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Full text: Michael Thonet, der Erfinder und Begründer der Bugholzmöbel-Industrie

Benützte Quellen. 
„Michael Thonet. Ein Gedenkblatt. Aus Anlaß der 100. Wieder 
kehr seines Geburtstages, 2. Juli 1896. Von seinen Söhnen und 
Enkeln. Wien 1896. Als Manuskript gedruckt.“ 
„Das Biegen des Holzes. Ein für Möbelfabrikanten, Wagen- 
und Schiffbauer, Böttcher u. a wichtiges Verfahren. Mit besonderer 
Rücksichtnahme auf die Thonet’sche Industrie. Von Wilhelm Franz 
Exner. Vierte Auflage, neu bearbeitet und erweitert von Georg 
Lauboek. Leipzig 1922. Verlag von Bernh. Friedr. Voigt.“ 
„Die Holzbiegerei. Herstellung der Möbel aus gebogenem 
Holze. Von Louis Edgar Andes. Wien und Leipzig. A. Hartlebens 
Verlag 1903.“ 
Wiener und andere Handelskammer- und Gewerbevereinsberichte. 
Bericht über die allgemeine Agrikultur- und Industrie-Aus 
stellung in Paris 1855. Herausgegeben von Dr. Eberhard A. Jonäk, 
Wien 1855. 
Aus der österreichischen Abteilung des Pariser Industrie 
palastes Xi. (1855.) 
Oesterreichischer Bericht über die Internationale Ausstellung 
in London 1862. Im Aufträge des k. k. Ministeriums für Handel usw. 
von Prof, Dr. Josef Arenstein, Wien 1862. 
Wiener und andere Zeitungsberichte. 
Mündliche Informationen. 
Einleitung. 
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Einleitung. 
Industrie ist ein Mittel zur moralischen Hebung 
des Volkes und eine Stütze der sittlichen Ordnung. 
Michel Chevalier, 
französischer Nationalökonom (1806—1879). 
Die Bezeichnung »Industrie« stammt bekanntlich von dem 
lateinischen Worte »industria« und bedeutet Betriebsamkeit, 
im weiteren Sinne soviel wie Gewerbe der Stoffveredlung, 
Gewerbfleiß, im engeren Sinne gewerblichen Großbetrieb — 
in jedem Sinne Arbeit! Arbeit ist das Gesetz unseres Seins, 
das lebendige Prinzip, das Menschen und Völker vorwärts 
treibt. Alles, was im Menschen groß ist, ist durch Arbeit, 
Industrie entstanden und die Zivilisation ist ihr Ergebnis. 
Je höher entwickelt und vielseitiger die Industrie eines 
Landes ist, desto leichter wird sie Störungen überwinden, die 
einen einzelnen Zweig und die damit beschäftigte Volksschicht 
treffen. Die Erfahrung hat mehrfach bewiesen, daß wo ein 
reges industrielles Leben herrscht, leicht neue Erwerbszweige 
aufgefunden oder erfunden werden, welche den Abgang 
oder die Schmälerung eines älteren ersetzen. 
Technische Erfindungen gestalten einzelne In 
dustriezweige fortdauernd um. So war die Erfindung der 
Bugholztechnik die Veranlassung eines gewaltigen 
Umschwunges in der Möbelindustrie. Der Erfinder Michael 
T hone t, ein genialer Tischlermeister, hat mit bewunderungs 
würdiger Ausdauer und großem' technischen Geschick das 
Verfahren des Holzbiegens zum Zwecke der Herstellung von 
Möbeln soweit ausgebilde^, daß es heute das Arbeitsprinzip 
einer großen, weitverzweigten, die Verwertung der Rotbuchen 
bestände (des billigsten und zu dem T h o n e t’schen Ver 
fahren bestgeeigneten Hartholzes) merkbar beeinflußenden 
Industrie geworden ist. Die Bugholzmöbelindustrie brauchte 
vor dem Weltkriege ein Rohmaterial, das durch die forstwirt 
schaftliche Ausnutzung eines Gebietes von 350.000 Hektar 
Buchenwald kaum zu beschaffen ist. Alljährlich wurden über
	        
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