Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kunst und Kunstgewerbe in Tirol : aus Anlass der kunstgewerblichen Ausstellung in Innsbruck im August 1878. Vortrag gehalten am 14. November 1878 im österr. Museum

7

Qualitäten  für  statuarischen  Marmor,  wie  der  Sterzinger.  Ihnen  muss
daher  die  grösste  Aufmerksamkeit  gewidmet  werden.  Es  ist  Lebensfrage
für  die  Bildhauerei  und  die  Marmortechnik  in  ganz  Oesterreich,  dass  dieser
Marmor  in  der  statuarischen  Plastik  weit  mehr  verwendet  werde,  als  es
der  Fall  ist.  Wahrlich  in  den  Zeiten  der  Kaiserin  Maria  Theresia  hatte
man  vollständig  Recht,  die  Figuren  im  Schönbrunner  Schlossgarten  aus
Tiroler  Marmor  hersteilen  zu  lassen.  Die  Mehrkosten,  die  dadurch  verursacht ­
  wurden,  dass  man  sie  nicht  aus  Medolin-  oder  Mokritzerstein  oder
aus  einer  ähnlichen  Steingattung  anfertigen  liess,  sind  reichlich  dadurch
aufgewogen,  dass  jetzt,  nach  mehr  als  hundert  Jahren,  die  Figuren  im
Schönbrunner  Park  noch  schön  und  wohlerhalten  dastehen.  Jeder  Kunstfreund, ­
  der  mit  aufmerksamem  Auge  die  Marmorstatuen  betrachtet,  die
trefflich  erhaltene  Nymphe  am  Schönbrunnen  u.  s.  f.,  staunt  über  die
gute  Erhaltung  der  Figuren,  die  Wetterbeständigkeit  des  Marmors  und  die
Kunstfertigkeit  der  Marmorbildhauer  jener  Zeit,  die  nicht  blos  zu  modellieren, ­
  sondern  auch  den  Meissei  zu  führen  verstunden.  Auch  die  schönen
Marmorbrüche,  die  zu  Zeiten  Maria  Theresia’s  in  Westgalizien  im  Gange
waren,  sind  verfallen.  Es  verdient  in  der  That,  dass  man  der  Ausbeute
des  Tiroler  Marmors  eine  grössere  Aufmerksamkeit  zuwende  und  dass
man  mit  den  Mitteln  nicht  spare,  um  denselben  künstlerisch  und  industriell ­
  zu  verwerthen.  Auch  die  Marmorindustrie  Carrara’s  ist  nicht  schnell
entstanden.  Denn  wer  nur  einigermassen  in  der  Geschichte  blättert,  wird
gefunden  haben  (das  Buch  von  Prof.  Magenta:  L’industna  dei  marmi
Apuani,  Firenze  1871,  behandelt  dies  Thema),  dass  sehr  viel  Capital  von
Staatswegen  verwendet  wurde,  um  die  dortige  Marmorindustrie  zu  heben
und  heutigen  Tags  hat  sich  dieselbe  den  Weltmarkt  erobert.  Nie  wird
der  Tiroler  Marmor  zu  diesem  Ruf  gelangen,  wenn  die  Mittel  nicht  geboten ­
  werden,  die  nöthig  sind,  um  die  Brüche  im  Gange  zu  erhalten,  die
Verkehrswege  zu  verbessern  und  alles  das  zu  fördern,  was  die  Exportfähigkeit ­
  des  Tiroler  Marmors  heben  kann.
Ein  ebenso  wichtiges  Material  für  künstlerische  Bearbeitung  bildet
der  Holzreichthum  des  Landes.  Der  Tiroler  ist  ein  geborener  Holzschnitzer. ­
  Von  Kindesbeinen  an  handhabt  er  das  Schnitzmesser,  ohne
zeichnen  und  ohne  modelliren  zu  können,  weiss  er  sein  Instrument  zu
behandeln  und  seine  technische  Geschicklichkeit  ist  viel  grösser  als  jene
anderer  Alpenbewohner.  Auch  der  Oberösterreicher,  der  Salzburger,
Kärnthner,  der  deutsche  Schweizer  sind  Schnitzer;  an  Geschicklichkeit,  vor
Allem  aber  an  künstlerischer  Anlage  ist  ihnen  der  Tiroler  überlegen.  Im
Böhmerwald  und  in  der  Rauhen  Alp  in  Würtemberg  wird  ebenfalls  viel
geschnitzt,  aber  es  fehlt  den  dortigen  Schnitzern  jener  künstlerische  Zug,
welcher  den  Bewohnern  der  Tiroler  Berge  eigen  ist.  Mit  der  Uebung  des
Schnitzens,  die  der  Tiroler  schon  seit  Jahrhunderten  pflegt,  ist  ihm  die
richtige  Technik  des  Schneidens  nach  Flächen  angeboren.  Wenn  heutigen
Tages  auch  in  Tirol  das  Holz  nicht  immer  richtig  gehandhabt  wird,  so
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.