in einer tüchtigen, gefcbulten Hrbeiterfcbaft und in einer ernften,
auf das Sachliche gerichteten Künftlerfchaft vorliegen, zu gebrauchen,
an den Hufgaben der Produktion entfprecbend zu
beteiligen und im Verein mit ihnen an der Löfung des Problems
zu arbeiten, von dem das flntlit) unferer inneren und äußeren
Kultur, des wirtfcbaftlicben und menfchlicben Fortfcbrittes unmittelbar
abbängt, wie es in der Schrift »DIE VOLKSWIRT-SCHHFT
DES TALENTS« darzuftellen verfucht ift, wofelbft
die eingehendere Begründung nacbgelefen werden kann. Die
Bekämpfung der Schunderzeugniffe ift eine zeitgemäße Notwendigkeit
und die Aufforderung zur Bildung einer folchen Liga,
die im Geifte der bekannten, in Verbindung mit der HOHEN
WARTE genannten führenden Männer gefchiebt, hat das Ziel
im Auge, allerorten die Gleicbgefinnten zur freiwilligen Mitwirkung
aufzufordern, nach Maßgabe der reichlich dargelegten
und immer wiederholten Forderungen durch Aufklärungen fachlicher
Natur, durch Hinweife auf die bereits beftebenden anftändigen
Leiftungen und auf die zu ihrem Verftändnis vorhandenen
Bildungsmittel, im Publikum, in der Werkftätte, im
Laden und in den irgendwie erreichbaren Produktionsftätten
zu wirken, Beifpiele der guten und fcblecbten Art zu fammeln,
die uns zur weiteren Verwendung und Aufklärung weitergegeben
werden mögen, um auf diefe Weife die Propaganda der
Qualität in allen Bereicbsfpbären wirkfam zu machen. Es foll
nach und nach im Publikum und in der Produktion das Bewußtfein
erzogen werden, daß es eine Art freiwilligen Überwacbungsausfcbuß
über die nationale Arbeit gibt, der propagandiftifcb
den Geift einer neuen, lebendigen Bildung vertritt, wonach
kein Menfcb, der nicht zwifchen Gut und Schlecht unterfcbeiden
kann, zu den Gebildeten gehört, und kein
Menfcb, der nicht anftändige Arbeit leiftet, ficb zur guten
Gefellfcbaft rechnen darf. Alle Zufchriften in diefer Sache
nimmt der Herausgeber zur Beantwortung in der HOHEN
WARTE gerne entgegen. □
WENN WIR EINE LEBENDE KUNSTSCHULE HABEN WOLLEN,
MUSS SICH ERST DAS GROSSE PUBLIKUM FÜR DIE KUNST
INTERESSIEREN; SIE MUSS EIN TEIL SEINES LEBENS
WERDEN, ETWAS, DAS ES EBENSOWENIG ENTBEHREN
KANN WIE WASSER ODER LICHT. ES DARF UNS GAR
NICHT MEHR MÖGLICH SEIN, ARMUT ODER NOTWENDIGKEIT
ALS EINE ENTSCHULDIGUNG FÜR HÄSSLICHKEIT
ODER SCHMUTZ ANZUFÜHREN, WIE ES JETZT GESCHIEHT.
WENN WIR EIN GEBÄUDE ERRICHTEN, GLEICHVIEL OB
EINEN PALAST, EINE FABRIK ODER EIN LANDHAUS, MUSS
ES GANZ SELBSTVERSTÄNDLICH SEIN, DASS ES DEM
AUGE WOHLGEFÄLLIG SEI; WENN EINE EISENBAHN VON
EINEM ORT ZUM ANDERN GEFÜHRT WERDEN SOLL, MUSS
ES FÜR AUSGEMACHT GELTEN, DASS DIE ZERSTÖRUNG
DER NATÜRLICHEN SCHÖNHEIT SO SEHR WIE MÖGLICH
EINGESCHRÄNKT WERDEN MUSS, MAG DAS AUCH DIE
KOSTEN DER LINIE ERHEBLICH ERHÖHEN; FABRIKEN MUSS
IHR VERUNSTALTENDER CHARAKTER GENOMMEN WERDEN,
WAS ES AUCH KOSTEN MAG; UND SO WEITER. UND,
BEACHTEN SIE ES WOHL: ALS DIES FÜR WIRKLICHES
GEMEINWOHL ERFORDERLICHE, WORAUF SICH EINZIG IN
NEUERER ZEIT DIE KUNST GRÜNDEN KANN, LÄSST SICH
GANZ GUT ERMÖGLICHEN; UND ES WIRD GESCHEHEN,
SOBALD ES DIE LEUTE SICH ANGELEGEN SEIN LASSEN.
