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Full text: Michael Thonet, der Erfinder und Begründer der Bugholzmöbel-Industrie

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Ein Privilegium auf Räder schweren Fuhrwerkes. 
Modell 
eines 
Kanonen 
rades. 
durch die Erfindung einer eigentümlichen Radnabenkonstruk 
tion zu einem wertvollen praktischen Resultate, wenn auch 
die Firma Thonet selbst keinen materiellen Erfolg damit 
erzielte. 
Am 8. Jänner 1860 nahm die Firma Thonet auf eine 
eigenartige Konstruktion von Naben für die Räder schweren 
Fuhrwerkes ein Privilegium, welches bis zum 8. Jänner 1865 
verlängert wurde. Die Konstruktion dieser eigenartigen Nabe 
besteht aus einer Scheibe, welche mit einer metallenen Achs- 
büchse aus einem Stücke angefertigt ist, und aus einer, eben 
falls aus Metall hergestellten Verschlußplatte. Die hölzernen 
Speichen sind an ihrem, die Nabe bildenden Ende verstärkt 
angefertigt und derart keilförmig zugeschnitten, daß sämt 
liche Speichen des Rades mit ihren Verstärkungen aneinander 
stoßen und sich einerseits gegen die Scheibe anlegen, anderer 
seits durch die Verschlußplatte mittels Schraubenbolzen fixiert 
werden, die durch die Scheibe, durch die Speichenköpfe und 
die Verschlußplatte gehen und mittels Muttern fest an die 
Scheibe angezogen werden. Um die Festigkeit der Nabe zu 
erhöhen, sind die Scheibe und die Verschlußplatte so geformt, 
daß sie sich an die in der Richtung der Radachse keilförmig 
auseinandergehenden Speichenköpfe fest anschließen. 
Derart konstruierte Räder sind für Kanonen und schweres 
Fuhrwerk besonders geeignet; für ersteren Zweck, nament 
lich deshalb, weil die Speichen, welche im Kriege zerschossen 
oder durch irgend einen Unfall zerstört werden, durch Ab 
schrauben der Verschlußplatte leicht herausgenommen und 
durch neue ersetzt werden können. 
Das erste Modell eines solchen Kanonenrades wurde dem 
Wiener k. u. k. Arsenale zur Begutachtung vorgezeigt, fand 
aber zu jener Zeit nicht die erwartete Beachtung. Trotzdem 
wurden im Jahre 1862 — ohne Rücksichtnahme auf das 
Thonet’sche Patent — für die 8 cm und 12 cm Batterie- 
festungs- und Depressionslafetten Räder mit Eisennaben nach 
Thonet’schem System in den Werkstätten des k. u. k. Arse- 
nales unter dem Namen Thoneträder hergestellt und 
sind solche auch heute noch bei dem Feldartilleriemateriale 
Die Firma Thonet nimmt ein Patent auf die Kanonen 
radkonstruktion. 
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M. 1875 und den Trainfuhrwerken des Truppentrains M. 1883 
im Gebrauche. 
Nachdem — wie schon erwähnt — das dem österrei 
chischen k. u. k. Arsenale vorgezeigte Modell nicht die ver 
diente Würdigung gefunden, wurde sodann ein Kanonenrad 
dem preußischen Kriegsministerium nach Berlin zugesandt, 
welches es sehr zweckmäßig fand und der Firma Gebrüder 
Thonet einen Auftrag auf acht komplette Räder mit 
Büchsen und Achsen für zwei Kanonen erteilte. Dieser Auf 
trag wurde zur großen Zufriedenheit ausgeführt, die Räder 
wurden im Schleswig-Holstein’schen Kriege in Gebrauch 
genommen. Das preußische Kriegsministerium teilte der Firma 
Gebrüder Thonet mit, daß es von den Vorzügen dieser 
Räder sehr befriedigt sei und die Absicht habe, dieselben bei 
der Armee einzuführen. Als nun aber die Firma Gebrüder 
Thonet mit der preußischen Regierung in Verhandlungen 
trat, um ihr das angemeldete Räderpatent zu verkaufen, 
wollte man in den Archiven des Kriegsministeriums eine alte 
Zeichnung aus dem Jahre 1794 mit einer ähnlichen Naben 
konstruktion gefunden haben. Auf Grund dieser alten Zeichnung, 
nach welcher jedoch niemals ein Rad ausgefiihrt worden war, 
wurde die Neuheit der Thone t’schen Räderkonstruktion 
nicht anerkannt und die Erteilung des angemeldeten Patentes 
verweigert. Die preußische Regierung konnte diese Räder 
nun ungehindert in ihren Arsenalwerkstätten anfertigen. Diese 
Räder wurden bei der ganzen preußischen Artillerie ein 
geführt und werden, obwohl man die Neuheit nicht aner 
kennen wollte, »Thoneträder« genannt, unter welchem Namen 
sie heute noch in den Artillerieinstruktionen bezeichnet sind. 
Nach solchen Erfahrungen nahm die Firma ein Patent 
auf diese Radkonstruk^ion in England und wandte sich an 
Sir William Armstrong, den Erfinder der Armstrong 
kanone, welcher die Erfindung ganz neu fand und deren Ein 
führung bei der englischen Armee befürwortete. Das Spezial 
komitee des Woolwicharsenals erklärte die Sache für neu 
und empfehlenswert und es sollte nur noch der Ausspruch 
des Selected Comity entscheidend sein. Dessen Bescheid 
lautete jedoch: „Nachdem in der Versammlung des Selected 
Verwen 
dung von 
Thonet 
räder im 
Kriege.
	        
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