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MAK

Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Jubiläumsflusftellung

Mannheim

Blick  auf  das
Reftaurant

foweit  es  ficb  um  die  Bauten  für  flusftellungszwecke  bandelt,
erbaut  find.  Die  BefcbafFenbeit  des  Geländes  mit  der  flugufta«
Hnlage  und  den  zwei  parallel  führenden  Hlleen  kam  feinem
künftlerifcben  Gefcbmack  einer  monumentalen  arcbitektonifcben
Gefamtwirkung  befonders  günftig  entgegen  und  half  zu  der
nun  erreichten  Einheitlichkeit  und  Großzügigkeit  wefentlich
mit.  Durch  die  vertieft  liegenden  ehemaligen  ftädtifcben  Pachtgärten
  war  ein  ganz  originelles  natürliches  Motiv  für  die  Ge»
famtanlage  gegeben;  es  ift  durch  die  Terraffen  und  Treppenanlagen ­
  noch  bedeutend  erhöht  worden.  Der  Baumbeftand  ift,
foweit  es  mit  den  Neuanlagen  irgend  vereinbar  war,  erhalten
worden,  und  wird  durch  feinen  wohltätigen  Schatten  viel  zu
dem  Wohlbefinden  und  Zufriedenheit  der  Befucher  beitragen,
vor  allem  aber  wirklich  ausgereifte  künftlerifcbe  Schöpfungen
auf  dem  Gebiete  der  Gartenkunft  insbefondere  ganze  Anlagen
ermöglichen.  o
Zur  Rechten  des  Friedrichsplatjes  bilden  die  ruhig"vornehmen
Architekturformen  der  Kunftballe,  die  als  maffiver  Bau  von  Pro»
feffor  Billing  in  Karlsruhe  erbaut  ift,  eine  wirkungsvolle  Erweiterung ­
  und  zugleich  impofanten  Abfcbluß,  als  Gegenfat}  zu  der
jenfeitigen  Feftballe  des  Rofengartens.  Der  große  Triumphbogen,
der  fcbon  früher  als  fcböner  erfebnter  Traum  dem  Schöpfer  des
Planes,  Profeffor  Bruno  Scbmit),  und  der  Mannheimer  Bevölkerung
vorfcbwebte,  ift  in  gewaltigen  Formen  aufgefübrt  und  fcbließt
den  Plat)  in  würdigfter  ftilvoller  Weife  nach  Often  ab.  Wenn  je
eine  Straßenüberbrückung  ein  Städtebild  ergänzt  und  vervollftändigt
  bat,  hier  ift  es  äftbetifcb  direkt  ein  Bedürfnis  gewefen,
und  es  ift  zu  hoffen,  daß  das  Projekt,  das  Bauwerk  fpäter
maffiv  aufzufübren,  durch  das  proviforifcbe  Beifpiel  allgemein  als
notwendig  erkannt  und  früher  oder  fpäter  zur  Ausführung  gelangen ­
  wird.  a
Zwei  reizende  Zierftücke  eigenfter  Art  werden  die  beiden
Rofarien  zu  beiden  Seiten  des  Eingangs  zur  Ausheilung  darftellen.
  Die  beigegebenen  Zeichnungen  laffen  auf  den  erften
Blick  erkennen,  in  welch  eigenartiger  Weife  die  Aufgabe  gelöft
ift.  Bisher  batten  die  Rofarien  in  Parks  und  auf  Ausheilungen,
künftlerifcb  genommen,  immer  etwas  unerquickliches,  weil  das
Beftreben,  die  Einzelpflanze  in  feiner  Pracht  zur  Geltung  zu
bringen,  eine  einheitliche  großzügige  Gruppierung  auszufchließen
fchien.  Hier  ift  durch  eine  intereffante  Erdbewegung  und

Terraffierung  fowobl  die  Möglichkeit  gefchaffen,  jeden  einzelnen
Liebling  für  ficb  als  auch  in  ein  wirklich  künftlerifcbes  Gefamtarrangement
  zu  genießen.  In  einfacbfter  Weife  bergeftellte  Pergolen ­
  und  Lauben,  fpringende  und  fallende  Brunnenwäfferchen
vervollkommnen  das  Bild  zu  einem  idyllifcben  lieblichen  Gärtchen
eigenfter  Art.  □
Das  vor  der  Kunftballe  vertieft  liegende  Gelände,  von  einer
weit  gefpannten  Brücke  überwölbt,  wird  ebenfalls  als  Gartenanlage ­
  ausgebildet  werden,  aber  mehr  im  Sinn  momumentaler
Gefamtwirkung,  deffen  Recht  der  Architekt  als  Schöpfer  des
dominierenden  Bauwerkes  in  erfter  Linie  in  Anfprucb  nimmt.
Die  Kunftballe  felbft,  durch  zwei  feitlicb  angelegte  proviforifche
Ausftellungsräume  beträchtlich  erweitert,  wird  das  Zentrum  der
eigentlichen  Kunftabteilung  bilden,  die  einen  internationalen
Charakter  annebmen  und  den  bedeutendften  Künftlern  der  Malerei
und  Plaftik  zur  Ausheilung  ihrer  Schöpfung  Gelegenheit  geben
wird.  Eine  befonders  intereffante  Abteilung  wird  in  zirka  30
Räumen  die  Ziele  und  Wege  der  modernen  deutfcben  Raumkunft
verkünden.  Nicht  nur  beftrenommierte  Künftler,  wie  Olbrich,
Behrens,  Läuger,  Billing,  bürgen  für  ein  gutes  Gelingen,  fondern
durchaus  erftklaffige  Firmen  der  Möbelbranche  und  kunftgewerblicbe
  Anhalten  werden  hier  im  edlen  Wettftreit  ihre  beften
Kräfte  einfe^en.  □
Der  intereffantefte  Teil  der  eigentlichen  Gartenbauausftellung
wird  ficb  außerhalb  des  Friedrichsplatjes,  in  dem  in  und  längs
der  Augufta-Anlage  gelegenen  Gelände  abfpielen,  und  zwar  in
einer  Mannigfaltigkeit  und  Vielfeitigkeit,  wie  fie  kaum  je  fo  um»
faffend  geboten  wurde.  Alle  Zweige  und  Strömungen  der  Gartenkunft
  werden  vertreten  fein  und  ficb  fogar  mit  einer  gewiffen
Tendenz,  felbft  gegenfätjlicber  Art,  darbieten.  Und  gerade  darin
wird  es  ein  äußerft  intereffantes  Gefamtbild  geben  und  die  vielen
fcbwebenden  Probleme  der  Gartenkunft  klärend  und  läuternd
zur  Diskuffion  bringen.  □
Gewaltige  Hallen  für  Blumen,  Palmen,  Pläne,  wiffenfcbaftlicb»
botanifche  Zwecke  und  für  Induftrie  (foweit  fie  Bezug  auf  den
Gartenbau  haben),  kurz  für  die  ganze  Ära  des  Gartenbaues,  die
des  fcbütjenden  Daches  bedürfen,  werden  hier  erbaut.  Äußerlich
mit  jener  bereits  oben  erwähnten  noblen  Einfachheit,  wie  fie
die  Kunft  Profeffor  Läugers  fchon  auf  anderen  Kunftgebieten
angeftrebt  bat.  Farbige  Majoliken  und  Malereien,  figürlicher  und

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