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Gründung eines selbständigen Geschäftes.
wurden allerlei Holzteile nach den verschiedensten Formen
gebogen, welche zu Verzierungen für allerlei Möbelstücke
verwendet wurden.
Gründung eines selbständigen
Geschäftes.
Lösung
des Vertrages
mit
Leistier.
Fabrikation
billiger
Möbel aus
gebogenem
Holze.
Als die Arbeiten für das Palais Liechtenstein beendet
waren, wurden in der Thonet’schen Werkstätte bei Leistier
vorwiegend feine Parketten und nebenbei auch Sessel aus
gebogenem Holze gearbeitet.
Im April 18*49 machte Michael Thonet Karl Leistier den
Vorschlag, mit ihm ein Kompagniegeschäft zu gründen, derart,
daß Karl Leistier das Betriebskapital, die Fabriksräume,
Maschinen usw., Michael T h on e t hingegen sein Privilegium
zur Verfügung stellen und mit seinen Söhnen die persönliche
Leitung der Fabrikation übernehmen würde. Der Gewinn
sollte geteilt werden. Karl Leistier schlug dies jedoch ab, was
zur Folge hatte, daß Michael Thonet den Vertrag mit
Leistier löste und den Entschluß faßte, ein selbständiges
Geschäft zu gründen.
Michael Thonet hatte in Wien noch immer mit mancherlei
Schwierigkeiten zu kämpfen, die erst nach und nach
behoben wurden.
Im Mai 1849 begann er mit seinen Söhnen Franz, Michael,
August und Josef Thonet, u. zw. im I . Stocke des Hauses
Gumpendorf, Hauptstraße Nr. 396, Ecke der Kaserngasse
(jetzt Gumpendorferstraße Nr. 74), selbständig zu arbeiten,
was ihm hauptsächlich dadurch ermöglicht wurde, daß sein
Gönner P. H. Desvignes ihn durch zwei Jahre mit regelmäßigen
wöchentlichen Geldvorschüssen unterstützte.
P~H. Desvignes übersiedelte Ende 1849 wieder nach
England, wo ihm ein großer Staatsbau in Aussicht gestellt
war, bei dessen Ausführung er die Familie Thonet, u. zw.
in England selbst, zu beschäftigen gedachte. Dieser Plan kam'
jedoch verschiedener Umstände wegen nicht zur Ausführung,
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Großes Interesse für Thonet-Erzeugnisse im Niederösterreichischen
Gewerbeverein.
weshalb auch die Übersiedlung der Familie Thonet nach
England unterblieb.
Michael T h o n e t hatte in erster Linie die Absicht, sich
auf die Fabrikation von Möbeln aus gebogenem Holze zu
werfen und namentlich solcher, womit ein großer Absatz
zu erzielen war. Die erste Sesselform, welche er in dieser
Absicht entwarf und ausführte, war — wenn auch in etwas
anderer Form — jene Type, welche noch heute als Sessel
Nr. 4 des Thonet’schen Möbelalbums erzeugt wird. Bei diesem
Sessel wurde die Rücklehne aus vier, und der Sitzrahmen aus
fünf Holzdicken gebogen. Das Verfahren war hiebei folgendes:
Die Holzteile wurden in siedendem Wasser gekocht, in Formen
gebogen und getrocknet; schließlich wurden die einzelnen
Furniere zu vollständigen Sesselteilen zusammengeleimt.
Dieses Sesselmuster (Nr. 4) wurde im Jahre 1850 im
Niederösterreichischen Gewerbeverein ausgestellt, desgleichen
Parkettenmuster mit aus verschiedenfarbigen Hölzern gebogenen
Verzierungen. Der Niederösterreichische Gewerbeverein
betätigte ein lebhaftes Interesse für diese Erzeugnisse. (Schon
am 6. Juni 1842 machte Hofklaviermacher J. B. Streicher
im Gewerbeverein auf das von Michael Thonet erfundene,
am 16. Juni 1842 patentierte Verfahren aufmerksam.) Die
Thonet’schen Erzeugnisse wurden im Verein auf das eingehendste
besprochen und beurteilt, wodurch die Aufmerksamkeit
des Publikums wachgerufen wurde. Ganz besonders
nahmen sich Regierungsrat Ritter von Burg und kaiserlicher
Rat Reuter der Sache an und betonten in den Versammlungen
auf das nachdrücklichste die Vorzüge dieser gebogenen
Möbel. Auch wurden die neuen-Erzeugnisse in den Zeitungen
besprochen und hiedurch das allgemeine Interesse auf die
Erfindung gelenkt. j
Werktätige Förderung erfuhr das Unternehmen Michael
Thonets durch den regierenden Fürsten Alois von und zu
Liechtenstein und dessen Gemahlin. Das Fürstenpaar,
welches erfahren hatte, in welcher Weise Michael Thonet
an der Einrichtung des Majoratspalais beteiligt gewesen ist,
bekundete die vollste Sympathie und regste Anteilnahme für
das junge Unternehmen. Der Fürst beehrte wiederholt Michael
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Die erste
billige
Sesselform.
Nachhaltige
Förderung
des Unternehmens
durch Bestellungen
des regierenden
Fürsten
Liechtenstein.