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Full text: 100 Jahre Tradition bei Audi

Auto Union 
Ein Cockpit, das 
seinesgleichen sucht 
einzige Speerspitze der AUTO UNION, 
ehe AchiIle Varzi dazustieß und ein strah 
lendes junges Talent entdeckt wurde: 
Bernd Rosemeyer. 
Rosemeyer war Seriensieger von 
1936, wurde auch Europameister (Welt 
meister aus heutiger Sicht), bescherte 
jedenfalls der AUTO UNION ihr größtes 
Jahr. Darüber hinaus schuf er seine 
eigene Legende durch seine „kochend 
heiße Seele" (laut Ehefrau Elly Beinhorn), 
die sich in der Unbändigkeit und im 
übersinnlichen Instinkt des Rennfahrers 
ausdrückte (er fuhr im Nebel genauso 
schnell wie bei freier Sicht, sagte man). 
Damit düpierte er seine Kollegen nicht 
nur auf der Piste, sondern überholte 
Mercedes-Mann Caracciola, bisher leuch 
tendster Stern in der deutschen Öffent 
lichkeit, auch in der Begeisterung der 
Massen. Rosemeyers Beliebtheit war nur 
mit der Max Schmelings vergleichbar. 
Der Riese aus dem Keller 
In der Benennung der Modellpflege 
war man mittlerweile beim Typ C 
angelangt. Porsches Grundidee vom 
„Motor als Riese, der aus dem Keller 
kommt" funktionierte besser denn je, so 
beeindrucken uns auch das Drehmo 
ment von 87 mkg bei 2500/min noch 
mehr als die Höchstleistung von 520 PS. 
Als Höchstgeschwindigkeit des Typ C 
werden bis zu 340 km/h genannt (in der 
Avus-Verkleidung). 
In jenen Jahren hatten auch Ge 
schwindigkeitsweltrekorde einen Stel 
lenwert, den wir uns heute schwer aus 
malen können. AUTO UNION war 1934 in 
diesen Wettlauf gegen Mercedes und 
Alfa Romeo eingetreten und stellte in 
den diversen Klassen und Kategorien gut 
drei Dutzend Bestleistungen auf. Dieses 
Streben nach absoluten Rekordmarken 
bescherte der AUTO UNION einen Schub 
an progressiver Technik, aber auch das 
Trauma des 28. Januar 1938. 
Der 560 PS leistende Rekordwagen 
war darauf ausgelegt, auf der Autobahn 
Frankfurt - Darmstadt die neue Bestmar 
ke von Caracciola (Mercedes, 432,7 km/h) 
zu überbieten. Der erste Lauf bestätigte 
den Rekordkurs. Im zweiten Lauf zer 
schellte der Wagen an der Schneise von 
Mörsfelden, Bernd Rosemeyer wurde 
weit in den Wald geschleudert und war 
sofort tot. Zwischenstoppungen hatten 
etwa Tempo 450 ergeben. In diesem 
Grenzbereich von Haftung und Auftrieb 
dürfte derdurch die Waldschneise fallen 
de Seitenwind das Fahrzeug unkorrigier 
bar aus der Bahn geworfen haben. 
Ohne Bernd Rosemeyer, aber auch 
ohne die technische Begleitung Ferdinand 
Porsches ging die Auto Union in die 
neue, ab 1938 gültige Rennformel. Deut 
scher Ingenieurgeist, wie man so schön 
sagt, hatte die alte Rennformel zur Farce 
werden lassen: Mit einem Maximalge 
wicht von 750 kg hatte man leichte Autos 
= kleine Motoren = erträgliche Geschwin 
digkeiten im Sinn gehabt, und am Ende 
war man bei sechs Liter Hubraum und 
mehr als 600 PS (Mercedes) angelangt. 
Das gab, zumindest theoretisch, End 
geschwindigkeiten in der Gegend von 
350 km/h mit den lächerlichen Reifen von 
damals! 
Also zurück zu einer Hubraumbe 
schränkung: Ab 1938 waren drei Liter 
(mit Kompressor) oder 4,5 Liter (Sauger) 
das Limit, die Autos mußten mindestens 
850 kg wiegen. Keine Frage, daß sich 
Mercedes und AUTO UNION für die Kom 
pressor-Variante entschieden. 
Die letzten Siege 
Das Mittelmotor-Layout wurde zwar 
kurz in Frage gestellt, aber beibehalten, 
nach wie vor allein auf weiter Flur. 
Sechzehn Zylinder indes waren bei klei 
nerem Hubraum nicht mehr so ver 
lockend (wohl aber für Alfa Romeo), also 
baute AUTO UNION einen V12 in 60° mit 
drei Nockenwellen und vorerst einem 
Kompressor, später mit Doppel-Kom 
pressor. Das neue Auto hieß Typ D. 
Durch den kleineren Motor ließen 
sich die gesamten Proportionen des 
Wagens verschieben, in Richtung „nor 
mal". Das Auto wurde nicht nur schöner 
gegenüber seinen Vorgängern, sondern 
wirklich schön, hinreißend und noch 
immer genügend exotisch, um jeder 
mann das Gefühl des ganz Besonderen 
zu geben. 
Der Fahrer rückte näher zur Mitte des 
(um 17 cm kürzer gewordenen) Wagens. 
Logische Folgerung: Der Typ D würde 
vielleicht einen Hauch leichter zu beherr 
schen sein als seine Vorgänger. Ein gran 
dioser Irrtum. 
In der Rolle des Nummer-eins- 
Fahrers konkurrierten nun Tazio Nuvolari 
und Hans Stuck, Höhepunkte jener Zeit 
bleiben Nuvolaris Siege in Monza und 
Donington und Stucks Siegesserie bei 
den größten Bergrennen. 
1939 siegte Nuvolari in Belgrad, da 
war schon Krieg. Welch groteskes Ende 
einer Ära des Rennsports. Es waren 
Jahre der himmelstürmenden Technik 
und überlebensgroßen Persönlichkeiten: 
AUTO UNION, ein Rennwagen wie ein 
Genieblitz. 
Glanzstück der Ingenieurskunst: 
Sechszylinder-Motor in 45’V, 
Roots-Kompressor und Solex- 
Doppeivergaser 
£ 
- 
AUDI 15
	        
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