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Full text : Kunst und Kunstgewerbe in Tirol : aus Anlass der kunstgewerblichen Ausstellung in Innsbruck im August 1878. Vortrag gehalten am 14. November 1878 im österr. Museum

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Eine  ganz  exceptionelle  Stellung  im  Kunstleben  Tirols  nimmt  die
Glasmalerei-Anstalt  in  Wüten  bei  Innsbruck  ein.  Sie  hat  sich  einen
Weltruf  verschafft  und  der  Leiter  dieser  Anstalt',  Dr.  Jele,  hat  deutlich
gezeigt,  dass  man  auch  in  kleineren  Orten  ein  grosses  Institut  zur  Blüthe
bringen  kann.  In  Wien  sind  die  Arbeiten  der  Tiroler  Glasmalerei-Anstalt
noch  unbekannt.  Dieselbe  erzeugt  das  Glas  für  ihre  Zwecke  in  eigener
Regie  und  verfertigt  auch  das  sogenannte  Kathedralglas,  welches  früher
ausschliesslich  aus  England  bezogen  werden  musste,  in  einer  Güte,  Menge
und  Wohlfeilheit,  dass  dadurch  die  englische  Concurrenz  gänzlich  aus  dem
Felde  geschlagen  wurde.  Die  im  nächsten  Jahre  erfolgende  Vollendung  der
Votivkirche  wird  Veranlassung  geben,  die  prachtvollen  Arbeiten  dieser
vortrefflich  geleiteten  Anstalt  den  weitesten  Kreisen  zur  Kenntniss  zu
bringen.  In  neuerer  Zeit  hat  Herr  Albert  Neuhauser  auch  eine  Glasschmelzmosaik-Anstalt, ­
  vorwiegend  für  kirchliche  Zwecke,  in’s  Leben  gerufen,
  und  zwar  mit  Glasschmelz,  der  in  der  eigenen  Anstalt  erzeugt
wird,  werden  dort  die  Mosaikarbeiten  ausgeführt.  Das  Fach  des  Mosaiks
kommt  gegenwärtig  wieder  in  Aufschwung.  In  Paris  ist  von  Staatswegen
eine  Mosaikanstalt  gegründet  worden.  Herr  Salviati  hat  im  Aufträge  des
Kronprinzen  des  Deutschen  Reiches  eine  Glasmosaikanstalt  eingerichtet,
welche  einen  Mittelpunkt  für  Mosaiktechnik  bilden  soll.  In  Innsbruck  ist
es  ein  einfacher  Privatmann,  der  den  ersten  Schritt  zur  Gründung  einer
solchen  Anstalt  gewagt  hat  und  zwar  ohne  alle  staatliche  Subvention,  auf
nichts  Anderes  fussend,  als  auf  seine  eigene  Begeisterung  für  kirchliche
Kunst  und  für  die  Hebung  dieses  Industriezweiges,  dem,  wenn  einigermassen
  günstige  Verhältnisse  vorwalten,  eine  grosse  Zukunft  bevorsteht.
Denn  es  hat  sich  gezeigt,  dass  in  Nord-Europa  für  das  Fresco-Gemälde,
wenn  es  in  offenen  Räumen  sich  befindet,  die  Gefahr  einer  Zerstörung
durch  Witterungseinflüsse  in  zu  hohem  Grade  vorhanden  ist  und  der  einzige ­
  Ersatz  hiefür  ist  das  Glasschmelzmosaik.  Es  ist  dies  in  Wahrheit  eine
monumentale  Technik,  gleich  gut  verwendbar  für  kirchliche  Zwecke,  wie
für  öffentliche  Gebäude  des  Staates,  der  Commune  und  Privaten.  Es
scheint,  dass  die  Bedeutung  dieser  Mosaiktechnik  nicht  so  anerkannt  wird,
als  sie  es  verdient,  weil  man  fürchtet,  sie  sei  zu  kostspielig,  was  aber  in
Wahrheit  nicht  der  Fall  ist.  Es  kommt  ein  Mosaikgemälde  fast  nicht  höher
zu  stehen,  als  ein  Oelgemälde  oder  ein  Frescobild.  Ob  sich  aber  Kunstfreunde ­
  genug  finden  werden,  um  diese  Technik  ausgiebig  zu  unterstützen,
ist  eine  andere  Frage;  denn  die  Zahl  der  wirklichen  Kunstliebhaber  ist
heutigen  Tags  gering,  und  noch  geringer  die  Neigung,  jene  Techniken  zu
fördern,  die  mit  der  monumentalen  Kunst  in  directer  oder  indirecter  Verbindung ­
  stehen.  Auch  diese  beiden  grossen  Anstalten  in  Innsbruck  sind
auf  Bestellungen  vom  Auslande  und  auf  den  Export  angewiesen.
Aus  den  kurzen  Bemerkungen,  die  bisher  gemacht  wurden,  dürfte
klar  hervorgehen,  dass  kein  Land  es  so  nöthig  hat,  die  Exportfähigkeit
seiner  Industrieproducte  sich  so  angelegen  sein  zu  lassen,  wie  Tirol,  die
            
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