WILLIAM MORRIS
HOLZVEREDLUNG UND FORSTWIRTSCHAFT
VON KARL SCHMIDT
(DRESDNER WERKSTÄTTEN FÜR HANDWERKSKUNST)
W enn man in den letzten Jahrzehnten durch unfere Möbelausftellungen
gegangen ift, dann bat man faft immer
ausländifcbe Hölzer gefunden, in der Hauptfache wohl
Nußbaum. Faft 80 bis 90 Prozent der Möbel, die in Deutfcbland
bergeftellt wurden, waren aus Nußbaumholz, befonders
amerikanifcbem, gearbeitet. Das hat ficb in den letjten Jahren
wefentlich geändert, insbefondere durch die moderne kunftgewerblicbe
Bewegung, die auf dem Standpunkt ftebt, daß
ganz unbedingt das befte Holz für uns ift, was bei uns felbft
wäcbft. Wie Menfcb, Tier und Pflanze im Klima und in den
Bodenverbältniffen immer dem Ort entfpricbt, in dem es ftebt
und gedeiht, genau fo ift es mit dem Holz. □
Wir haben in den lebten Jahren viele amerikanifcbe Kiefernhölzer
und auch ziemlich viel andere amerikanifcbe Weicbbölzer
verarbeitet. Wir haben das vollftändig aufgegeben. Das Holz
hat tropifcbe Eigenfcbaften und ift faft unberechenbar. Unfere
einbeimifcbe Kiefer, fie mag wefentlich äftiger fein, ift für uns
das viel richtigere Holz, weil es unteren Witterungsverbältniffen
durchaus entfpricbt und unferer ganzen Art mehr zufagt. Wir
bemühen uns deshalb, vor allen Dingen unfere beimifchen
Hölzer zu benutzen. Dem flehen aber verfchiedene Hinderniffe
entgegen. Befonders habe ich immer den Eindruck, daß unfere
Forftleute nicht genug Wert darauf legen, für den Tifcbler gute
Hölzer zu ziehen. Wenn Sie in den Wald kommen, feben Sie
die großen Reiben, die militärifcb daftehen oder wie Spargelpflanzungen,
die dünn abgefchnitten werden, und dann komme
ich mir als Tifcbler immer recht zurückgefetjt vor. Soviel ich
weiß, kommt der einbeimifcbe Holzhandel für den Tifcbler gar
nicht in Betracht und es wird nicht lange dauern, dann wird
man Möbel aus fächfifchem Holze wabrfcbeinlich nur noch in den
Mufeen zu feben bekommen. □
Nun wird natürlich eingewendet, unfer magerer Boden ufw.
kann edleres Holz nicht bergeben. Aber die Sache liegt doch
wohl auch fo, daß es gar nicht in dem Maße verfucht wird,
wie es wünfchenswert wäre. Wir haben eine Menge ausgezeichneter
Hölzer, die unbedingt mit den beften ausländifchen
Hölzern Schritt halten könnten, wenn auch von feiten der Forftleute
verfucht würde, das Holz zu fteigern und in die Höbe
zu bringen. □
Ich habe in der Dresdner Kunftgewerbeausftellung die Holzarten
befehen, in denen Möbel ausgefübrt find, und zwar in
81 Räumen. Früher wären davon ficher mindeftens 60 amerikanifcber
Nußbaum gewefen, es waren diesmal nur fünf Zimmer
in Nußbaum, 15 in anderen ausländifchen Hölzern und 61 in
deutfchen Hölzern, in der Hauptfache Eiche, die ja immer unfer
Liebling war, dann Rüfter, vor allen Dingen auch Birkenholz.
Gerade das letztere gibt ganz befonders fcböne Möbel. Die
Stämme brauchen auch gar nicht febr ftark zu fein, um fcbon
recht gut benutzt werden zu können. □
Wenn man unfere einbeimifchen Hölzer recht ausnutjen will
und man fängt mit Fichte und Kiefer an, fo flößt man als
Kunftgewerbler zunäcbft darauf, daß das rohe Holz in der Farbe
faft gar nicht brauchbar ift. Es ift viel zu roh. Weshalb es in
der Farbe fo wenig brauchbar ift, ift fchwer zu fagen. Wabrfcbeinlicb
deshalb, weil es der Hautfarbe des Menfcben faft gleich
ift. Wir haben deswegen verfucht, das Holz beffer zu machen,
und wir find zu ganz eigentümlichen Ergebniffen gekommen.
Die Behauptungen, die ich jetjt bringe, find vielleicht etwas gewagt;
immerhin, es ift dies meine Anficht. □
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