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Qualitäten für statuarischen Marmor, wie der Sterzinger. Ihnen muss
daher die grösste Aufmerksamkeit gewidmet werden. Es ist Lebensfrage
für die Bildhauerei und die Marmortechnik in ganz Oesterreich, dass dieser
Marmor in der statuarischen Plastik weit mehr verwendet werde, als es
der Fall ist. Wahrlich in den Zeiten der Kaiserin Maria Theresia hatte
man vollständig Recht, die Figuren im Schönbrunner Schlossgarten aus
Tiroler Marmor hersteilen zu lassen. Die Mehrkosten, die dadurch verursacht
wurden, dass man sie nicht aus Medolin- oder Mokritzerstein oder
aus einer ähnlichen Steingattung anfertigen liess, sind reichlich dadurch
aufgewogen, dass jetzt, nach mehr als hundert Jahren, die Figuren im
Schönbrunner Park noch schön und wohlerhalten dastehen. Jeder Kunstfreund,
der mit aufmerksamem Auge die Marmorstatuen betrachtet, die
trefflich erhaltene Nymphe am Schönbrunnen u. s. f., staunt über die
gute Erhaltung der Figuren, die Wetterbeständigkeit des Marmors und die
Kunstfertigkeit der Marmorbildhauer jener Zeit, die nicht blos zu modellieren,
sondern auch den Meissei zu führen verstunden. Auch die schönen
Marmorbrüche, die zu Zeiten Maria Theresia’s in Westgalizien im Gange
waren, sind verfallen. Es verdient in der That, dass man der Ausbeute
des Tiroler Marmors eine grössere Aufmerksamkeit zuwende und dass
man mit den Mitteln nicht spare, um denselben künstlerisch und industriell
zu verwerthen. Auch die Marmorindustrie Carrara’s ist nicht schnell
entstanden. Denn wer nur einigermassen in der Geschichte blättert, wird
gefunden haben (das Buch von Prof. Magenta: L’industna dei marmi
Apuani, Firenze 1871, behandelt dies Thema), dass sehr viel Capital von
Staatswegen verwendet wurde, um die dortige Marmorindustrie zu heben
und heutigen Tags hat sich dieselbe den Weltmarkt erobert. Nie wird
der Tiroler Marmor zu diesem Ruf gelangen, wenn die Mittel nicht geboten
werden, die nöthig sind, um die Brüche im Gange zu erhalten, die
Verkehrswege zu verbessern und alles das zu fördern, was die Exportfähigkeit
des Tiroler Marmors heben kann.
Ein ebenso wichtiges Material für künstlerische Bearbeitung bildet
der Holzreichthum des Landes. Der Tiroler ist ein geborener Holzschnitzer.
Von Kindesbeinen an handhabt er das Schnitzmesser, ohne
zeichnen und ohne modelliren zu können, weiss er sein Instrument zu
behandeln und seine technische Geschicklichkeit ist viel grösser als jene
anderer Alpenbewohner. Auch der Oberösterreicher, der Salzburger,
Kärnthner, der deutsche Schweizer sind Schnitzer; an Geschicklichkeit, vor
Allem aber an künstlerischer Anlage ist ihnen der Tiroler überlegen. Im
Böhmerwald und in der Rauhen Alp in Würtemberg wird ebenfalls viel
geschnitzt, aber es fehlt den dortigen Schnitzern jener künstlerische Zug,
welcher den Bewohnern der Tiroler Berge eigen ist. Mit der Uebung des
Schnitzens, die der Tiroler schon seit Jahrhunderten pflegt, ist ihm die
richtige Technik des Schneidens nach Flächen angeboren. Wenn heutigen
Tages auch in Tirol das Holz nicht immer richtig gehandhabt wird, so