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Abb. 22. Salontischdecke in
Applicationsarbeit nach Entwurf des
Fräuleins Marie Stempkowska, ausgeführt
in der k. k. Fachschule für Kunststickerei
in Wien, unter Leitung der Frau Luise
Schinnerer.
Stoffe: Schweizer Seidengaze als
Oberstoff und Rohseide als Unterlagestoff.
Der Oberstoff wurde in einen
Rahmen gespannt und die gestochene
Zeichnung mit haltbarer Pause darauf
übertragen.
Der Unterlagestoff ist an der
Kehrseite des Oberstoffes zunächst an
den vier Kanten mit Nadeln glatt an
zustecken und dann durch Heftstiche
mit dem Oberstoffe zu verbinden. Die
Contouren der Zeichnung sind mit Vor
stichen (in feiner, crtimefarbiger Näh
seide) abzunähen und dann mit Creme-
Seidengimpen zu begrenzen; diese wer
den durch ziemlich dicht anschliessende
Ueberfangstiche, von feinster gleich
farbiger Koreaseide niedergehalten. Zur
Begrenzung und zur grösseren Haltbar
keit der Abschlusszacken sind zwei
Seidengimpen dicht neben einander auf
zunähen. Die Adern der Blätter sind im
Stielstich (in mittelfeiner Cräme-Cor-
donnetseide) auszuführen, ebenso die
Staubfäden der Blumen. Die Mitte der
Staubfäden ziert ein, im Plattstich mit
CrSme - Malseide ausgeführter Punkt,
während die Adern der Blumenblätter
im Flachstich aus genannter Seide her
gestellt sind.
Nach vollendeter Arbeit ist der
Unterlagestoff, zwischen den Ornamenten
sowie auch im Fond der Decke heraus
zuschneiden.
Zum Schlüsse erhält der Fond
der Decke an der Kehrseite noch eine
Auflage von Seidengaze, welche dadurch
befestigt wird, dass die den Fond be
grenzende Gimpe noch einmal mit
überstickt wird. Der Ueberschuss des Gaze-
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Ueherfangstichen
Stoffes ist dann fortzuschneiden.
Abb. 23. Schärpe in Plattstickerei. Entwurf aus dem
Atelier des k. k. Museums für Kunst und Industrie, ausgeführt
an der k. k. Fachschule für Kunststickerei in Wien, unter Leitung
des Fräulein Emilie Stiasny.
Material: Feine, weisse Müller-Griesgaze für den Grundstoff;
mittelstarke, gut gedrehte Stickseide (grünblau, helloliv, drei Töne
goldgelb); feinere leicht gedrehte Seide (erbsengrün hell und dunkel,
steingrün, goldig-drap); offene Glanzseide (grünlich weiss); grüner
Gazestoff.
Ausführung: Das Uebertragen der Zeichnung ist auf durch
scheinenden Stoffen sehr einfach. Man steckt das Zeichenblatt
unter dem gespannten Stoffe fest und zeichnet die durchscheinenden
Linien mit Bleistift nach.
Bei vorliegender Arbeit wurde die von den Maiglöckchen
bedeckte Fläche, welche am oberen Rand mit einer bandartigen
Wellenlinie, unten mit einer bandartigen Geraden abschliesst, durch
Unterheften eines grünen, genügend breiten Gazestreifens schwach
grünlich abgetönt und dann erst die Stickerei ausgeführt, welche
aus Plattstickerei, abwechselnd mit Sandstich, gereihtem Steppstich
und Stielstich besteht.
So sind beispielsweise die grünlich weissen Maiglöckchen be
sonders reizvoll bei Herstellung einer glatten, glänzenden Licht
fläche in Plattstich und einer gebrochenen Lichtfläche in Sandstich,
in dem man die untenliegenden Blüthen ausführt.
Die mit gedrehter Seide plattgestickten, aufstrebenden, oliv
grünen Stiele der Lauchpflanze und die mit glänzender Seide platt
gestickten erbsengrünen Blätter der Maiglöckchen treten ent
schiedener hervor, die bandartigen Wellenlinien erscheinen dagegen
flach und treten zurück, wenn die Ausführung mittelst Stiel
stichrändern und durch versetzte Steppstiche erfolgt, die der
Biegung entsprechend der Länge nach gearbeitet sind. Dieselbe
Anwendung zweier Sticharten findet bei der Lauchpflanze mit den
goldig-drapfarbigen Deckblättern statt.
Abb. 23.
I 2
Schlussbemerkung. Die auf Seite 5 —12 abgebildeten Stücke waren mit
Ausnahme der in Abbildung 9, 16 und 18 dargestellten auf der Ausstellung der
k. k. kunstgewerblichen Fachschulen im k. k. Oesterreichischen Museum für Kunst
und Industrie (April 1901) ausgestellt; die letzterwähnten drei Stücke waren im
Monate darauf gleichfalls im Oesterreichischen Museum in der Ausstellung der Kunst
gewerbeschule des k. k. Museums zu sehen.