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Full text: Michael Thonet, der Erfinder und Begründer der Bugholzmöbel-Industrie

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Großer Erfolg auf der Londoner Weltausstellung 1862. 
wanden alle Schwierigkeiten. Strenge gegen sich selbst, milde 
und nachsichtig in der Beurteilung anderer, gönnte sie sich 
nur in ganz vereinzelten Fällen eine kleine Erholung. Sie 
verließ ihre Häuslichkeit nur äußerst selten, um in Gesell 
schaft ihres Gatten und der Kinder einen Spaziergang zu 
machen. Es erinnert dies an vorbildliche Frauen der Antike: 
Das höchste Lob, das die alten Römer einer edlen mater 
familias geben konnten, lautete: »Sie saß zuhause und spann.« 
(Dornum mansit, lanam fecit.) 
In Freud und Leid maßvoll und nie die Fassung ver 
lierend, übte sie durch ihr Beispiel einen wohltätigen Einfluß 
auf ihren Gatten und ganz besonders aber auch auf ihre Kin 
der aus. 
Am 10. Januar 1862 machte ein sanfter Tod ihrem Leben 
ein Ende. Tiefbetrauert von allen, die sie kannten, entschlum 
merte sie, umgeben von ihren Angehörigen in Wien, im 
Thonetschen Wohnhause (Kaiser Josefstraße Nr. 40). 
Großer Erfolg auf der Londoner 
Weltausstellung 1862. 
„Großes laßt sich ohne Begeisterung 
nicht schaffen. Großes gelingt nur, wenn 
Führer und Mitarbeiter mit voller Ueber- 
zeugung der Sache leben, in der Technik, 
wie überall.“ 
Schaffung 
einer Reihe 
neuer 
Artikel. 
Michael Thonet, von seinem schweren Verluste tief 
niedergedrückt, suchte Trost in unermüdlicher Arbeit, wozu 
ihm die Einrichtung der Fabrik in Bystritz reichliche Gelegen 
heit bot. Der Betrieb dieser Fabrik begann im Jahre 1862. 
Zu Beginn nahm Bystritz hauptsächlich die Fabrikation des 
bereits 1859 in Koritschan eingeführten Sessels Nr. 14 in 
größerem Maßstabe in die Hand. Sodann wurde daselbst 
jedoch eine große Anzahl anderer neuer Artikel geschaffen 
(auch die Parkettenfabrikation wieder aufgegriffen) und wäh 
rend die Fabrik in Koritschan bisher vorwiegend nur Sitz 
garnituren erzeugte, befaßte sich die Bystritzer Fabrik nun 
mit der Schaffung einer Reihe anderer Artikel und schuf 
Gründung der dritten Thonet-Möbelfabrik in Groß- 
Ugrocz. 
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die Grundtypen der verschiedenen Phantasiemöbel, aus wel 
chen dann allmählig die heutige reichhaltige Kollektion der 
selben entstanden ist. 
* 
Die von der Firma Gebrüder T honet reich beschickte 
Londoner Ausstellung war die erste, auf welcher auch billige 
Konsumware ausgestellt, und auf welcher die gebogenen Mö 
bel in ihrer nunmehr erreichten Vollkommenheit als eminent 
exportfähiger Artikel vorgeführt wurden. Die ausgestellten 
Möbel fanden als ein in England noch neuer Artikel gerechte 
Würdigung und großen Anwert, was namentlich im Vereine 
mit der gleichzeitig eröffneten ersten Verkaufsniederlage in 
London viel zur Einführung der gebogenen Möbel in England 
beitrug. Auf der Ausstellung entwickelte sich bei den damals 
noch empfänglicheren und kauflustigeren Ausstellungsbesu 
chein ein recht lebhafter Verkauf, wie ein solcher auf keiner 
der vielen darauffolgenden Ausstellungen mehr erreicht wurde. 
Die weitere Entwicklung der Fabrik in Bystritz nahm 
einen sehr günstigen Verlauf. Der Absatz steigerte sich von 
Jahr zu Jahr, was eine stete Vergrößerung der Fabrik und 
die notwendig gewordenen Anlage von Arbeitsfilialen (Flech 
tereien und Rasplereien) in den benachbarten Ortschaften zur 
Folge hatte. 
Gründung der dritten Bugholzmöbel 
fabrik in Groß-Ugrocz. 
Als die Holzbezüge aus den in der Nähe von Bystritz ge 
legenen Waldungen nicht mehr ausreichten, um dem gestei 
gerten Bedarfe zu genügen, mußten wieder neue Holzquellen 
beschafft werden. 
Zu diesem Zwecke erwarb die Firma Thonet im Jahre 
1865 vom Grafen Stefan Keglevich die im Barser Komitate 
in Ungarn gelegene Waldherrschaft Groß-Ugrocz mit der Ab 
sicht, dort eine größere Sägeanlage mit Biegerei zu schaffen, 
und von dort aus die mährischen Fabriken mit Rohware zu 
versorgen. 
Eröffnung 
der ersten 
Verkaufs 
niederlage 
in London.
	        
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