38
Neuerungen und Verbesserungen von Michael Thonet.
Günstige
Arbeits
verhält
nisse.
Michael Thonet leitete auch hier den Bau und die Ein
richtung des Etablissements persönlich und war ebenso wie
in Koritschan und Bystritz angestrengt und unermüdlich tätig,
Neuerungen und Verbesserungen einzuführen. Hatte er doch
hier wieder ein ganz neues und eigenartiges Feld für seine
Tätigkeit und die Genugtuung, daß es sich diesmal um die
Schaffung einer Anlage handle, dazu bestimmt, die Exploitie-
rung des durch mühevolle Arbeit erworbenen eigenen Be
sitzes durchzuführen.
Auch hier ereignete sich öfters, daß, wenn Besucher aus
der Umgebung kamen, um die Fabrik zu besichtigen, Michael
T hone t, um in seiner Arbeit nicht gestört zu werden, sich
verleugnen ließ und sie nicht wenig überrascht waren, als sie
dann im Speisesaal des Ugroczer Schlosses von ihm als seine
Gäste empfangen wurden, nachdem sie ihn vorher in der
Fabrik in seinem Arbeitsanzuge für irgendeinen Werkmeister
gehalten haben mochten. Mit desto größerer Hochachtung
wurde er sodann als Chef des Hauses geehrt.
Die Fabrik Groß-Ugrocz gelangte im Jahre 1866 in Be
trieb und von dort vorerst gedrechselte Möbelteile, sodann
nach Fertigstellung der Biegerei gebogene und roh vorge
arbeitete Sesselbestandteile, mittelst Achse nach den beiden
mährischen Fabriken verfrachtet.
Bei dem stetig wachsenden Bedarfe stellte es sich jedoch
alsbald heraus, daß die eigenen Ugroczer Waldbestände nicht
ausreichten, um die mährischen Fabriken ausgiebig und nach
haltig mit Rohware zu versehen, und da die beiden letzteren
den gesteigerten Anforderungen doch nicht mehr Genüge
leisten konnten, so entschloß man sich, die Groß-Ugroczer
Anlage zu einer selbständigen Fabrik auszugestalten, wozu
auch die ziemlich günstigen Arbeitsverhältnisse der dortigen
slowakischen Bevölkerung Anlaß boten. Die zu jener Zeit
nächstgelegene Bahnstation Tornocz (der Staatsbahnstrecke
Wien—Budapest) war zwar 13 Meilen von Ugrocz entfernt,
was den Transport fertiger Ware sehr schwierig gestaltete,
doch tröstete man sich mit der Hoffnung, daß eine geplante
Zweigbahn diesen Zustand bald beseitigen werde.
Buchenholzlieferungen aus Galizien für Thonetsche
Fabriken.
39
Bei der Errichtung und Inbetriebsetzung der Fabrik in
Groß-Ugrocz war der Vorgang der gleiche wie in Bystritz,
und wurden zur Anlernung der Arbeitskräfte Werkführer und
Arbeiter aus den mährischen Fabriken herangezogen. Der
Versand fertiger Ware begann im Jahre 1867 und nahm die
Produktion bei steigendem Bedarfe, trotz der namentlich in
den ersten Jahren sehr beschwerlichen Abfuhr eine rege Ent
wicklung.
Buchenholzlieferungen aus Galizien
für die Thonetschen Fabriken.
Durch den nun entfallenden Versand von Ugroczer Roh
waren nach den mährischen Fabriken mußte für die letzteren
Ersatz geschaffen werden. Um dies zu erreichen, schloß die
Firma T honet mit der erzherzoglich Albrechtschen Güter
direktion in Saybusch, Galizien, im Mai 1867 einen Buchenholz
lieferungsvertrag ab, nach welchem die Klötze auf den erz
herzoglichen Saybuscher Sägewerken zu Latten verschnitten
und dort auf den von der Firma Gebrüder Thonet zu be
schaffenden und in Betrieb zu setzenden Drechselmaschinen
bearbeitet werden sollten, um sie behufs Frachtersparnis in
gedrechseltem Zustande per Bahn nach den mährischen Fa
briken zu befördern.
Wieder war es Michael Thonet selbst, der im Jahre
1867 wiederholt nach Saybusch fuhr, um dort den Latten
verschnitt auf den Sägewerken einzurichten und die Aufstel
lung und den Betrieb der von ihm selbst konstruierten, mitt
lerweile verbesserten Möbelstabdrcchselmaschine zu leiten.
Michael T honet najjm während seines Saybuscher Auf
enthaltes Wohnung beim dortigen Glasermcister Johann Sza-
fransky und fand in der Familie des erzherzoglichen Forst
meisters Anton Rzehak, welchem er bis zu seinem Lebensende
freundschaftliche Erinnerung bewahrte, gastliche und liebe
volle Aufnahme.
Die von den Saybuscher Sägewerken in Versand ge
brachten Möbellatten waren die ersten, für welche überhaupt
Organisa
torische
Tätigkeit
Michael
Thonets
in Galizien.