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Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Wenn  man  einen  Baum  im  Walde  abfdmeidet  und  läßt  ihn
liegen  und  trocknen,  dann  fcbeint  mir  das  ein  Verfahren  zu
fein,  das  doch  ziemlich  primitiv  ift.  Es  gibt  in  der  Natur  kein
Produkt,  außer  Stein,  das  man  ganz  roh  verwenden  und  ver*
arbeiten  könnte,  es  muß  faft  jedes  Naturprodukt  gekocht,  gebogen, ­
  gegerbt  werden.  Untere  Hölzer  aber  werden  abgefdmitten,
bleiben  liegen  und  fo  werden  fie  dann  verfcfmitten  und  verarbeitet. ­
  □
Daß  das  Holz  darunter  leidet,  ift  kein  Wunder.  Wir  haben
gefehen,  daß  die  Japaner  ihre  rohen  Hölzer  fo  verarbeiten,  daß
faft  durchweg  ganz  prachtvolle  Hölzer  entftehen,  wofür  fie  koloffale
  Preife  bekommen.  Wenn  wir  z.  B.  Sugi-Moku  -  das  ift
ein  japanifches  Nadelholz  -  in  Betracht  ziehen,  fo  koftet  das
Kubikmeter  400  bis  500  Mark  und  die  weite  Reife  ift  das  geringfte,
  was  den  Preis  verteuert.  Ich  will  noch  hinzufügen,
es  ift  das  Verfahren,  das  Holz  roh  abzufdmeiden  und  liegen
zu  laffen,  meiner  Huffaffung  nach  ungefähr  fo,  wie  wenn  ich
der  Kuh  die  Haut  herunterziehe  und  will  mir  dann  aus  der  Haut
Stiefel  machen.  Es  ift  zunächft  doch  nur  halbfertiges  Material.
Wir  haben  nun  verfucht,  das  Holz  garzumachen,  und  haben
fchließlich  als  beften  Weg  den  gefunden,  daß  das  Holz  möglicbft
frifcb  -  je  frifdber  es  ift,  um  fo  beffer  -  gefchnitten  wird  und
in  die  Erde  vergraben,  die  mit  Kalk  und  anderen  Mitteln  vermifcht,
  zugefchüttet  und  drei  bis  fünf  Monate  liegen  gelaffen
wird,  je  nach  dem  Material.  Wenn  man  das  Holz  wieder  ausgräbt, ­
  dann  find  wir  als  Kunftgewerbler  immer  überrafcht  von
der  wundervollen  Farbe,  die  es  bekommen  hat.  Hus  der  rohen
Farbe  ift  eine  fertige  brauchbare  Farbe  geworden,  fo  daß  wir
diefes  Holz  fogar  direkt  roh  verwenden,  es  würde  jede  Beizung ­
  oder  ein  Überzug  eine  Minderung  diefes  Materials  bedeuten. ­
  Wie  der  chemifche  Prozeß  der  Sache  ift,  kann  ich  nicht
genau  fagen.  Jedenfalls  ift  es  eine  Umbildung  des  Gerbftoffes.
Es  kommt  alfo  keine  Spur  von  Farbe  hinzu,  die  Farbbildung
entwickelt  fich  im  Holze  felbft.  Deshalb  ift  die  Farbe  durchaus  echt.
