Auto Union
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Die Silberpfeile der Auto Union
E ü 0 m
in Rennwagen
Ansatzlos, ohne Background und ohne
Erfahrung, schwang sich eine neue Firma in
die Königsklasse des Motorsports: So lernten
die vier Ringe das Laufen und Rennen.
Text: Herbert Völker, Fotos: Peter Vann
D ie dreißiger Jahre waren nicht
unbedingt die Zeit, wo man
frischfröhlich Motorsport betrieb, auf
daß der Bessere gewinnen möge. Allzu
vieles war politisch motiviert - nicht aber
die Grundüberlegung, warum sich eine
Firma ohne Rennsporterfahrung ansatz
los in die höchste Liga des internationa
len Motorsports aufschwingen sollte.
Als Folge der Wirtschaftskrise waren
etliche deutsche Automarken komplett
ausgelöscht worden, andere fanden sich
zu Überlebensgemeinschaften zusam
men. Die vier sächsischen Hersteller
Audi, DKW, Horch und Wanderer ver
einigten sich 1932 zur AUTO UNION,
führten aber die einzelnen Marken
namen weiter.
Die Finanzierungs- und Management
maßnahmen unter dem gemeinsamen
Dach griffen rasch, umso wichtiger war
es, den neuen Wertbegriff AUTO UNION
nach außen hin kraftvoll deutlich zu
machen. Rennsport und der ansatzlose
Sprung in die oberste Liga boten sich als
-
iv-rrV
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Doppelt fährt besser:
Bei Bergrennen wurden
Zwillingsreifen aufgezogen,
der besseren Traktion wegen
Ein Fahrzeugkonzept
für drei Sparten mit fast
gleicher Bedeutung:
Bergrennen, Grand Prix
und Bekordfahrten
logische Konsequenz an. Und wegen die
ser Ansatzlosigkeit lag es auf der Hand,
sich praktischerweise an einen frei
schaffenden Künstler zu wenden: Zwecks
gefälliger Erstellung eines Konzepts.
Einen besseren Namen als Ferdinand
Porsche gab es nicht.
1933, als das AUTO UNION-Projekt
konkret wurde, war Porsche 58 Jahre alt.
Er hatte seine Löhner-, Austro-Daimler-,
Skoda-, Daimler-Benz- und Steyr-Jahre
hinter sich und damit eine Kette grandio
ser Konstruktionen. Ab 1930 führte er
sein eigenes Konstruktionsbüro in Stutt
gart, wo er unter anderem auch Ent
wicklungen für Wanderer und Horch
begann. Sein Hauptinteresse - eine Art
„Volkswagen" konnte aber höchstens
durch die Verlautbarung einer neuen
Grand-Prix-Formel abgelenkt werden.
Porsche erhielt am 12. Oktober 1932
Kenntnis von einem Reglement, das ab
1934 wirksam werden würde. Visionär,
der er war, sah er sofort die darin kei
mende Überwindung der altmodischen
Rennwagen mit ihrer witzlosen Ausrich
tung auf Motoren-Gigantomanie. Nun,
da man sich mit 750 Kilo Material
beschränken werde müssen, sollte wie
der technischer Witz gefragt sein: Eine
Sache für Ferdinand.
Schon nach einem Monat stand ein
Konzept. Ein Viereinhalbliter-Motor in
V-16-Anordnung mit Kompressor wird im
Heck des Wagens sitzen, im Gegensatz
zu allen anderen Rennwagen der Welt.
Was man damals als Heckmotor
bezeichnete, ist aus heutiger Sicht ein
Mittelmotor, also das Um und Auf des
modernen Rennwagenbaus.
Mittelmotor-Anordnung, das bedeu
tete Verzicht auf Kardanwelle und ergab
die Möglichkeit, den Fahrer tiefer zu
setzen und somit Aerodynamik und
Schwerpunktlage zu verbessern. Daß es
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