Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die österreichische Special-Ausstellung der Frauenarbeiten auf der Wiener Weltausstellung

3g

diesem  Zwecke  künstlerische  Hilfe  in  Anspruch  genommen  und  durch
solches  ergänzendes  Mitwirken  ein  vollendetes  Resultat  erzielt.
IV.  Nationale  weibliche  Hausindustrie.
Die  Geschichte  und  die  Poesie  der  Frauenarbeit  ist  an  der  Ausstellung ­
  durch  die  nationale  weibliche  Hausindustrie  vertreten.  Fast  von  allen
Ländern,  vom  höchsten  Norden  bis  tief  in  den  Süden  hinab,  sind  die  Producte
  solcher  Frauenthätigkeit  zur  Aufstellung  gebracht  worden,  oft  nur
in  kleinen  Probestücken,  oft  in  einer  Reihe  von  Prachtwerken,  wie  sie  die
Vorzeit  gestaltet  und  die  kunstfertige  Hand  der  Frauen  bis  heute  erhalten
oder  neu  geschaffen  hat.  Charakter  und  Eigenthümlichkeiten  der  Völker
treten  in  diesen  Arbeiten  zu  Tage,  in  denen  sich  bald  die  Farbengluth,  der
Glanz  und  Reichthum  des  Südens,  bald  der  kühle  ernste  Fleiss  des  Nordens ­
  widerspiegeln,  in  denen  sich  die  Verwandtschaft  oft  weit  getrennter
Volksstämme  erkennen  und  nachweisen  lässt  und  die  nicht  selten,  getreuer
als  jede  andere  Ueberlieferung,  von  Sitte  und  Brauch,  von  den  Bedürfnissen,
von  der  Cultur  eines  Volkes  erzählen.
Die  Hausindustrie  ist  in  den  Ländern,  welche  an  der  Heerstrasse  des
Verkehrs  liegen,  im  Ersterben.  Ueberall,  wo  die  Fabriksschlote  auftauchten, ­
  wo  der  Welthandel  rege  wird,  wo  die  Schienenwege  ihre  Geleise
ziehen,  flüchtet  sie  nach  Thunlichkeit  in  die  Einsamkeit  und  verbirgt
sich  in  die  Gebirgsthäler  und  auf  Berghöhen  und  sucht  sich  dort  festzunesteln, ­
  wohin  am  wenigsten  vom  geräuschvollen  Weltverkehr  dringt.
In  vielen  Fällen  jedoch  hat  die  Hausindustrie  ihr  Recht  behauptet  und
ist,  wenn  auch  oft  in  neugestaltender  Entfaltung  auf  den  Weltmarkt
hinausgetreten  und  hat  dort  die  Producte  des  Handels  und  der  Industrie ­
  nach  ihrem  Sinne  geformt  und  in  die  weite  Welt  gesandt.
Die  Filigrane  Italiens,  die  Hedebosynings,  die  Arbeit  der  Heidebäuerinnen
in  Dänemark,  die  Klöppelspitzen  der  Niederlande,  die  Stickereien  der
Schweiz,  die  herrlichen  Shawls  Indiens,  die  Teppiche  Persiens  und
hundert  ähnliche  Dinge,  sind  die  freigewordenen  Werke  der  Hausindustrie, ­
  die  erst  in  der  einsamen  Hütte  ihren  Anfang  genommen,  um
als  angestaunte  Wunderwerke  ihren  Weg  jahrhundertelang  durch  die  Welt
zu  machen.
Dem  conservativen  Sinne  der  Frau  ist  es  gelungen,  viel  für  die  Bewahrung ­
  solcher  nationaler  Industrie  zu  thun.  Wenn  der  Mann  längst
Hammer  und  Meissei,  Töpferform  und  Schnitzmesser  von  sich  geworfen,
um  die  Werkzeuge  fremder  eingewanderter  Kunstfertigkeiten  zu  fassen
und  sich  anzueignen,  hält  die  Frau  den  selbstgesponnenen  Faden,  Klöppel ­
  und  Webeschiffchen  noch  fest  und  arbeitet  und  sinnt  und  schafft  an
den  liebgewordenen  kleinen  Kunstwerken,  deren  Technik  sie  von  Ahnen
und  Urahnen  überkommen  hat.
Von  solchen  Dingen  hat  die  Ausstellung,  als  Repräsentanten  der  nationalen ­
  weiblichen  Hausindustrie  Oesterreich’s,  Frauenarbeiten  aus  7  Pro-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.