HAUSBAU
Beweis
Weil die Bäume nicht allein die Feuchtigkeit aus der Erde
durch die Wurzeln, fondern auch von dem Regen, dem Tau
und der Luft, durch die Blätter und Rinde an fich ziehen, und
der im Innern fich befindliche Saft zwifchen der Rinde in die
Höhe fteigt, gleich dem Geblüte im menfcblicben Körper zirkuliert,
fo wird durch das Hblöfen der Sfte und das Einhauen des
Stammes dem Baume die Feuchtigkeit genommen, foviel nur
möglich ift. Da nun aber nicht allein den Sommer über die
überflüffige Feuchtigkeit zur Nahrung der Blätter und Früchte
angewendet worden, fondern auch bei uns die Erde vor dem
Dezember ihrer Wärme nicht völlig beraubt wird, und folglich
die Feuchtigkeit darinnen nicht völlig gefrieren kann: Da nun
um die Mitte des Februar die Sonne merklich höher fteigt, und
der Saft wieder in die Bäume tritt, fo haben fie von Mitte
Dezember an bis gegen Mitte Februar die wenigfte Feuchtigkeit.
Und deshalb ift die die rechte Zeit fie zu fällen (§ 40). Wenn
man nun das Holz zu diefer Zeit fällt, da es die wenigfte
Feuchtigkeit hat, ihm auch vorher fo viel als möglich an Feuchtig*
keit genommen ift, fo hat man alles getan, was man hat tun
können, um das Bauholz recht trocken zu bekommen. W. Z. E. W.
DIE III. AUFGABE
43. Das gefällte Bauholz recht austrocknen. □
Auflöfung
Legt es unter einen Schuppen an einen trockenen Ort dergeftalt
übereinander, daß es nicht auf der Erde aufliegt und
vor den Sonnenftrahlen und dem Regen gefchütjt ift, allenthalben
aber von der freien Luft durcbftrichen werden kann, und
läßt es drei Jahre liegen: So wird es nach und nach austrocknen.
Beweis
Weil der Regen das Holz weich macht, hindert er das Trocknen.
Wenn es in der Sonne liegt, bekommt es Ritjen, weil der
obere Teil des Holzes eher trocknet, als der mittlere, und indem
es fich zufammenzieht und das mittlere nicht decken kann,
fpringt. Wenn das Holz auf der Erde aufliegt, fo ift es unten
immer naß, wenn auch der Erdboden um und um trocken ift,
da die aus der Erde fteigenden Dünfte nicht in die Luft gehen
können. Die Luft trocknet gefchwinder als die Wärme der
Sonne, und nicht fo ungleich wie diefe. Wenn daher das Holz
nach und nach austrocknet und im Trocknen nicht auffpringen
foll, fo muß es gegen Regen und Sonne gefchütjt werden; die
freie Luft aber muß es von allen Seiten beftreichen können. □
Anmerkung
44. Perrault bat gefunden, daß das Waffer durch das Holz
fickere, wenn es von oben begoffen wird, nicht aber fo leicht,
wenn es von unten gefchiebt. Ich habe das Experiment mehr
als einmal verfucht und richtig gefunden; wie wohl eine gute
Weile erforderlich war, ehe es durcbgelaufen ift. Um diefer
Urfacbe willen will Perrault, man foll dem Holze im Gebäude
eine verkehrte Lage derjenigen geben, die es im Walde batte.
Palladius glaubt, daß das Holz gleich trockne und fich nickt
fpalte, wenn man es mit Rindermift anftreut. □
DIE IV. AUFGABE
45. Die Güte der Steine erforfcben. □
Auflöfung
Die Güte der Steine beftebt darin, daß fie große Laften tragen
können, fich auch nicht leicht zerreiben, in Luft und Waffer
nicht zerfallen, und weder in der Kälte noch im Feuer fpringen (§ 36).
