Vorptatj, die Küche, ein Wohnraum Platj finden, vielleicht auch
ein Schlafraum. Ein Verfchlag, in dem eine Ziege oder ein
Schwein gehalten werden kann, läßt lieh leicht anbauen. Das
lieber fteile als zu flache Dach wird oft zweckmäßig bis zur
Balkenlage überm Erdgefchoß beruntergezogen werden, die
Schlafräume werden in feinem unteren Teil eingebaut werden
können. Bei gediegener guter Husführung, wie fie unter allen
Umftänden, um dem Bau Dauerhaftigkeit und gefundheitliche
Vorzüge zu fiebern, überall gefordert werden muß, können hier
genügend warme, trockene, gefunde Räume entfteben, die billig
werden, auch wenn das Dach unter der Ziegeb oder Schieferdeckung
noch verfcbalt, mit Dachpappe belegt und innen gut
verputzt wird. Leicht ergeben fich Hohlräume, die überall durch
eine flrt von Wandfehränken ausnütjbar gemacht werden müffen.
Wandfcbränke tollten überhaupt wo möglich in jedem Raum Platj
finden, fie bedeuten, richtig verwendet, die hefte Raumausnütpmg,
zugleich einen SAmuck und eine Erfparnis an Möbeln. Sind
die Zimmer nicht hoch, fo können die SAränke bis zur Decke
geben, fie bieten febr viel Raum, und es maAt fiA febr angenehm
fühlbar, daß viel mehr BodenfläAe zur Benützung bleibt.
Und boA tollen die Zimmer gar niAt fein, 250 Zentimeter wird
hier meift genügen, wo die Mauern niAt ftark fein müffen und
die Luft die HußenfläAen überall frei umfpült. Die niedrigen
Zimmer find leiAt heizbar, tragen auA den erwünfAten ebrliAen
Husdruck der HnfpruAslofigkeit. Dann zwingen fie niAt
dazu, auf die Treppen viel Platj zu verfAwenden. Wenn man
beim Einordnen der Treppe einem Streber naA unwahrer Vornehmheit
niAt den geringften Einfluß läßt, fo kann man überhaupt
an Raum und an Mitteln reAt erhebliA fparen und das
Erfparte an wiAtigeren Stellen verwenden. Wenn wir uns
einmal im Sommer draußen irgendwo in einem Bauernhaus
einmieten, maAt uns die fteile Treppe, deren Stufen vorn niAt
mit Stoßbrettern gefAloffen find, den Aufenthalt unbebagliA?
Gewiß niAt. Warum feilten folAe Treppen alfo, die febr billig
und febr raumfparend find, niAt auA Verwendung finden
können? - Die Fenfter brauAen wohl niAt allzu groß angenommen
zu werden. Es bedeutet das ein Sparen mit Kohlen
und Holz, zugleiA wird es faAUA ganz riAtig die gewöbnliAe
Tätigkeit im Wohnhaus als eine folAe bezeiAnen, die niAt
gerade ein Hereinftrömen von LiAtfülle erfordert. — Auf weitere
Einzelheiten, auf Möbel und Innenausftattung, über die ja übrigens
da und dort eine Bemerkung eingeftreut war, will iA niAt
mehr eingeben. IA denke dabei an das Papierdafein folAer
Erörterungen, und auA daran, daß iA Sie niAt ermüden darf,
da doA grundfätjliA hier genau dasfelbe gilt, wie bei der Geftaltung
des ganzen Haufes. Nur die baupolizeiliAen Behörden
feien noA gebeten mitzuarbeiten an dem Werk — dadurA, daß
fie ihm keine Hinderniffe maAen; fie mögen fiA bereit finden
laffen, alle VorfAriften zu unterdrücken, die auf das Gebiet des
GefAmacks binübergreifen und dabei fAarf und klar trennen,
niAt in der Meinung, daß fie für Ordnung forgen müffen, in
diefes Gebiet eindringen, das ihnen niAt zugebört. Und auf
ihrem eigenen Gebiet mögen fie auA die fAwere Aufgabe, mit
ganz geringen Koften und doA erfreuliA — bebagliA zu bauen
niAt noA erfAweren durA zu hoA gefteigerte Forderungen
an Mauerftärken, an Holzftärken, an fteinernen Treppen; was
hier gefpart werden kann, das kommt der Größe der Räume
zugute und es erfüllt fo beffer einen wiAtigen Zweck; dabei
ift ja auA noA zu bedenken, daß folAe kleine Wobnbäufer
niAt für die Ewigkeit gebaut werden, alfo zweckmäßig fo, daß
fie ihre vorausfiAtliAe Dauer mögliAft gut und ohne Reparaturen
zu beanfpruAen, ausbalten, niAt mehr; denn diefes Mehr
koftet Geld und man bekommt niAts für das Geld. — Wenn fo
alles bedaAt und gemaAt ift, dann müßte das Ergebnis fein,
daß die Wobnftätten außen wie innen diefelben EigenfAaften
zeigen, die wir auA an den Bewohnern finden möAten: ehrliA
und anftändig, fAUAt, genügfam und dazu ftolz und ruhig, felbftbewußt,
beiter und treu. Wenn man an einem Feierabend in
einer folAen Gaffe eine SAar gemütliA beieinander flehen
fiebt, niAt in Reib und Glied, niAt aufgeputjt, niAt irgendwie
zur SAau fiA ftellend, fondern ohne ftrenge Ordnung, aber
auA ohne daß fiA einer beläftigend vordrängte, in Hemdärmeln
vielleiAt und die Pfeife zwifAen den Zähnen, in bebagliAem
GefpräA, dann follte man fiA denken müffen: ja, die paffen zu
einander, die Käufer und die MenfAen. □
DIE LHGE DES KUNSTGEWERBES IN
DEUTSCHLAND
as Jahr- und LefebuA »DIE WELTWIRTSCHAFT« (Verlag B. G.
