Vater Thonet an der Hobelbank und am Schraub
stock.
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Maschinen, wenn auch mitunter primitiv, aber doch zweck
entsprechend, in der Koritschaner Fabrik selbst hergestellt
wurden, so unter anderem auch sogar das Vollgatter zum
Zerschneiden der Buchenklötze. Dieses, meist aus Holzkon
struktion, war freilich nicht so leistungsfähig, wie die solid
gebauten eisernen Vollgatter, doch hat es seine Schuldigkeit
getan und kostete nicht viel. Ebenso verhielt es sich mit
Zirkularsägen, Bandsägen (eigener Erfindung) und anderen Holz
bearbeitungsmaschinen, deren Ankauf damals unerschwinglich
schien. Michael Thonet baute 1858 in Koritschan sogar eine
große Bandsäge zum Buchenklötzeversclmitt, welche sich jedoch
wegen Unmöglichkeit der Beschaffung eines Sägeblattes von
geeigneter Qualität nicht bewährte und wieder außer Betrieb
gesetzt wurde.
Michael Thonet arbeitete in der Koritschaner Fabrik
mit dem Aufgebote seiner ganzen physischen und geistigen
Kraft angestrengt von früh bis abend. Selbst bei den kurzen
Mahlzeiten im Familienkreise gönnte er sich keine Ruhe und
es wurde während derselben mit dem Bleistift in der Hand
unausgesetzt über geschäftliche Dinge, Verbesserungen und
Neuerungen debattiert.
Der am 2. November 1851 als einfacher Arbeiter in das
Haus Thonet eingetretene, im Frühjahr 1857 als Werkführer
nach Koritschan versetzte spätere Thonet’sche Fabriks
direktor in Wsetin, Josef J ü 1 k a, erzählt von jener Zeit aus
seinen Jugenderinnerungen:
»Wie oft sah ich Vater Thonet mit der Säge in der
Hand in den Fabrikshof gehen, sich dort einen Pfosten durch-
schneiden und ihn selbst zu seiner Hobelbank herauftragen.
Jeder, der ihm dabei helfen wollte, wurde abgewiesen. Wenn
ihn einer seiner Söhne^pm Schraubstocke arbeiten sah, ihm
die schwere Feile aus der Hand- nahm und einen Schlosser
zur Hilfe herbeirief, so ließ er dies scheinbar geschehen,
kaum aber unbewacht, schickte er den Schlosser wieder weg
und arbeitete selbst rüstig weiter. Es ereignete sich oft, daß
Fremde aus der Umgebung, welche die Koritschaner Fabrik
zu besichtigen wünschten, sich an Vater Thonet, dessen
Hobelbank nahe beim Fabrikseingange stand, wandten, nach
Rastlose
Tätigkeit
Michael
Thonets.