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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Jubiläums = 
flusftellung 
Mannheim 
Das Palmenhaus 
ornamentaler Hrt, feilen die ruhigen großen Put)flächen in an» 
genehmem Wechfel beleben, fodaß die Gefamtwirkung zwifcben 
dem Grün der hoben Bäume eine äußerft originelle zu werden 
verfpricbt. Monumentale Treppenauf» und »abgänge vermitteln 
in intereffanter Weife die beftehenden Höbenunterfcbiede zwifcben 
der Hugufta=FSnlage und der auf gleicher Höhe liegenden Fhis* 
ftellungsballen mit dem vertieft liegenden Parkgelände. Hier 
unten, zu beiden Seiten von prächtigen Lindenalleen flankiert, 
felbft mit einem prachtvollen alten Baumbeftand befchattet und 
gefchmückt, breitet ficb in einigen hundert Metern eine Reihe ge» 
trennt behandelter Sondergärten, deren Bearbeitung mit unend» 
lieber Liebe von einzelnen bewährten Künftlern und Garten» 
facbleuten übernommen ift. □ 
Die Reibe beginnt mit einem großen parkartig angelegten Ge» 
lände, das rein landfcbaftlich vom Standpunkt des Gärtners an» 
gelegt ift, und ein deutlicher Beweis dafür ift, wie ohne jedes 
architektonifcbe Beiwerk bei feinfühliger Benutzung des Geländes 
und gefcbmackvollet Bepflanzung eine Hnlage gefchaffen werden 
kann, die ficb durch vornehme Ruhe und Großzügigkeit ganz 
bedeutend über das Niveau fo mancher ftädtifeben und privaten 
Parkanlagen erbebt. Entwurf und Bepflanzung ruht in den 
Händen der Firma Coos & Koenemann, die befonders durch inter» 
effante Koniferengruppierungen in Verbindung mit zarten Laub» 
gehölzen und blühenden Sträucbern und Stauden bervortreten. 
Im gewiffen Gegenfat) dazu ftebt eine kleinere Hnlage, die ficb 
an die Halle jenfeits der FUlee anfcbließt und deutlich die Spuren 
eines arebitektonifeben Kunftempfindens an ficb trägt. Hier fpriebt 
und wirkt nicht mehr allein der Gärtner, insbefondere der Land» 
febaftsgärtner, fondern ein moderner künftlerifcber Geift febeint 
hier beftimmend gewirkt zu haben. Gebrüder Rötbe in Bonn 
und E. Krug, Hrchitekt in Darmftadt find die Schöpfer diefer 
reizenden Hnlage, die in der Gefamtanordnung, fowie der bis» 
her erkennbaren Detailarbeit eine böcbft intereffante Garten» 
partie ftreng arebitektonifeben Charakters zeigen wird, die fowobl 
den bildenden Künftler (Juckuff) mit vornehmen Plaftiken, den 
Hrcbitekten und den Gartenkünftler in barmonifeber Weife zur 
Geltung bringt. D 
Eine große Hnlage in der Mitte wird von Profeffor Läuger 
ausgefübrt und zeigt hier den Künftler in feiner abfoluten Selbft» 
ftändigkeit, der felbftbewußt und abficbtlicb die Mitarbeit eines 
Gartenfachmannes verfebmäbt und fiegesgewiß die Wirkung in 
rein architektonifcber und dekorativer Fläcbenbildung fucht. Ein 
äußerft intereffantes Problem, deffen Löfung man mit Spannung 
entgegenfeben kann. Jedenfalls wird diefer Garten trot) febein» 
barer Eintönigkeit eine reichliche Detailarbeit bringen. Zier 
töpfe, Plaftiken, Steinarcbitekturen werden in verfebiedenartigfter 
Weife und Umgebung gezeigt werden. Eigenartige konzentrierte 
Pflanzenarten, wie Taxus, Birken, Eichen ufw. als Umgebung zu 
einigen ftimmungsvoll aufgeftellten Skulpturen werden gewiffe 
raffinierte Stimmungskomplexe auslöfen, deren Wirkung auf ein 
feines fenfitives Künftlertum fcbließen laffen. Das Zentrum der 
Hnlage wird ein Gebäude fein, das ein modernes Bad mit 
einer Wandelhalle birgt. Einen fpringenden Brunnen im Innern, 
reich mit Fliefen, Majoliken und Glasmofaiken verziert, mahnt 
es vielleicht an jene längft entfehwundene Zeit, wo ein freierer 
Genius die künftlerifcbe Husbildung eines vornehmen Bades nicht 
verfchmäbte. Und weiter in dem dahinter gelagerten ftillen Hain, 
leife umwoben von dem Silberpappelgepflüfter, fanft und feierlich 
von Tujabecken abgefcbloffen, wird ein Baffin im Freien einem 
Märchen aus Hrkadien zur Möglichkeit realen Lebens verhelfen. 
Das ift fein empfunden, diebterifeb und bildnerifcb zugleich und 
wird Profeffor Läuger in feiner Eigenart als feinfühligen Farben 
poeten und Keramiker fichet in ganz befonderer Weife zur Gel 
tung bringen. d 
Profeffor Behrens in Düffeldorf ift auch gern bei den Poeten 
und Träumern. Seine Künftlerfcbaft bat ficb febon verfcbiedentlicb 
bewährt, auch auf dem Gebiete der Gartenkunft. Diesmal weiß 
er befondere Saiten zu fcblagen und die vollen Hkkorde werden 
eine große begeifterte Zubörerfcbaft finden. Das Problem eines 
Naturtheaters ift durch untere modernfte Literatur etwa Stefan 
George, Hugo von Hofmannstal, der frühere Maeterlink und 
einige mehr, wieder mehr als ein Bedürfnis empfunden worden, 
da diefe Dichtungen ihre feinften Stimmungen nicht zwifcben 
Pappkuliffen und Stuckwänden offenbaren können: Jene poe» 
tifchen Dismidien find wie das heimliche, duftende Geflüfter der 
Urnatur, und ihre Sebnfucbt auch in derfelben widerzubalten, 
eine natürliche Forderung. Nicht im Sinn des monumentalen 
antiken Theaters, wo der Tragödie wieder neue Bahnen eröff 
net werden follen, hier webt jene fenfitive, moderne Stimmung, 
die mit der der Goetbefcben Jugendzeit gewiffe Verwandtfcbaft 
bat. Unwillkürlich fiebt man beim Betrachten diefes Behrens» 
feben Naturtheaters im Geift zwifchen den laufcbigen Hecken, 
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