Wenn man einen Baum im Walde abfdmeidet und läßt ihn
liegen und trocknen, dann fcbeint mir das ein Verfahren zu
fein, das doch ziemlich primitiv ift. Es gibt in der Natur kein
Produkt, außer Stein, das man ganz roh verwenden und ver*
arbeiten könnte, es muß faft jedes Naturprodukt gekocht, gebogen,
gegerbt werden. Untere Hölzer aber werden abgefdmitten,
bleiben liegen und fo werden fie dann verfcfmitten und verarbeitet.
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Daß das Holz darunter leidet, ift kein Wunder. Wir haben
gefehen, daß die Japaner ihre rohen Hölzer fo verarbeiten, daß
faft durchweg ganz prachtvolle Hölzer entftehen, wofür fie koloffale
Preife bekommen. Wenn wir z. B. Sugi-Moku - das ift
ein japanifches Nadelholz - in Betracht ziehen, fo koftet das
Kubikmeter 400 bis 500 Mark und die weite Reife ift das geringfte,
was den Preis verteuert. Ich will noch hinzufügen,
es ift das Verfahren, das Holz roh abzufdmeiden und liegen
zu laffen, meiner Huffaffung nach ungefähr fo, wie wenn ich
der Kuh die Haut herunterziehe und will mir dann aus der Haut
Stiefel machen. Es ift zunächft doch nur halbfertiges Material.
Wir haben nun verfucht, das Holz garzumachen, und haben
fchließlich als beften Weg den gefunden, daß das Holz möglicbft
frifcb - je frifdber es ift, um fo beffer - gefchnitten wird und
in die Erde vergraben, die mit Kalk und anderen Mitteln vermifcht,
zugefchüttet und drei bis fünf Monate liegen gelaffen
wird, je nach dem Material. Wenn man das Holz wieder ausgräbt,
dann find wir als Kunftgewerbler immer überrafcht von
der wundervollen Farbe, die es bekommen hat. Hus der rohen
Farbe ift eine fertige brauchbare Farbe geworden, fo daß wir
diefes Holz fogar direkt roh verwenden, es würde jede Beizung
oder ein Überzug eine Minderung diefes Materials bedeuten.
Wie der chemifche Prozeß der Sache ift, kann ich nicht
genau fagen. Jedenfalls ift es eine Umbildung des Gerbftoffes.
Es kommt alfo keine Spur von Farbe hinzu, die Farbbildung
entwickelt fich im Holze felbft. Deshalb ift die Farbe durchaus echt.
Um untere einheimifchen Hölzer auch härter zu machen, haben
wir verfucht, bei den Nadelhölzern das weiche Frühjahrsholz
zwifchen den Jahren zu entfernen. Wir machen das durch große
Mafchinen, Tragwalzen, bei denen das Holz darüber wegläuft und
das Weiche fich wegbürftet. Huf diefe Weife wird aus dem weichen
Material ein balbbartes, und vor allem wird die Materialwirkung
ganz befonders gefteigert. Sie können Lärchenbolz, auch Fichtenholz,
zumal wenn es gegerbt ift, den beften ausländifchen Hölzern
gleicbftellen. Ich behaupte, es gleicht Mahagoni und Nußbaum
vollftändig. Es wird immer der Einwand erhoben, daß
dies unpraktifch fei, weil der Staub fich feftfetje. Ich glaube,
diefe Furcht gebt zu weit, wie wir überhaupt in der Staubfurcht
zu weit geben. Wenn ich das Holzmöbelftück mit Dürften oder
Befen abkebre, wird es vollftändig genügen. □
Dann haben wir auch verfucht, Stämme quer zu fchneiden,
um einen Erfat) für Intarfien zu finden, eine Füllung, die gut
dekorativ in der Wirkung ift, was auch ein Mittel ift, um unfern
einfachen Möbeln eine reichere Husfchmückung zu geben. □
Ein ganzer Teil unferer Hölzer »ftebt« nicht, weil das Material,
wie ich vorhin ausfübrte, noch nicht fertig ift. Wenn wir gegerbtes
Holz nehmen, wenn Buche drei bis fechs Monate mit
Kalk in der Erde gelegen bat, dann ift das Material ganz ausgelaugt
und die Härte ift gut. Ein gegerbtes Buchenholz kann
man ruhig maffiv verarbeiten. Die meiften überfeeifchen Hölzer
kann man auch nicht ganz maffiv verarbeiten, weil fie in ihren
tropäfchen Eigenfcbaften unberechenbar find. Deshalb fourniert
man die Möbel immer. Das Fournieren ift aber mehr oder
weniger eine Kartonnagenarbeit, eine Papperei, wenn ein paar
Millimeter Holz darüber aufgelegt werden. Um Hölzer, die
ganz fchräg ftehen, wie Buche und Eiche, maffiv verarbeiten zu
können, fchneiden wir die Stücke in möglicbft kleine Felder,
und zwar fo, daß, wenn fie trocknen, fie böcbftens 1 bis 2 Millimeter
trocknen können, und wenn fie quellen, böcbftens 2 Millimeter
breiter werden können. Man kann in diefer Art auch
Hfte bearbeiten, weil man das Holz in kleine Stücke zerfchneiden
kann. □
Das Verfahren, das wir jetjt haben, beftebt für untere einheimifchen
Hölzer darin, daß man fie mit Deckfarbe ftreicht.
