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Full text : Kunst und Kunstgewerbe in Tirol : aus Anlass der kunstgewerblichen Ausstellung in Innsbruck im August 1878. Vortrag gehalten am 14. November 1878 im österr. Museum

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Holzes;  es  wird  in  der  Regel  entweder  zu  wenig  oder  zu  viel  gethan.
Ueber  das  zu  wenig  hatte  man  sich  bei  der  Innsbrucker  Ausstellung  nicht
sehr  zu  beklagen,  aber  was  man  in  der  materiellen  und  rohen  Behandlung ­
  der  Farbe  überhaupt  leisten  kann,  war  an  einigen  Arbeiten,  die  für
kirchliche  Zwecke  bestimmt  waren,  deutlich  zu  bemerken.  Allerdings
muss  man  sagen,  dass  gut  behandelte  polychrome  Figuren  überhaupt  eine
Seltenheit  sind,  und  dass  es  in  ganz  Europa  jetzt  wenige  Künstler  gibt,
welche  die  Farbe  bei  Holzfiguren  richtig  anzuwenden  wissen.  Hervorragende ­
  Bildhauer,  die  sich  mit  der  Holztechnik  beschäftigen,  gibt  es  nur
wenige,  und  bei  der  geringen  Verwendung  von  Holzfiguren  in  der  kirchlichen ­
  und  Civil-Architektur  ist  es  begreiflich,  dass  eine  geringe  Neigung
vorhanden  ist,  sich  dieser  Technik  zu  widmen.  Hoffen  wir,  dass  in  nicht
ferner  Zeit  die  allgemeine  Zeichen-  und  Modellirschule  in  Innsbruck  so
erweitert  wird,  dass  sie  den  verschiedenen  Zweigen  der  heimischen  Kunsttechnik, ­
  besonders  den  Baugewerben,  ausgiebige  Hilfe  zu  geben  in  der
Lage  ist.
So  wie  das  Steinmaterial  für  Architektur  und  Plastik  in  Tirol  nicht
genügend  ausgebeutet  wird,  ebenso  verhält  es  sich  mit  dem  Holzmateriale.
Die  Zirbelkiefer,  welche  in  den  Hochregionen  Tirols  so  vortrefflich  gedeiht ­
  und  zu  Schnitzarbeiten  aller  Art  mit  besonderem  Vortheil  verwendet
werden  kann,  verdient  von  Seite  der  Waldcultur  eine  viel  grössere  Beachtung, ­
  als  sie  in  der  T  hat  erfährt.  So  ist  es  gekommen,  dass  im  ganzen
Grödener  Thale  das  Zirbelholz  bereits  aufgebraucht  wurde,  und  die  Bewohner ­
  dieses  Thaies  darüber  klagen,  dass  sie  nunmehr  gezwungen  sind,
das  Rohmaterial  zu  ihren  Schnitzarbeiten  von  weither  zu  beziehen.
Bei  dem  angeborenen  Talente,  welches  die  Bewohner  Tirols  für
jedwede  Kunstbildung  haben,  ist  es  begreiflich,  dass  die  Zahl  jener,
welche  Malerei  und  Bildhauerei  betreiben,  dort  eine  viel  grössere  ist,  als
in  irgend  einem  anderen  Lande.  Diese  Ueberproduction  an  Künstlern
bringt  Erscheinungen  eigenthümlicher  Art  zu  Tage.  In  München  und
Wien  lebt  eine  ganze  Colonie  von  Tiroler  Künstlern;  auch  an  anderen
Orten,  in  Rom,  Paris  u.  s.  f.  findet  man  solche,  insbesondere  Bildhauer,
welche  in  den  verschiedensten  Ateliers  beschäftigt  sind.  Die  hervorragendsten ­
  Tiroler  Künstler  leben  gegenwärtig  ausserhalb  des  Landes.  Unter
jenen,  welche  in  der  Kunstgeschichte  einen  hervorragenden  Platz  einnehmen, ­
  waren  es  vor  Allen  Deutschtiroler,  die  eine  bedeutende  Rolle
spielten,  wie  die  Maler  Donner,  Angelika  Kaufmann,  Koch,  Blaas,  die
Bildhauer  Zauner,  Klieber,  Medailleur  Pichler.  Für  die  Wälschtiroler  hat
immer  Venedig  eine  ganz  besondere  Anziehungskraft  gehabt;  von  Alessandro
  Vittoria  bis  Strudel  begegnet  man  ihnen  hier,  während  sie  im  verflossenen ­
  Jahrhundert  auch  in  Wien,  Prag,  Salzburg  u.  s.  f.  zahlreich  zu
finden  waren.  Wie  die  ganze  kunstbegeisterte  Jugend  Tirols  nach  auswärts
und  aufwärts  strebt,  theilweise  ohne  sich  über  die  Zielpunkte  des  Kunstberufes ­
  klar  zu  sein,  ohne  selbst  einen  Beruf  für  höhere  Kunstleistungen  zu
            
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