Um  untere  einheimifchen  Hölzer  auch  härter  zu  machen,  haben
wir  verfucht,  bei  den  Nadelhölzern  das  weiche  Frühjahrsholz
zwifchen  den  Jahren  zu  entfernen.  Wir  machen  das  durch  große
Mafchinen,  Tragwalzen,  bei  denen  das  Holz  darüber  wegläuft  und
das  Weiche  fich  wegbürftet.  Huf  diefe  Weife  wird  aus  dem  weichen
Material  ein  balbbartes,  und  vor  allem  wird  die  Materialwirkung
ganz  befonders  gefteigert.  Sie  können  Lärchenbolz,  auch  Fichtenholz, ­
  zumal  wenn  es  gegerbt  ift,  den  beften  ausländifchen  Hölzern ­
  gleicbftellen.  Ich  behaupte,  es  gleicht  Mahagoni  und  Nußbaum ­
  vollftändig.  Es  wird  immer  der  Einwand  erhoben,  daß
dies  unpraktifch  fei,  weil  der  Staub  fich  feftfetje.  Ich  glaube,
diefe  Furcht  gebt  zu  weit,  wie  wir  überhaupt  in  der  Staubfurcht
zu  weit  geben.  Wenn  ich  das  Holzmöbelftück  mit  Dürften  oder
Befen  abkebre,  wird  es  vollftändig  genügen.  □
Dann  haben  wir  auch  verfucht,  Stämme  quer  zu  fchneiden,
um  einen  Erfat)  für  Intarfien  zu  finden,  eine  Füllung,  die  gut
dekorativ  in  der  Wirkung  ift,  was  auch  ein  Mittel  ift,  um  unfern
einfachen  Möbeln  eine  reichere  Husfchmückung  zu  geben.  □
Ein  ganzer  Teil  unferer  Hölzer  »ftebt«  nicht,  weil  das  Material,
wie  ich  vorhin  ausfübrte,  noch  nicht  fertig  ift.  Wenn  wir  gegerbtes ­
  Holz  nehmen,  wenn  Buche  drei  bis  fechs  Monate  mit
Kalk  in  der  Erde  gelegen  bat,  dann  ift  das  Material  ganz  ausgelaugt ­
  und  die  Härte  ift  gut.  Ein  gegerbtes  Buchenholz  kann
man  ruhig  maffiv  verarbeiten.  Die  meiften  überfeeifchen  Hölzer
kann  man  auch  nicht  ganz  maffiv  verarbeiten,  weil  fie  in  ihren
tropäfchen  Eigenfcbaften  unberechenbar  find.  Deshalb  fourniert
man  die  Möbel  immer.  Das  Fournieren  ift  aber  mehr  oder
weniger  eine  Kartonnagenarbeit,  eine  Papperei,  wenn  ein  paar
Millimeter  Holz  darüber  aufgelegt  werden.  Um  Hölzer,  die

ganz  fchräg  ftehen,  wie  Buche  und  Eiche,  maffiv  verarbeiten  zu
können,  fchneiden  wir  die  Stücke  in  möglicbft  kleine  Felder,
und  zwar  fo,  daß,  wenn  fie  trocknen,  fie  böcbftens  1  bis  2  Millimeter ­
  trocknen  können,  und  wenn  fie  quellen,  böcbftens  2  Millimeter ­
  breiter  werden  können.  Man  kann  in  diefer  Art  auch
Hfte  bearbeiten,  weil  man  das  Holz  in  kleine  Stücke  zerfchneiden
  kann.  □
Das  Verfahren,  das  wir  jetjt  haben,  beftebt  für  untere  einheimifchen ­
  Hölzer  darin,  daß  man  fie  mit  Deckfarbe  ftreicht.
Nun  bat  Deckfarbe  als  Materialwirkung  an  fich  fcbon  etwas  Geringes, ­
  und  je  länger  man  eine  Sache  braucht,  um  fo  mehr  kommt
die  Kante  durch.  Oder  man  bat  gebeizt,  wie  dies  neuerdings
vielfach  gefcbiebt.  Hber  auch  wenn  die  Beize  echt  ift,  gebt  fie
doch  febr  wenig  tief  in  das  Holz,  und  wenn  das  Holz  ein  paar
Jahre  gebraucht  wird,  kommen  die  Kanten  durch.  Sobald  die
Farbe  durch  und  durch  gebt,  wird  das  Material  natürlich  viel
wertvoller,  weil  fo  ein  Stüde  mit  der  Zeit  nur  feböner,  aber  nicht
vermindert  werden  kann.  □
Dann  möchte  ich  noch  auf  einen  Punkt  binweifen.  Es  ift  bei
uns  in  Deutfchland  und  wohl  auch  in  den  übrigen  europäifeben
Ländern  üblich,  daß  man  das  Holz  immer  fenkreebt  zum  Kern
auffebneidet,  eine  alte  Gewohnheit,  die  aber  durchaus  nicht  notwendig ­
  ift.  Je  fenkreebter  zur  Stammacbfe  das  Holz  gefchnitten
wird,  um  fo  weniger  Zeichnung  kann  es  haben.  Je  febräger
das  Holz  zum  Kern  gefchnitten  wird,  um  fo  reicher  wird  die
Zeichnung  fein.  Hlfo  es  ift  das  Schrägfchneiden  ein  Mittel,  um
die  Wirkung  zu  beben,  das  man  viel  öfter  verwenden  müßte.