Nun bat Deckfarbe als Materialwirkung an fich fcbon etwas Geringes,
und je länger man eine Sache braucht, um fo mehr kommt
die Kante durch. Oder man bat gebeizt, wie dies neuerdings
vielfach gefcbiebt. Hber auch wenn die Beize echt ift, gebt fie
doch febr wenig tief in das Holz, und wenn das Holz ein paar
Jahre gebraucht wird, kommen die Kanten durch. Sobald die
Farbe durch und durch gebt, wird das Material natürlich viel
wertvoller, weil fo ein Stüde mit der Zeit nur feböner, aber nicht
vermindert werden kann. □
Dann möchte ich noch auf einen Punkt binweifen. Es ift bei
uns in Deutfchland und wohl auch in den übrigen europäifeben
Ländern üblich, daß man das Holz immer fenkreebt zum Kern
auffebneidet, eine alte Gewohnheit, die aber durchaus nicht notwendig
ift. Je fenkreebter zur Stammacbfe das Holz gefchnitten
wird, um fo weniger Zeichnung kann es haben. Je febräger
das Holz zum Kern gefchnitten wird, um fo reicher wird die
Zeichnung fein. Hlfo es ift das Schrägfchneiden ein Mittel, um
die Wirkung zu beben, das man viel öfter verwenden müßte.
Es kommt dazu, daß das Holz, wenn es febräger gefchnitten
wird, auch beffer ftebt, weil die Fafern kürzer werden. Es darf
natürlich nie febräger fein, als daß die Schräge von einer Ecke
des Schnittftückes zur anderen diagonal gebt. □
Wir find in Deutfchland jeijt fo weit, daß im Jahre für 220
Millionen Mark ausländifche Hölzer eingefübrt werden müffen,
eine Riefenfumme Holz, das zum Teil ficher auch bei uns gebaut
werden könnte. Wenn ein Forftmann das Material zu
fteigern fucht, wenn vor allem die Tifcbler mit dem Material
möglicbft viel zu machen verfuchen, ift es ficher, daß wir untere
einheimifchen Hölzer auch wieder einbürgern können. □
Soviel ich weiß, haben die Japaner eine Unmenge von Verfahren
für ihre Hölzer, die man möglicbft feftftellen müßte.
Dabei bat Japan verhältnismäßig wenig Wald, aber doch eine
ganz geringe Holzeinfubr, weil die Forftwirtfchaft dort auf
einer febr hoben Stufe ftehen muß. Es gibt dort, wie ich von
einem Freunde weiß, Wälder, die eingezäunt find und wo jeder
Baum befonders gepflegt wird und trotzdem die Koften wieder
einkommen. Mir fcbeint, foweit ich an den Hölzern gefehen
habe, daß mit gerbftoflfbaltigen Düngemitteln ufw. die Bäume
gedüngt werden, welche es veranlaffen, daß das Holz ziemlich
g erb fto ff haltig ift, was für das Gerben ein Vorzug ift; denn je
gerbftoffbaltiger das Hotz, defto beffer geht das Gerbverfabren
vor fich. Ein anderes vielfach angewendetes Verfahren beftebt
darin, Erlen im Saft im Frühjahr abzufdmeiden und diefes ganz
grüne, faftige Holz an febattige, feuchte Orte zu legen, und dort
von Zeit zu Zeit zu wenden. Die Folge davon ift, daß die Säfte
im Holz verftocken und daß je nach der Dichtigkeit des Holzes
bunte Stellen entftehen. Das Holz wird gefchnitten und langfam
getrocknet und dann bekommt man ein prachtvolles pbantaftifebes
Material, welches graue, braune und febwarze Flecken zeigt und
in der Möbeltifcblerei gut verwendet werden kann. Durch das
Gerben fcbeint auch die Härte zuzunebmen, und verhältnismäßig
weiche Hölzer, wie Fichte, werden durch das Gerben kompakter
und weniger verletzlich. Es wird fich bei anderen Hölzern
wabrfcheinlich ebenfo verhalten. D
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