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Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

in  einer  tüchtigen,  gefcbulten  Hrbeiterfcbaft  und  in  einer  ernften,
auf  das  Sachliche  gerichteten  Künftlerfchaft  vorliegen,  zu  gebrauchen, ­
  an  den  Hufgaben  der  Produktion  entfprecbend  zu
beteiligen  und  im  Verein  mit  ihnen  an  der  Löfung  des  Problems
zu  arbeiten,  von  dem  das  flntlit)  unferer  inneren  und  äußeren
Kultur,  des  wirtfcbaftlicben  und  menfchlicben  Fortfcbrittes  unmittelbar ­
  abbängt,  wie  es  in  der  Schrift  »DIE  VOLKSWIRT-SCHHFT
  DES  TALENTS«  darzuftellen  verfucht  ift,  wofelbft
die  eingehendere  Begründung  nacbgelefen  werden  kann.  Die
Bekämpfung  der  Schunderzeugniffe  ift  eine  zeitgemäße  Notwendigkeit ­
  und  die  Aufforderung  zur  Bildung  einer  folchen  Liga,
die  im  Geifte  der  bekannten,  in  Verbindung  mit  der  HOHEN
WARTE  genannten  führenden  Männer  gefchiebt,  hat  das  Ziel
im  Auge,  allerorten  die  Gleicbgefinnten  zur  freiwilligen  Mitwirkung ­
  aufzufordern,  nach  Maßgabe  der  reichlich  dargelegten
und  immer  wiederholten  Forderungen  durch  Aufklärungen  fachlicher ­
  Natur,  durch  Hinweife  auf  die  bereits  beftebenden  anftändigen
  Leiftungen  und  auf  die  zu  ihrem  Verftändnis  vorhandenen ­
  Bildungsmittel,  im  Publikum,  in  der  Werkftätte,  im
Laden  und  in  den  irgendwie  erreichbaren  Produktionsftätten
zu  wirken,  Beifpiele  der  guten  und  fcblecbten  Art  zu  fammeln,
die  uns  zur  weiteren  Verwendung  und  Aufklärung  weitergegeben
werden  mögen,  um  auf  diefe  Weife  die  Propaganda  der
Qualität  in  allen  Bereicbsfpbären  wirkfam  zu  machen.  Es  foll
nach  und  nach  im  Publikum  und  in  der  Produktion  das  Bewußtfein ­
  erzogen  werden,  daß  es  eine  Art  freiwilligen  Überwacbungsausfcbuß
  über  die  nationale  Arbeit  gibt,  der  propagandiftifcb
den  Geift  einer  neuen,  lebendigen  Bildung  vertritt,  wonach
kein  Menfcb,  der  nicht  zwifchen  Gut  und  Schlecht  unterfcbeiden
  kann,  zu  den  Gebildeten  gehört,  und  kein
Menfcb,  der  nicht  anftändige  Arbeit  leiftet,  ficb  zur  guten
Gefellfcbaft  rechnen  darf.  Alle  Zufchriften  in  diefer  Sache
nimmt  der  Herausgeber  zur  Beantwortung  in  der  HOHEN
WARTE  gerne  entgegen.  □

WENN  WIR  EINE  LEBENDE  KUNSTSCHULE  HABEN  WOLLEN,
MUSS  SICH  ERST  DAS  GROSSE  PUBLIKUM  FÜR  DIE  KUNST
INTERESSIEREN;  SIE  MUSS  EIN  TEIL  SEINES  LEBENS
WERDEN,  ETWAS,  DAS  ES  EBENSOWENIG  ENTBEHREN
KANN  WIE  WASSER  ODER  LICHT.  ES  DARF  UNS  GAR
NICHT  MEHR  MÖGLICH  SEIN,  ARMUT  ODER  NOTWENDIGKEIT ­
  ALS  EINE  ENTSCHULDIGUNG  FÜR  HÄSSLICHKEIT
ODER  SCHMUTZ  ANZUFÜHREN,  WIE  ES  JETZT  GESCHIEHT.
WENN  WIR  EIN  GEBÄUDE  ERRICHTEN,  GLEICHVIEL  OB
EINEN  PALAST,  EINE  FABRIK  ODER  EIN  LANDHAUS,  MUSS
ES  GANZ  SELBSTVERSTÄNDLICH  SEIN,  DASS  ES  DEM
AUGE  WOHLGEFÄLLIG  SEI;  WENN  EINE  EISENBAHN  VON
EINEM  ORT  ZUM  ANDERN  GEFÜHRT  WERDEN  SOLL,  MUSS
ES  FÜR  AUSGEMACHT  GELTEN,  DASS  DIE  ZERSTÖRUNG
DER  NATÜRLICHEN  SCHÖNHEIT  SO  SEHR  WIE  MÖGLICH
EINGESCHRÄNKT  WERDEN  MUSS,  MAG  DAS  AUCH  DIE
KOSTEN  DER  LINIE  ERHEBLICH  ERHÖHEN;  FABRIKEN  MUSS
IHR  VERUNSTALTENDER  CHARAKTER  GENOMMEN  WERDEN, ­
  WAS  ES  AUCH  KOSTEN  MAG;  UND  SO  WEITER.  UND,
BEACHTEN  SIE  ES  WOHL:  ALS  DIES  FÜR  WIRKLICHES
GEMEINWOHL  ERFORDERLICHE,  WORAUF  SICH  EINZIG  IN
NEUERER  ZEIT  DIE  KUNST  GRÜNDEN  KANN,  LÄSST  SICH
GANZ  GUT  ERMÖGLICHEN;  UND  ES  WIRD  GESCHEHEN,
SOBALD  ES  DIE  LEUTE  SICH  ANGELEGEN  SEIN  LASSEN.
WILLIAM  MORRIS

