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Full text : Die bildenden Künste der Gegenwart

Gruppe  XXV.  Die  bildenden  Künste  der  Gegenwart.  21
künstlerischen  Schilderung  von  Revolutionsscenen  die  Opfer  der  sogenannten ­
  glorreichen  Revolution  idealisirt,  die  Helden  der  Revolution
Schwarz  in  Schwarz  gemalt,  als  Fanatiker  gezeichnet  werden,  steht  in
grellem  Widerspruche  mit  den  beliebten  politischen  Anschauungen,
weckt  einen  Stimmungsstreit,  welcher  die  Phantasie  lähmt.  Ehen  so
erscheint  die  Zeit  begeisterten  Apotheosen  der  Napoleonischen  Dynastie
wenig  günstig.  Nur  vereinzelte  Nachzügler  dieser  Richtung  waren  in
Wien  bemerkbar:  Bellange  mit  seinem  „Rückzug  aus  Russland“,
Ch.  L.  Müller  mit  dem  von  früher  her  bekannten  Bilde:  „JLanjuinois
auf  der  Tribüne,  2.  Juni  1793“,  und  Meissonnier  mit  der  lange  erwarteten ­
  „Begrüssung  Napoleon’s  durch  Kürassiere  in  der  Schlacht  bei  Friedland“. ­
  Das  Werk  des  berühmten  Meisters  zeigt  ausnahmsweise  grössere
Dimensionen,  als  wir  sonst  bei  ihm  gewohnt  sind.  Wäre  die  Situation
nicht  so  maasslos  unglücklich  gewählt  —  ein  Haufen  schwerer  Reiter,
welche  alle  gleichmässig  den  Mund  aufreissen  zu  einem  donnernden
Vive  Tempereur!  —  so  würde  die  vollendete  Kunst  Meissonnier’s,
scharf  und  charakteristisch  zu  zeichnen,  ohne  Prätensionen  gut  zu
malen,  lebendig  aufzufassen,  zu  besserer  Geltung  kommen.  Es  verdient
erwähnt  zu  werden,  dass  das  Bild  unvollendet  in  Privatbesitz  überging.
Das  spricht  nicht  für  die  grosse  Anziehungskraft  dieses  Stoßkreises.
In  der  orientalischen  und  antiken  Welt  bewegen  sich  die  modernen ­
  französischen  Maler  mit  grösserer  Freiheit  und  sichtlicher  Vorliebe.
Die  Eroberung  von  Algier  gab  ihnen  die  erste  Gelegenheit,  dem  Oriente
näher  zu  treten  und  denselben  künstlerisch  auszubeuten.  Dieses  fremdartige ­
  Leben  reizte  die  Phantasie;  es  beschäftigte  den  Blick  der  Maler
und  weckte  die  Neugierde  der  Beschauer.  Es  bot  eine  neue  Staffage
für  Kriegsillustrationen,  es  half  das  etwas  stumpf  gewordene  Interesse
für  die  biblischen  Gestalten  wieder  aufzufrischen.  Vater  Abraham
musste  es  sich  gefallen  lassen,  als  arabischer  Scheich  costümirt  zu
erscheinen,  Rebecca’s  Typus  glaubte  man  in  den  maurischen  Fatima’s
und  Aiza’s  wieder  zu  linden.  Allmälig  gewann  aber  der  Orient  für  die
französische  Malerei  eine  noch  weitere  Bedeutung,  als  dass  durch  ethnographische ­
  Studien  die  biblischen  Scenen  der  historischen  Wirklichkeit
näher  gebracht  wurden.  In  der  orientalischen  Welt  fand  die  coloristiscbe
  Richtung  die  reichste  Nahrung,  sie  gestattete  auch  jene  Empfindungen ­
  energisch  zum  Ausdruck  zu  bringen,  welchen  die  tonangebenden ­
  Classen  der  Pariser  Gesellschaft  am  liebsten  nachgehen.  Die  bronzirten
  Körper  der  Männer,  die  goldigen  Leiber  der  Weiber,  die  prächtigen ­
  Costüme,  die  farbenglänzende  Decoration  im  Innern  der  Höfe
bieten  dem  Maler  einen  beneidenswerthen  Reichthnm  von  Motiven,  in
welchen  er  seine  virtuose  Kunst  zeigen  kann.  Scharfe  Contraste  zu
einer  harmonischen  Wirkung  zu  vereinigen,  einen  Hauptton  im  Gemälde
festzuhalten,  ihn  aber  durch  feine  Nüancen  zu  gliedern  und  zu  steigern,
die  wunderbaren  Effecte  intensiven  Lichtes  auf  die  Farbe  wiederzuge-
            
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