Es  kommt  dazu,  daß  das  Holz,  wenn  es  febräger  gefchnitten
wird,  auch  beffer  ftebt,  weil  die  Fafern  kürzer  werden.  Es  darf
natürlich  nie  febräger  fein,  als  daß  die  Schräge  von  einer  Ecke
des  Schnittftückes  zur  anderen  diagonal  gebt.  □
Wir  find  in  Deutfchland  jeijt  fo  weit,  daß  im  Jahre  für  220
Millionen  Mark  ausländifche  Hölzer  eingefübrt  werden  müffen,
eine  Riefenfumme  Holz,  das  zum  Teil  ficher  auch  bei  uns  gebaut ­
  werden  könnte.  Wenn  ein  Forftmann  das  Material  zu
fteigern  fucht,  wenn  vor  allem  die  Tifcbler  mit  dem  Material
möglicbft  viel  zu  machen  verfuchen,  ift  es  ficher,  daß  wir  untere
einheimifchen  Hölzer  auch  wieder  einbürgern  können.  □
Soviel  ich  weiß,  haben  die  Japaner  eine  Unmenge  von  Verfahren ­
  für  ihre  Hölzer,  die  man  möglicbft  feftftellen  müßte.
Dabei  bat  Japan  verhältnismäßig  wenig  Wald,  aber  doch  eine
ganz  geringe  Holzeinfubr,  weil  die  Forftwirtfchaft  dort  auf
einer  febr  hoben  Stufe  ftehen  muß.  Es  gibt  dort,  wie  ich  von
einem  Freunde  weiß,  Wälder,  die  eingezäunt  find  und  wo  jeder
Baum  befonders  gepflegt  wird  und  trotzdem  die  Koften  wieder
einkommen.  Mir  fcbeint,  foweit  ich  an  den  Hölzern  gefehen
habe,  daß  mit  gerbftoflfbaltigen  Düngemitteln  ufw.  die  Bäume
gedüngt  werden,  welche  es  veranlaffen,  daß  das  Holz  ziemlich
g  erb  fto  ff  haltig  ift,  was  für  das  Gerben  ein  Vorzug  ift;  denn  je
gerbftoffbaltiger  das  Hotz,  defto  beffer  geht  das  Gerbverfabren
vor  fich.  Ein  anderes  vielfach  angewendetes  Verfahren  beftebt
darin,  Erlen  im  Saft  im  Frühjahr  abzufdmeiden  und  diefes  ganz
grüne,  faftige  Holz  an  febattige,  feuchte  Orte  zu  legen,  und  dort
von  Zeit  zu  Zeit  zu  wenden.  Die  Folge  davon  ift,  daß  die  Säfte
im  Holz  verftocken  und  daß  je  nach  der  Dichtigkeit  des  Holzes
bunte  Stellen  entftehen.  Das  Holz  wird  gefchnitten  und  langfam
getrocknet  und  dann  bekommt  man  ein  prachtvolles  pbantaftifebes
Material,  welches  graue,  braune  und  febwarze  Flecken  zeigt  und
in  der  Möbeltifcblerei  gut  verwendet  werden  kann.  Durch  das
Gerben  fcbeint  auch  die  Härte  zuzunebmen,  und  verhältnismäßig
weiche  Hölzer,  wie  Fichte,  werden  durch  das  Gerben  kompakter
und  weniger  verletzlich.  Es  wird  fich  bei  anderen  Hölzern
wabrfcheinlich  ebenfo  verhalten.  D

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