Wollt Ihr wiffen, ob der Stein feft ift oder nicht, fo könnt
Ihr folcbes durch gewaltfames Schlagen erfahren. Die Dauerhaftigkeit
in der Kälte und Luft erfahrt Ihr, wenn Ihr fie zwei
Jahre unter freiem Himmel liegen laßt, oder mit Scheidewaffer,
oder auch nur gemeinem Waffer anfeucbtet und mit einer eifernen
Bürfte kratjt. Wenn fie eine fchleimige Materie von fich laffen,
follen fie fich in der Luft nicht gut halten. Wenn Ihr einen Stein
ins Feuer werft, fo werdet Ihr gewahr, ob er fpringt oder nicht.
Anmerkung
46. Man hat bei gebrochenen Steinen, die nicht zu hart find, achtzugeben,
ob fie Steingalle haben: diefelbe ift oft weich wie Kreide,
löft fich in Feuchtigkeit oder Waffer mit der Zeit ganz auf, wodurch
das Gemäuer leicht fpaltet und oft fein Fall erfolgen kann.
DER VI. LEHRSATZ
47. Die Steine follen im Sommer gebrochen und in die Sonne
gelegt werden, auch eine Weile liegen, ehe fie verarbeitet werden.
Beweis
Alle Steine haben eine Feuchtigkeit in fick, wenn fie aus der
Erde kommen. Legt man fie in die Sonne, fo trocknen fie aus.
Gefrieren aber im Winter diefelben, fo fpringen fie öfters oder
werden mürbe. Durch das Liegen aber werden die Steine hart.
Anmerkung
48. Marmor und Brucbfteine, welche die Steinmetje brauchen,
follen bald verarbeitet werden, weil fie noch gelinde und gut
zu arbeiten find. □
DIE V. AUFGABE
49. Die Backfteine oder Ziegel zu macken. □
Auflöfung
1. Streichet die Ziegel im Frühling und Herbft, nickt aber im
heißen Sommer oder im Winter, wenn es gefriert, aus zarter
und nicht allzufetter Erde, die ohne Sand, Kies, Wurzeln und
Würmern ift, und die Ihr vorher wohl eingeweicht und wohl
untereinander verrührt habt. □
2. Setjt fie in eine Scheune, wo fie gegen Sonnenftrahlen und
Regen verwahrt find, aber doch die Luft durcbftreicben kann,
damit fie austrocknen. Müßt Ihr fie aber im Sommer oder
Winter ftreicben, fo bedeckt fie im Winter mit Sand, im Sommer
mit Spreu oder Stroh. □
3. Endlich, wenn fie recht ausgetrocknet find, laßt fie im Ofen
brennen. _ . □
Beweis
Von den Ziegeln fordert man, daß fie feft und nickt allzu
fchwer find. Aus fandiger Erde aber werden fie fcbwer und
zerbrechlich. Die Fefte fchwindet fehr und macht, daß die
Ziegel im Austrocknen Ritjen bekommen. Der Kies macht fie
im Austrocknen bucklicht, indem die harte Materie der Steine
nickt wie die Erde fchwindet. Ja, die Kalkfteine werden im
Brennen gar zu Kalk. Wenn nun hernach die Ziegel die Feuchtigkeit
in fich ziehen, fo werden fie von dem fich aufblafenden
Kalke auseinandergetrieben. Die Wurzeln und Würmer werden
von der Gewalt des Feuers verzehrt und laffen die Ziegel hin
und wieder bohl. Wenn nun im Herbft fich häufig Feuchtigkeit
bineinziebt und im Winter durch den Froft gefriert, fo werden
die Ziegel dadurch gefprengt. Daher muß man beim Ziegelftreicben
fich vor allen diefen Dingen hüten. Wenn die Erde
gut erweicht wird, löft fie fich recht auf, und indem fie durcheinandergerübrt
wird, gibt fie fick wieder feft zufammen. Dann
kann man auch fefte Ziegel daraus ftreicben. Wenn der Froft
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