1 82 J- Pechar, Dr. A. Peez.
hierzu noch 2 kr. für Manipulation, ergibt einen Transportpreis von 3Ö - 9 kr.
öfterr. Währ, von Oderberg bis Peil.
In anderer Richtung hat die oberfchlefifche und Oftrauer Kohle feit dem
Jahre 1874 in Galizien, der Bukowina und Rumänien ein entwicklungsfähiges
Abfatzgebiet gefunden. Diefs ward erft möglich, feitdem in der mafslos unrichtigen
Tarifpolitik, welcher die Carl Ludwig-Bahn und Lemberg-Czernowitzer
Bahn unter ihren früheren Leitungen huldigten, ein Umfchwung eingetreten. Ein
Tarif von mehr als einem Kreuzer per Centner und Meile mufste die Entwicklung
der öfllichen Kohlenmärkte erfticken und verurtheilte die Haushaltungen, die
Induftrie und die Bahnen felbft zum ausfchliefslichen Holzconfum.
Seitdem die Lemberg-Czernowitzer Bahn unter Sequefter geftellt und die
Generaldiredtion der Carl Ludwig-Bahn in bewährte Hand gelegt wurde, hat fich
diefs in erfreulicher Weife geändert. Beide genannten Bahnen fahren jetzt mit
0 5 Kreuzer Silber per Centner und Meile, und fo hat fich in kurzer Zeit
nicht nur der Abfatz der Kohle in Galizien und der Bukowina felbft gehoben,
fondern erftreckt fich auch bereits auf die Rumänifchen Bahnen, welche ihrerfeits
einen Tarif von 0 6 Kreuzern Silber per Centner und Meile als Norm aufftellten.
Die wohlthätigen Folgen für alle Betheiligten werden nicht ausbleiben.
Uebrigens ftöfst die öfterreichifche Kohle in Rumänien , ebenfo wie in
Trieft, Pola, Verona und Hamburg auf die Concurrenz der englifchen Kohle,
welche in Bukareft im Jahre 1873 28 fl. Silber koftete, im April 1874 aber fchon
wieder auf 16 fl. Silber gefallen war.
Graz und die inneröfterreichifchen Eifendiftri<5te verwenden nach Möglichkeit
das aus den fteierifchen und krainer Braunkohlenbecken flammende Brennmaterial
und beziehen für Specialzwecke Oftrauer Steinkohle und Coke aus
Oftrau und Roffitz.
Ungeachtet aller Anftrengungen ift es noch nicht gelungen, der inländifchen
Kohle den wichtigen Markt vonT rieft zu fichern, womit felbftverftändlich ausgefprochen
ift, dafs auch unfere Dampferlinien und die Werften und Arfenale inlftrien
und Dalmatien fich mit fremder Kohle verforgen. Die Fracht für Oftrauer Kohle
wurde von der Nordbahn und der Südbahn auf 0 5 Kreuzer herabgefetzt; hierzu noch
3-5 Kreuzer Manipulationsgebühr für die ganze Route, fowie 175 Kreuzer für die
Wiener Verbindungsbahn, ftellte fich im April 1874 Oftrauer Stückkohle mit *10
Kreuzer öfterr. Währ, nach Trieft, ein Preis, der immer noch zu hoch ift, um mit
dem Preife der englifchen Kohle in Trieft von 95 bis 100 Kreuzer erfolgreich in
Concurrenz zu treten.
Die Verwendung der einheimifchen Kohle für Marinezwecke ift aufserdem
erfchwert durch den Umftand, dafs die Marine in Trieft keinMaterialdepot befitzt.
Das Umladen in Barken und der Transport bis Pola und Liffa vertheuert daher
die einheimifche Kohle noch weiter um 10 bis 12 Kreuzer.
Ob nicht auch Vorurtheile zu Gunften des ausländifchen Produktes mitwirken,
bleibe hier ebenfo unerörtert wie die andere Frage, ob nicht Gefellfchaften,
die vom Staate fo bedeutend fubventionirt find, wie der Lloyd, die moralifche
Verpflichtung haben, wenn irgend möglich, ihre Bezüge aus dem Inlande
zu machen.
Je mehr fleh das Eifenbahnnetz der öfterreichifch-ungarifchen Monarchie
ausdehnt, je mehr fleh die Tarife ausgleichen und je zahlreichere Kohlenreviere
erfchloffen werden, umfomehr tritt die Möglichkeit hervor, dafs fleh Specialitäten
bilden und die verfchiedenen Kohlengattungen neben einander gebraucht werden,
eine jede für den Zweck, wofür fle am meiften fleh eignet.
Da der Erzreichthum Oefterreichs ein ungewöhnlicher ift und die Eifenund
Stahlinduftrie, ungeachtet des Dazwifchentretens von Schwankungen und
Krifen, jedenfalls einer grofsen Zukunft entgegengeht, fo ift es wahrfcheinlich,
dafs die Steinkohlenbecken, die ohnediefs , wie wir mehrfach bemerkten, keiner