Teubner in Leipzig) bringt im erften Band 1906 einen eingehenden
orientierenden Artikel über das Kunftgewerbe von HERMANN
MUTHESIUS, aus dem wir über die Bedürfniffe in Deutfcbland
folgendes entnehmen: D
Werden aber erft gediegenere und edlere Produkte im deutfehen
Haufe übliA, wird das Gewerbe und die Induftrie mehr auf fie eingeftellt
als auf den prädentiöfen Schund der lebten dreißig Jahre, fo ift dann auA
zu hoffen, daß DeutfAland feinen kunftgewerbliAen Export auf eine
andere Stufe ftellt. Würde fiA diefer mehr naA der Seite der Edelprodukte
als naA der der Maffenware entwickeln, fo wäre in vieler
Beziehung UnendliAes gewonnen. Bei Edelprodukten ift der Verdienft
größer, der VerbrauA an Robftoff geringer und die Art des Vertriebes
vornehmer als bei billigen Maffenprodukten. Aber es gehört vor allem
eins dazu: der gute Ruf des Herftellers. Die bloße VorzügliAkeit
genügt niAt, folange diefer Ruf niAt vorhanden ift. Die Käufer von
Edelerzeugniffen laffen fiA faft ledigliA durA das Vertrauen beftimmen.
Auf diefe Weife ift es zu erklären, daß FrankreiA mit feinen Imitationen
der Stile der Ludwige, die eine geiftigeLeiftung niAt mehr darftellen, noA
beute den Weltmarkt beberrfAt. Hier ift erfiAtliA, wie fiA der wirtfAaftliAe
Vorteil einer im 17. und 18. Jahrhundert geleifteten Kulturarbeit
bis in die Gegenwart herein erftreckt. Das Beifpiel läßt zugleiA ahnen,
eine wie fAwere und langwierige Arbeit es fein muß, einen folAen
unerfAütterliAen Ruf zu begründen. Und doA muß in der Begründung
eines guten Rufes zunäAft das Ziel der deutfAen kunftgewerbliAen
WirtfAaftspolitik gefuAt werden. DeutfAland wird nie eine Weltrolle
fpielen können, wenn es fortfäbrt, auf der einen Seite den billigen
Maffenexport zu kultivieren, der fich an die niederfte Volksftufe fremder
Länder wendet und fiA überdies nur durA Unterbietung behauptet,
und auf der anderen Seite die franzöfifAen Möbel und Bronzen zu
kopieren. Eine weltwirtfAaftliAe Bedeutung kann fiA nur auf wirk-UAen
und felbftändigen Kulturleiftungen aufbauen. Die NaAabmer
und Unterbietet mögen im Dunkeln Vorteile ziehen, im LiAte der
WeltwirtfAaftspolitik werden fie nie über eine zweite oder dritte Rolle
binauskommen. D
HiernaA ift die heutige deutfAe Lage fo aufzufaffen, daß eine intellektuelle
Bewegung unter den geiftig Führenden zwar die Grundlagen
für eine neue Wobnungskunft und felbft eine neue Kultur in allen ihren
Einzelheiten gefAaffen bat, daß aber die eigentliAen Konfequenzen in
wirtfAaftliAer Beziehung noA gezogen werden müffen. Die Stärke
der Bewegung und die ausgeprägte Eigenart ihrer Erzeugniffe eröffnen
gleiAwobl günftige Aufpizien für die Zukunft. Es ift anzunehmen, daß
in abfebbarer Zeit die deutfAe kunftinduftrielle Produktion fiA gefAmackliA
beben und qualitativ verbeffern und daß allmäbliA auA
der Export an kunftgewerbliAen und kunftinduftriellen Erzeugniffen
einer Veredlung entgegenfehen wird. D
141