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b) Städtische Töchterschulen.
Nur drei dieser Anstalten haben die Ausstellung beschickt, und zwar
die Schulen aus Brünn, Olmütz und Ragusa. Die letztgenannte hat nur
eine einzige aber sehr hübsche Arbeit gesandt; — Olmütz ist mit gutem
Näharbeiten vertreten und scheint in vortrefflicher Weise die praktische
Richtung einzuhalten. Brünn hat nichts Vorzügliches, einiges Mittel-
massige gebracht; durchschnittlich stehen die Arbeiten der städtischen
Töchterschule Brünn’s hinter denen der dortigen Volksschule zurück.
Von allen diesen Schulen hat nur die ?u Brünn das Programm des
Unterrichtes in den weiblichen Handarbeiten eingesandt, welches in 8
Classen alle Nutzarbeiten begreift. Mit der VI. Classe werden alle Ar
beiten für das Haus, in der VII. und VIII. das Zuschneiden von Wäsche
und alle Arten Luxusarbeiten gelehrt.
Ihrem Charakter nach steht die städtische Töchterschule auf der
gleichen Stufe mit der Volksschule, deren Lehrziel sie so ziemlich einhält;
die beiden letzten Classen bilden gleichsam einen Aufbau, der an den
Unterricht der Klosterschulen und der Privatinstitute sich anlehnt. Dies
gilt hier natürlich nur vom Arbeitsunterrichte, dessen Resultat in der
Ausstellung vorliegt.
Mit der Volksschule und der städtischen Töchterschule ist somit der
weibliche Unterricht der grossen Masse der Bevölkerung Oesterreichs nur
mangelhaft versorgt und für immer abgeschlossen.
Es mag vielleicht ausser dem Bereiche dieses Berichtes liegen, wenn
ich hier der Schuleinrichtung eines fremden Landes Erwähnung thue, die
ich um ihres Resultates, ihres allgemeinen hohen Nutzens willen hier
nicht gerne unbesprochen Hesse:
In Schweden, in dem Lande, das durch die Zweckmässigkeit seiner
Unterrichtsanstalten, durch die Liberalität, mit der es die Mehrzahl der
selben auch den Frauen zugänglich gemacht, in den letzten Jahrzehnten
einen so grossen Schritt zu wahrer Cultur und Gesittung gethan hat,
bestehen seit dem Jahre 1833 höhere Elementarschulen, welche auf dem
Unterrichte der Volksschule weiter aufbauen und die Erziehung der
Mädchen vollenden. Das Programm des Unterrichtes ist folgendes: Die
Religion, die Landessprache, die französische, deutsche und englische
Sprache, die Geschichte des Landes, Weltgeschichte, Geographie, Natur
kunde, Arithmetik, Geometrie, Anschauungslehre, Schönschreiben, Gesang,
Zeichnen, Gymnastik und Handarbeiten. Diese Schulen sind in allen
grösseren Provinzstädten des Landes vorhanden und sind das allgemeine
Bildungsmittel, das in reichstem Masse benützt wird. Die Kenntniss der
fremden Sprachen, die Schulung des Geistes, welche in weitestem Kreise
durch diese Anstalten verbreitet werden, sind nicht zu unterschätzen.
Die Arbeiten, welche diese Schulen zur Weltausstellung brachten, gehören
zu dem Eminentesten, das dort an Schularbeiten vertreten ist, und die