Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe in Tirol : aus Anlass der kunstgewerblichen Ausstellung in Innsbruck im August 1878. Vortrag gehalten am 14. November 1878 im österr. Museum

2

Vorarlberg  bildet,  wie  bekannt,  ein  eigenes  Ländchen,  von  Deutschtirol ­
  getrennt  durch  einen  mächtigen  Gebirgsstock;  es  gehört  erst  seit
1780  zu  Tirol.  Die  Ebenen  dieses  Landes  berühren  den  Rhein  und
den  Bodensee;  die  dortigen  Productionsverhältnisse  haben  Aehnlichkeiten
mit  der  benachbarten  Schweiz,  die  Haupt-Verkehrsstrassen  gehen  nach
der  Schweiz,  nach  Baiern  und  Würtemberg.  So  lange  die  Verbindung
Vorarlbergs  mit  Nordtirol  durch  die  Arlbahn  nicht  hergestellt  ist,  wird
immer  die  industrielle  und  militärische  Verbindung  dieser  Landtheile
eine  etwas  lockere  bleiben.  Es  ist  bekannt,  dass  Vorarlberg  eine  industriöse
  Bevölkerung  beherbergt,  deren  Hauptproduction  die  Stickerei  ist;
in  Bregenz  speciell  wird  auch  Goldschmiedekunst  betrieben.  Tirol  selbst
ist  theils  von  Deutschen,  theils  von  Wälschen  bewohnt,  die  ihrer  gewerblichen ­
  Production  eine  entschieden  nationale  Färbung  geben.  Man  erkennt
bei  jedem  Producte  entweder  den  Einfluss  des  deutschen  oder  des  romanischen ­
  Stammes.  Die  Bevölkerung  beider  Stämme  in  Tirol  ist  ausserordentlich ­
  begabt  für  alle  Arten  von  künstlerischen  Leistungen  und  diese
Befähigung  ist  nicht  erst  ein  Ergebniss  der  neueren  Zeit,  sondern  im  Gegentheil,
  je  weiter  man  auf  frühere  Jahrhunderte  zurückgreift,  desto  bedeutendere ­
  Leistungen  treten  hervor.  Wenige  Länder  spielen  in  der  Kunstgeschichte ­
  der  österreichischen  Monarchie  eine  so  hervorragende  Rolle  als
Tirol;  die  künstlerischen  Fähigkeiten  vererben  sich  dort  häufig  vom  Vater
auf  den  Sohn  und  durch  ganze  Generationen  hindurch,  so  dass  in  der
Kunstgeschichte  Tirols  vielfach  dieselben  Namen  wiederkehren,  wie  Bergler,
Unterberger,  Schöpf,  Pichler,  Moll,  Defregger,  Gasser,  Huber  u.  s.  f.  *).
Die  Haupt-Verkehrswege  gehen  nach  Norden,  Süden  und  Osten.
Sie  setzen  das  Land  in  Verbindung  mit  dem  deutschen  Reich,  mit  Italien
und  den  übrigen  Österreichischen  Kronländern.  Kein  Land  ist  auf  den
Export  von  Industrieartikeln  so  angewiesen  als  Tirol.  Von  jeher  ist  der
Sinn  des  Tirolers  auf  das  Auswandern  gerichtet  und  es  müssen  neben
der  künstlerischen  Begabung  der  Bevölkerung  auch  deren  hervorragende
kaufmännische  Eigenschaften  in  Betracht  gezogen  werden.  Fast  in  der
ganzen  Welt  begegnet  man  Künstlern  aus  Tirol,  insbesondere  Bildhauern
und  Malern;  die  Händler,  namentlich  aus  bestimmten  Gegenden,  wie  dem
*)  Bei  dem  reichen  Kunstleben,  welches  in  Tirol  zu  allen  Zeiten  herrschte  und  das
eigentliche  Gebiet  der  Kunst  als  auch  jenes  der  Kunstgewerbe  gleichmässig  umfasste,  ist
das  Land  ein  interessantes  Object  für  Kunstforscher  gewesen.  Es  haben  sich  auch  zu
allen  Zeiten  Männer  gefunden,  die  mit  Liebe  und  Intelligenz  sich  der  Geschichte  der  einheimischen ­
  Kunst  gewidmet  haben,  wie  Primisser,  Bergmann  u.  A.  Bei  diesem  Anlasse
kann  ich  nicht  umhin,  den  Wunsch  auszusprechen,  dass  mein  hochverehrter  Freund,  Archivar ­
  Dr.  Schönherr  in  Innsbruck,  sich  bestimmt  finden  möchte,  seine  zahlreichen  archivalischen
  Forschungen,  welche  in  vielen  Einzelarbeiten  veröffentlicht  wurden,  in  einem
Sammelwerke  zu  vereinigen.  Er  würde  mit  diesem  Werk  nicht  blos  seinem  Lande  einen
grossen  Dienst  erweisen,  sondern  sich  auch  alle  Kunstforscher  zu  Dank  verpflichten,  denen
es  kaum  möglich  ist,  diese  Aufsätze  aus  so  bewährter  Feder  in  allen  den  verschiedenen
Zeitschriften  aufzusuchen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.