltmärkte  und  an  den  Welthandel  herandrängt  und  indem
es  mit  der  Durchftechung  der  Landenge  von  Suez  einerfeits  und  dem  Bau  der
Eifenbahnen  in  Affen  die  Handelsrichtung  wieder  verfchiebt  oder  eigentlich
zurückfchiebt  in  die  Richtung  längft  vergangener  Zeiten  und  einerfeits  durch  die
Schnelligkeit  des  Transportes  jede  Billigkeit  überwindet,  anderentheils  mit  dem
Canal  von  Suez  Billigkeit  und  grofse  Gefchwindigkeit  für  den  Weg  nach  Indien
und  Oftafien  gewährt.  Wir  kehren  auf  diefe  Erfcheinungen  wieder  zurück  und
erwähnen  hier  nur,  dafs  die  Gefchichte  der  Wirkfamkeit  diefer  Ereigniffe  noch
nicht  gefchrieben  werden  kann.
Was  war  nun  die  Grundlage  diefer  rafchen  und  kräftigen  Bliithe  Englands
und  der  Begründung  feiner  weltbeherrfchenden  Handelsmacht?  Diefe  Frage  aufzuwerfen ­
  ift  heute  noch  von  Wichtigkeit  und  die  fichere  Antwort  darauf  wieder
und  immer  wieder  zu  geben  vongrofser  Bedeutung.  Wie  wenige  Menfchen  denken
an  die  Fadloren,  welche  die  Gefchichte  der  Menfchheit  bilden  und  bedingen,  wie
wenige  Menfchen  bemühen  fich,  fie  durchzudenken.  Napoleon  III.  hat  das  charakteriftifche
  Wort  ausgefprochen,  dafs  derjenige  Staat  die  meiden  Waaren  im  Welthandel ­
  abfetze,  der  feinen  Gegnern  die  meiften  Kanonenkugeln  zuwerfen  kann.  England ­
  hat  diefs  vorJahrhunderten  begriffen  undmit  der  Begründung  feiner  politifchen
Macht  auch  feine  wirthfchaftliche  Herrfchaft  entwickelt.  Daher  knüpft  die  Gefchichte
des  englifchen  Reichthums  an  die  Namen  feiner  Könige,  an  die  Stellung  und
Bedeutung  feiner  Ariftokratie,  feiner  Priefter  und  Minifter  an,  und  die  Politik  von
Walpole  und  Pitt  find  gleichbedeutend  der  Erbauung  feiner  Canäle,  der  Auffchliefsung
  feiner  Kohlenlager,  der  Erfindung  der  Dampfkraft.  Politifch  mächtig
und  wirthfchaftlich  reich,  konnte  England  die  Gefchicke  der  ganzen  Welt  mit  kaltem

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