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Full text : Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6), officieller Ausstellungs-Bericht

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Dr.  Carl  Thomas  Richter.

Davon  entfielen  im  Jahre  1871  auf  die  wichtigften  Länder  nach

Flagge
Englifche  Schiffe
Franzöfifche  „
Oeflerreichifche
Italienifche
Türkifche  „
Egyptifche
Andere  „

Dampfer  und  Segler
502
66
6  3
47
32
22
33

Tonnen
540-453
89.070
38-729
27.414
18.230
13-335
28.  230

Zu  diefen  koloffalen  materiellen  Wirkungen  kommen  nun  dmgeiftigen  Erfolge ­
  der  Dampfkraft.  Für  die  Erbauung  der  Cheops-Pyramide,  des  gröfsten  Wunderwerkes ­
  der  alten  Welt,  bedurfte  es  der  lebenslänglichen  Arbeit  einer  halben  Million
Menfchen.  Die  Dampfkraft,  welche  heute  in  Europa  wirkt  und  für  deren  kleinften
Theil  diefes  Wunderwerk  zu  Stande  zu  bringen  nur  eine  verfchwindende  Zeit
nöthiggewefenwäre,  hat  den  Menfchen  aus  der  Sklaverei  der  Arbeit  emporgehoben,
ihn  nicht  mehr  als  Knecht  der  Arbeit,  nur  als  Leiter  des  Werkes  hingeftellt.  Und
faft  ift  es  nicht  mehr  die  Maffe  der  Leiftungen,  fondern,  nur  die  Gewalt  der
Mafchinen,  welche  der  Menfchbeftimmt  und  durch  welche  er  in  die  Menge  derGüterleiftung
  eingreift.  Und  wie  feine  Kräfte  dadurch  frei  geworden  find,  fo  find  taufend
andere^Intereffen  und  Aufgaben,  Freuden  und  Genüffe  feinem  Leben  geworden.
Vor  Allem  aber  ift  es  die  Verwendung  der  Dampfkraft,  welche  den  lebendigen
Wechfelverkehr  der  Menfchen  aller  Länder,  aller  Nationen  und  Religionen  untereinander ­
  vollzieht,  die  einen  gewaltigen  Umfchwung  in  dem  geiftigen  Leben  der
Menfchheit  hervorgebracht  hat.  Die  Schaaren  der  Völkerwanderung,  die  Maffen
der  Kreuzzüge  verfchwinden  vor  der  Menge  der  Menfchen,  die  heute  das  Reifen
durch  die  Welt  führt,  und  taufendfache  Beziehungen  und  Verbindungen  erzeugt.
Rechnet  man  im  Durchfchnitt  gewifs  fehr  mäfsig  per  Meile  der  heute  beftehenden
und  nun  im  Betriebe  begriffenen  Eifenbahnen  eine  jährliche  Frequenz  von  30.000
Menfchen  und  einer  halben  Million  Centner  Güter,  fo  werden  jährlich  960  Millionen
Menfchen  und  1600  Millionen  Centner  Güter  befördert.  Die  Zahl  der  jährlich  auf
allen  Bahnen  der  Welt  reifenden  Menfchen  ift  alfo  mehr  als  dreimal  gröfser  als
die  Zahl  der  Einwohner  Europas.  Die  Zahl  der  Meilen,  welche  von  den  fämmtlichen
  Locomotiven  der  Erde  jährlich  durchlaufen  werden,  wird  auf  1392  Millionen
„efchätzt  fo  dafs  alfo  diefe  Mafchinen  insgefammt  einen  Ö7mal  gröfseren  Weg  im
Jahre  zurücklegen  als  die  Entfernung  der  Erde  von  der  Sonne  beträgt.  Die  Eifenbahnen ­
  der  Erde  kommen  weiter  einer  Landfläche  von  35°-°-°°  Quadratmeilen
und  einer  Einwohnerzahl  von  350  Millionen  Menfchen  zu  Gute.  Auf  die  Zahl  der
Einwohner  der  Länder,  die  fie  durchfchneiden,  reducirt,  kann  man  annehmen,  dafs
jeder  Einwohnerjährlich  2-8  Meilen  reift  und  dafs  per  Einwohner  jährlich  46  Centner
Güter  auf  der  Eifenbahn  transportirt  werden.  Schliefslich  fei  noch  bemerkt,  dafs
die  Wechfelwirkung  der  Eifenbahnen  und  Gütermengen  heute  gleichfalls  entfchieden
  ift.  .
Die  Fähigkeit  der  Eifenbahnen,  den  Abfatz  rafch  und  beftimmt  zu  vermitteln,
hat  die  Gütererzeugung  der  einzelnen  Orte  felbft  wieder  emporgehoben,  fo  dafs
heute  der  Transport  der  Güter  ohne  Eifenbahnen  gar  nicht  mehr  gedacht  werden
kann,  ja  dafs  das  Sinnen  der  Menfchen  dahin  geht,  die  Leiftungsfähigkeit  der
Bahnen  nur  dauernd  noch  zu  erhöhen.
Und  fo  rücken  die  Welten  an  einander.  Die  entlegenften  Winkel  der  Erde
werden  in  den  allgemeinen  Strom  des  modernen  Culturlebens  einbezogen  und  durch
den  Austaufch  von  Waaren  und  Ideen  zu  immer  wachfender  Thatkraft  vorwärts
gedrängt'  Zumeift  find  es  Europa  und  Nordamerika,  die  kräftigen  Vertreter  des
modernen  Culturlebens,  welche  durch  taufend  gemeinfame  Intereffen  immer  fefter
fich  an  einander  fchliefsen  und  mit  der  Kraft  des  modernen  Geiftes  gegen  Afien
heranrücken  um,  dem  Entwicklungsgang  des  Abendlandes  entfprechend,  die  unge-
            
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