HOLZVEREDLUNG  UND  FORSTWIRTSCHAFT
VON  KARL  SCHMIDT
(DRESDNER  WERKSTÄTTEN  FÜR  HANDWERKSKUNST)
W enn  man  in  den  letzten  Jahrzehnten  durch  unfere  Möbelausftellungen
  gegangen  ift,  dann  bat  man  faft  immer
ausländifcbe  Hölzer  gefunden,  in  der  Hauptfache  wohl
Nußbaum.  Faft  80  bis  90  Prozent  der  Möbel,  die  in  Deutfcbland
  bergeftellt  wurden,  waren  aus  Nußbaumholz,  befonders
amerikanifcbem,  gearbeitet.  Das  hat  ficb  in  den  letjten  Jahren
wefentlich  geändert,  insbefondere  durch  die  moderne  kunftgewerblicbe
  Bewegung,  die  auf  dem  Standpunkt  ftebt,  daß
ganz  unbedingt  das  befte  Holz  für  uns  ift,  was  bei  uns  felbft
wäcbft.  Wie  Menfcb,  Tier  und  Pflanze  im  Klima  und  in  den
Bodenverbältniffen  immer  dem  Ort  entfpricbt,  in  dem  es  ftebt
und  gedeiht,  genau  fo  ift  es  mit  dem  Holz.  □
Wir  haben  in  den  lebten  Jahren  viele  amerikanifcbe  Kiefernhölzer ­
  und  auch  ziemlich  viel  andere  amerikanifcbe  Weicbbölzer
verarbeitet.  Wir  haben  das  vollftändig  aufgegeben.  Das  Holz
hat  tropifcbe  Eigenfcbaften  und  ift  faft  unberechenbar.  Unfere
einbeimifcbe  Kiefer,  fie  mag  wefentlich  äftiger  fein,  ift  für  uns
das  viel  richtigere  Holz,  weil  es  unteren  Witterungsverbältniffen
durchaus  entfpricbt  und  unferer  ganzen  Art  mehr  zufagt.  Wir
bemühen  uns  deshalb,  vor  allen  Dingen  unfere  beimifchen
Hölzer  zu  benutzen.  Dem  flehen  aber  verfchiedene  Hinderniffe
entgegen.  Befonders  habe  ich  immer  den  Eindruck,  daß  unfere
Forftleute  nicht  genug  Wert  darauf  legen,  für  den  Tifcbler  gute
Hölzer  zu  ziehen.  Wenn  Sie  in  den  Wald  kommen,  feben  Sie
die  großen  Reiben,  die  militärifcb  daftehen  oder  wie  Spargelpflanzungen, ­
  die  dünn  abgefchnitten  werden,  und  dann  komme
ich  mir  als  Tifcbler  immer  recht  zurückgefetjt  vor.  Soviel  ich
weiß,  kommt  der  einbeimifcbe  Holzhandel  für  den  Tifcbler  gar
nicht  in  Betracht  und  es  wird  nicht  lange  dauern,  dann  wird
man  Möbel  aus  fächfifchem  Holze  wabrfcbeinlich  nur  noch  in  den
Mufeen  zu  feben  bekommen.  □
Nun  wird  natürlich  eingewendet,  unfer  magerer  Boden  ufw.
kann  edleres  Holz  nicht  bergeben.  Aber  die  Sache  liegt  doch
wohl  auch  fo,  daß  es  gar  nicht  in  dem  Maße  verfucht  wird,
wie  es  wünfchenswert  wäre.  Wir  haben  eine  Menge  ausgezeichneter ­
  Hölzer,  die  unbedingt  mit  den  beften  ausländifchen
Hölzern  Schritt  halten  könnten,  wenn  auch  von  feiten  der  Forftleute ­
  verfucht  würde,  das  Holz  zu  fteigern  und  in  die  Höbe
zu  bringen.  □
Ich  habe  in  der  Dresdner  Kunftgewerbeausftellung  die  Holzarten ­
  befehen,  in  denen  Möbel  ausgefübrt  find,  und  zwar  in
81  Räumen.  Früher  wären  davon  ficher  mindeftens  60  amerikanifcber
  Nußbaum  gewefen,  es  waren  diesmal  nur  fünf  Zimmer
in  Nußbaum,  15  in  anderen  ausländifchen  Hölzern  und  61  in
deutfchen  Hölzern,  in  der  Hauptfache  Eiche,  die  ja  immer  unfer
Liebling  war,  dann  Rüfter,  vor  allen  Dingen  auch  Birkenholz.
Gerade  das  letztere  gibt  ganz  befonders  fcböne  Möbel.  Die
Stämme  brauchen  auch  gar  nicht  febr  ftark  zu  fein,  um  fcbon
recht  gut  benutzt  werden  zu  können.  □
Wenn  man  unfere  einbeimifchen  Hölzer  recht  ausnutjen  will
und  man  fängt  mit  Fichte  und  Kiefer  an,  fo  flößt  man  als
Kunftgewerbler  zunäcbft  darauf,  daß  das  rohe  Holz  in  der  Farbe
faft  gar  nicht  brauchbar  ift.  Es  ift  viel  zu  roh.  Weshalb  es  in
der  Farbe  fo  wenig  brauchbar  ift,  ift  fchwer  zu  fagen.  Wabrfcbeinlicb
  deshalb,  weil  es  der  Hautfarbe  des  Menfcben  faft  gleich
ift.  Wir  haben  deswegen  verfucht,  das  Holz  beffer  zu  machen,
und  wir  find  zu  ganz  eigentümlichen  Ergebniffen  gekommen.
Die  Behauptungen,  die  ich  jetjt  bringe,  find  vielleicht  etwas  gewagt; ­
  immerhin,  es  ift  dies  meine  Anficht.  □

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