28
Epochemachende Verbesserung des Biegeverfahrens.
Überwin
dung der
größten
Schwierig
keiten.
dem Chef der Fabrik fragend. Da sich aber Vater Thonet
nicht gerne bei der Arbeit stören ließ, sagte er gewöhnlich:
Dort sind meine Söhne! Ja aber auch die Söhne waren in
ihren Arbeitsanzügen schwer herauszufinden.“
Nachdem die größten Schwierigkeiten überwunden und die
unvermeidlichen Kinderkrankheiten des neuen Unternehmens
überstanden waren, konnten, dank der auf dem Lande billige
ren Arbeitskräfte, allmählich auch die Verkaufspreise redu
ziert, beziehungsweise Konzessionen in den Verkaufskonditio
nen gewährt werden, was wieder wesentlich dazu beitrug, dem
Artikel eine größere Verbreitung zu verschaffen.
Vervollkommnung des Biegverfahrens.
Bei dem Umstande, als die gebogenen Sitzmöbel so zu
sammengebaut sind, daß die einzelnen Teile ohne Leimver
bindung bloß mittels eiserner Schrauben montiert und zerlegt
werden können und in demontiertem Zustande in Kisten ver
packt einen sehr geringen Raum einnehmen, konnte es nicht
fehlen, daß diese Möbel bald zu einem sehr beliebten Export
artikel wurden. Für den Export nach tropischen Gegenden
erwies es sich jedoch als ein Übelstand, daß die bisher noch
teilweise aus mehreuen Holzschienen gebogenen und zusammen
geleimten Sesselteile infolge Einwirkung der glühenden Sonnen
hitze und des feuchtwarmen Klimas öfters aus dem Leime
gingen.
Dieser Übelstand wurde erst dadurch gründlich be
seitigt, daß es, nachdem man schon früher angefangen hatte,
einzelne Möbelteile aus massivem Holze statt aus mehreren
Schienen zu biegen, nun durch Verbesserungen im Biegever
fahren und Vervollkommnung in der Konstruktion der Biege
formen nach und nach gelang, alle Möbelteile, selbst die
schwierigsten Biegungen, ausschließlich aus einem massiven
Stücke herzustellen.
Erst durch diese, für den Industriezweig epochemachende
Verbesserung erlangte der Artikel jene Widerstandsfähigkeit
gegen die erwähnten schädlichen Einflüsse, welche ihn heute zu
Fabrikation von Wagenrädern aus gebogenem Holze.
29
einem so beliebten und bedeutenden Export- und Konsum
artikel überhaupt gemacht hat.
In dem Bestreben, dem Artikel durch Einführung billiger
Konsumsorten eine größere Verbreitung zu verschaffen und
ihn allgemein zugänglich zu machen, hat die Fabrik in
Koritschan im Jahre 1859 jene Type geschaffen, welche als
Sessel Nr. 14 der Hauptkonsumartikel der T h o n e t’schen
Industrie geworden und geblieben ist. Die Gesamtproduktion
von Sesseln Nr. 14 in sämtlichen Fabriken von Möbeln aus
gebogenem Holze bis zum heutigen Tage dürfte mit etwa
30 Millionen Stück nicht zu hoch gegriffen sein.
Noch bedeutender aber erscheint die damit erfolgte Ein
führung des kreisrund gebogenen Sitzrahmens, der seither
die Welt erobert und heute wohl in Kombination mit zirka
hundert verschiedenen Sesseltypen der verschiedenen Fa
briken von Möbeln aus gebogenem Holze Anwendung gefun
den hat.
Sesseltype
Nr. 14 der
Haupt-
konsum-
artikel.
Fabrikation von Wagenrädern aus
gebogenem Holze.
Ohne einen unbeugsamen Willen kann man
auch die wertvollsten Verbesserungen der mensch
lichen Einrichtungen nicht durchsetzen, denn gegen
jede Änderung, habe sie auch die edelsten Ziele,
wird sich immer eine Majorität erheben, die das
Alte behalten möchte.
W. Ostwald („Erfinder und Entdecker").
Neben der Fabrikation von Möbeln aus gebogenem Holze
war Michael Thonet mit seinen Söhnen in der Fabrik in
Koritschan auch auf anderen Gebieten tätig. Wie schon
erwähnt, befand sich unter den Mustern, welche Michael
Thonet bei seinem Besuche dem Fürsten Metternich
auf Johannisberg vorgezeigt, auch ein Wagenrad, bei welchem
Felgen und Speichen aus gebogenem Holze zusammengesetzt
waren. In Koritschan wurden nun in größeren Mengen Rad
felgen gebogen, was wieder zu allerlei Versuchen mit Rad
konstruktionen Anlaß gegeben hat. Diese führten schließlich