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Full text: Michael Thonet, der Erfinder und Begründer der Bugholzmöbel-Industrie

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Epochemachende Verbesserung des Biegeverfahrens. 
Überwin 
dung der 
größten 
Schwierig 
keiten. 
dem Chef der Fabrik fragend. Da sich aber Vater Thonet 
nicht gerne bei der Arbeit stören ließ, sagte er gewöhnlich: 
Dort sind meine Söhne! Ja aber auch die Söhne waren in 
ihren Arbeitsanzügen schwer herauszufinden.“ 
Nachdem die größten Schwierigkeiten überwunden und die 
unvermeidlichen Kinderkrankheiten des neuen Unternehmens 
überstanden waren, konnten, dank der auf dem Lande billige 
ren Arbeitskräfte, allmählich auch die Verkaufspreise redu 
ziert, beziehungsweise Konzessionen in den Verkaufskonditio 
nen gewährt werden, was wieder wesentlich dazu beitrug, dem 
Artikel eine größere Verbreitung zu verschaffen. 
Vervollkommnung des Biegverfahrens. 
Bei dem Umstande, als die gebogenen Sitzmöbel so zu 
sammengebaut sind, daß die einzelnen Teile ohne Leimver 
bindung bloß mittels eiserner Schrauben montiert und zerlegt 
werden können und in demontiertem Zustande in Kisten ver 
packt einen sehr geringen Raum einnehmen, konnte es nicht 
fehlen, daß diese Möbel bald zu einem sehr beliebten Export 
artikel wurden. Für den Export nach tropischen Gegenden 
erwies es sich jedoch als ein Übelstand, daß die bisher noch 
teilweise aus mehreuen Holzschienen gebogenen und zusammen 
geleimten Sesselteile infolge Einwirkung der glühenden Sonnen 
hitze und des feuchtwarmen Klimas öfters aus dem Leime 
gingen. 
Dieser Übelstand wurde erst dadurch gründlich be 
seitigt, daß es, nachdem man schon früher angefangen hatte, 
einzelne Möbelteile aus massivem Holze statt aus mehreren 
Schienen zu biegen, nun durch Verbesserungen im Biegever 
fahren und Vervollkommnung in der Konstruktion der Biege 
formen nach und nach gelang, alle Möbelteile, selbst die 
schwierigsten Biegungen, ausschließlich aus einem massiven 
Stücke herzustellen. 
Erst durch diese, für den Industriezweig epochemachende 
Verbesserung erlangte der Artikel jene Widerstandsfähigkeit 
gegen die erwähnten schädlichen Einflüsse, welche ihn heute zu 
Fabrikation von Wagenrädern aus gebogenem Holze. 
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einem so beliebten und bedeutenden Export- und Konsum 
artikel überhaupt gemacht hat. 
In dem Bestreben, dem Artikel durch Einführung billiger 
Konsumsorten eine größere Verbreitung zu verschaffen und 
ihn allgemein zugänglich zu machen, hat die Fabrik in 
Koritschan im Jahre 1859 jene Type geschaffen, welche als 
Sessel Nr. 14 der Hauptkonsumartikel der T h o n e t’schen 
Industrie geworden und geblieben ist. Die Gesamtproduktion 
von Sesseln Nr. 14 in sämtlichen Fabriken von Möbeln aus 
gebogenem Holze bis zum heutigen Tage dürfte mit etwa 
30 Millionen Stück nicht zu hoch gegriffen sein. 
Noch bedeutender aber erscheint die damit erfolgte Ein 
führung des kreisrund gebogenen Sitzrahmens, der seither 
die Welt erobert und heute wohl in Kombination mit zirka 
hundert verschiedenen Sesseltypen der verschiedenen Fa 
briken von Möbeln aus gebogenem Holze Anwendung gefun 
den hat. 
Sesseltype 
Nr. 14 der 
Haupt- 
konsum- 
artikel. 
Fabrikation von Wagenrädern aus 
gebogenem Holze. 
Ohne einen unbeugsamen Willen kann man 
auch die wertvollsten Verbesserungen der mensch 
lichen Einrichtungen nicht durchsetzen, denn gegen 
jede Änderung, habe sie auch die edelsten Ziele, 
wird sich immer eine Majorität erheben, die das 
Alte behalten möchte. 
W. Ostwald („Erfinder und Entdecker"). 
Neben der Fabrikation von Möbeln aus gebogenem Holze 
war Michael Thonet mit seinen Söhnen in der Fabrik in 
Koritschan auch auf anderen Gebieten tätig. Wie schon 
erwähnt, befand sich unter den Mustern, welche Michael 
Thonet bei seinem Besuche dem Fürsten Metternich 
auf Johannisberg vorgezeigt, auch ein Wagenrad, bei welchem 
Felgen und Speichen aus gebogenem Holze zusammengesetzt 
waren. In Koritschan wurden nun in größeren Mengen Rad 
felgen gebogen, was wieder zu allerlei Versuchen mit Rad 
konstruktionen Anlaß gegeben hat. Diese führten schließlich
	        
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