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Full text: Michael Thonet, der Erfinder und Begründer der Bugholzmöbel-Industrie

Thonet-Möbel auf der Londoner Ausstellung 
im Jahre 1851. 
Das erste 
öffentliche 
Lokal, wel 
ches mit 
Sesseln aus 
gebogenem 
Holze ein 
gerichtet 
wurde. 
T li o n e t’s Werkstätte und die später in der Strauchgasse 
errichtete Niederlage mit seinem Besuche, um sicli über den 
Fortgang der Geschäfte zu erkundigen, und unterstützte 
Michael Thonet durch namhafte Aufträge auf Sessel für 
seine Schlösser, oft auch in Fällen, wo kein dringender 
Bedarf vorlag, nur um Michael Thonet erhöhten Verdienst 
zuzuwenden; und bei den verschiedenen Anlässen bewährte 
sich in Rat und Tat, insbesondere in den wirkungsvollsten 
Fmpfehlungen die andauernde Gunst des Fürstenpaares. 
Der erste Auftrag auf die vorerwähnten gebogenen Sessel 
(Lehntype Nr. 4) wurde von Frau Dau m, Besitzerin des 
gleichnamigen Kaffeehauses ersten Ranges am Kohlmarkte in 
Wien, erteilt. Das Cafe Daum war somit das erste öffent 
liche Lokal, welches mit Sesseln aus gebogenem Holze ein 
gerichtet wurde. Dieselben wurden aus echtem Mahagoniholze 
gebogen und waren bis 1876 in Verwendung, in welchem 
Jahre sie erst durch neue, von den Gebrüdern Thonet gelie 
ferte Sessel ersetzt wurden. Ein solcher Sessel aus dem Cafe 
Daum war zur Veranschaulichung der damaligen Herstellungs 
weise in der speziellen Abteilung für die Geschichte der 
Erfindungen in der Wiener Ausstellung 1873 ausgestellt und 
befindet sich heute im Technologischen Gewerbemuseum zu 
Wien. 
Die nächste große Lieferung von der gleichen Type 
waren 400 Sessel aus Eschenholz für das Hotel »Zur Königin 
von England« in Budapest. 
Thonet-Möbel auf der Londoner 
Weltausstellung 1851. 
Im August 1850 wurden die Arbeiten für die 1851 in 
London stattfindende Weltausstellung in Angriff genommen, 
die erste, auf welcher Möbel aus gebogenem Holze zu 
sehen waren. Zur Ausstellung gelangten: 6 Sessel, 2 Fauteuils 
und 1 Kanapee aus echtem Palisanderholze gebogen, mit 
Messingeinlagen verziert, 2 Tische, deren Platten mit Schild- 
Thonet nimmt ein Privilegium auf die Namen 
seiner Söhne. 
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krot-, Messing- und Perlmuttcrarbeiten eingelegt waren, 
ferner 2 Lesetischchen und 2 kleine Etageres von gleicher 
Ausführung u. a. m. 
Der „Iilustrated Catalogue“ zum „Art. Journal“ 1851 in 
London brachte die Abbildung eines großen runden Tisches 
und besonders der Tischplattenhälfte, wobei die Schönheit und 
exakte Ausführung der verschlungenen Zeichnung der einge 
legten Tischplatte lobend erwähnt wird. 
Die Neuheit, Originalität und die eleganten Formen dieser 
Möbel erregten die allgemeine Aufmerksamkeit und wurden 
die Objekte von der Jury mit der großen Bronzemedaiile — 
der höchsten Auszeichnung für Industrieprodukte — prämiiert. 
Architekt P. H. Desvignes hatte sämtliche diese Aus 
stellungsgegenstände für seinen Landsitz in Lewisham bei 
London angekauft. Nach seinem Tode (1883) hat die Familie 
T honet dieselben wieder von der Familie Desvignes zuriick- 
gekauft.und befinden sich diese Möbel heute im Privatbesitze 
der Familie T honet als wertvolle Andenken aus der Grün 
dungsepoche dieses Industriezweiges. 
Am 28. Juli 1852 nahm Michael Thonet auf die Namen 
seiner Söhne Franz, Michael, August, Josef und Jakob Tho 
net ein Privilegium auf die Erfindung: »Dem Holze durch 
Schneiden und wieder Zusammenleimen jede beliebige 
Biegung und Form in verschiedener Richtung zu geben“, wel 
ches bis 28. Juli 1864 verlängert wurde. 
Um den Artikel im Publikum bekannter zu machen, 
errichtete Michael Thonet Ende 1852 in Wien eine kleine 
Verkaufniederlage in der inneren Stadt im Palais Montenuovo, 
die erste T hone t’sche Niederlage. 
Als mit dem zunehmenden Bedarfe und der Vergrößerung 
des Geschäftes die We^cstätte im II. Stocke des Hauses 
Nr. 396 in der Gumpendorferstraße- zu klein geworden, mie 
tete Michael Thonet im Frühjahre 1853 von dem Maler 
Amerling die nächst der Sechshauserlinie gelegene, zur 
ehemaligen Herrschaft Gumpendorf gehörige Mollardmühle, 
Gumpendorf, Mollardgasse Nr. 173, samt Wohnhaus und 
Nebengebäuden, wo sich vorläufig Raum genug fand, der 
Fabrikation eine größere Ausdehnung zu geben. Nach Über- 
Die 
Thonet- 
mübel in 
London 
prämiiert. 
Vergröße 
rung des 
Geschäftes.
	        
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