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Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

DER  GARTEN  AM  HAUSE

Die  Pforte  mit  höher  ragenden  Steinpfeilern  bildet  eine  Unter«
bredbung,  oder  es  fcbiebt  fich  das  Dach  eines  Gartenhäuschens
oder  ein  kleiner  Huslug  hinaus.  Die  Poefie  einer  folchen  Garten«
gaffe  hat  der  dänifche  Dichter  Jens  Jacobfen  fehr  anziehend  befchrieben:
  □
»Hier  follen  Rofen  ftehen.  Von  den  großen,  matten,  gelben.
Und  in  üppigen  Büfcheln  müßten  fie  über  die  Gartenmauern
hängen  und  die  zarten  Blätter  gleichgültig  in  die  Räderfpuren
des  Weges  herabriefeln  laffen.  Ein  vornehmer  Schimmer  von
all  dem  Blumenreichtum  dadrinnen  Die  kleinen  abgehärteten ­
  Rofen  könnten  es  fein,  und  dann  müßten  fie  in  leichten
Ranken  herabhängen  mit  blankem  Laub,  rot  und  frifcb,  und  wie
ein  Gruß  oder  eine  Kußhand  für  den  Wanderer,  der  müde  und
beftaubt  mitten  über  den  Weg  daher  kommt,  froh,  daß  er  je$t
nur  noch  eine  halbe  Viertelmeile  nach  Rom  hat.  Dann  ift  es  noch
viel  beffer,  wenn  man  fich’s  in  einem  Winkel  wie  diefem  behaglich ­
  macht.  Zwifchen  hohen  Gartenmauern,  wo  die  Luft  lau  und
weich  und  ftill  liegt,  —  auf  der  Sonnenfeite  fitjen,  wo  eine  Bank
fich  in  eine  Nifche  in  der  Mauer  einkrümmt  -  dort  fitjen  und
auf  den  fcbimmernden,  grünen  Hkantbus  im  Landftraßengraben
fchauen,  auf  die  filbergefleckten  Difteln  und  die  mattgelben  Herbft«
blumen.  □
»Huf  der  langen,  grauen  Mauer  gegenüber,  eine  Mauer  voll
Eidechfenlöchern  und  Ritten  mit  verdorrtem  Mauergras,  dort
hätten  die  Rofen  ftehen  follen,  und  gerade  an  der  Stelle  hätten
Sie  hervorfehen  follen,  wo  die  einförmige  Fläche  von  einem  ge«
fchweiften  großen  Korb  aus  herrlicher,  alter  Schmiedeeifenarbeit,
einem  Gitterkorbe  unterbrochen  wird,  der  einen  geräumigen
und  mehr  als  bis  an  die  Bruft  reichenden  Balkon  bildet,  wo  es
erfrifchend  fein  müßte,  hinaufzufteigen,  wenn  man  des  eingefchloffenen
  Gartens  müde  war.«
In  der  Regel  aber  findet  man  aus  älteren  Zeiten  hübfche
Gartenzäune,  die  dem  Vorübergehenden  einen  befchränkten
Einblick  auf  Haus  und  Garten  gewähren.  Doch  auch  diefe  verhüllen ­
  mehr  als  fie  erfchließen.  Nicht  mehr  laffen  fie  den  Vorübergehenden ­
  mitnehmen,  als  eine  geheime  Heimgartenfehnfucht,
die  Hhnung  von  etwas  fehr  Lieblichem,  das  dahinter  liegen  muß,
und  den  begreiflichen  Wunfch,  folcb  ein  verborgenes  Eden  zu
haben.  In  regelmäßigen,  nicht  allzuweiten  Hbftänden  ftehen  gemauerte ­
  Pfeiler,  und  die  Zwifchenräume  find  mit  einem  Holzzaune ­
  ausgefüllt.  Oftmals  läuft  ein  gemauerter  Steinfockel  unter
dem  Holzzaun.  Hlljährlich  im  Frühjahr  wird  Toilette  gemacht;
der  forgfame  Hausherr  läßt  die  fteinernen  Pfeiler  und  Sockel
frifch  weißen  und  die  Holzteile  neu  ftreichen.  Hier  find  gefteigerte
Mittel  am  Platte  und  die  Farbe  tritt  in  ihre  Rechte.  Die  modernen
Hrchitekten  haben  fich  diefer  freundlichen  Tradition  angefchloffen
und  damit  für  die  heimliche  ländliche  Stimmung  einen  neuen
Ton  gefunden.  Der  Ton  macht  bekanntlich  die  Mufik.  Man  fehe
doch  ein  wenig  die  Villenfront  entlang,  wo  hinter  den  Gartenzäunen ­
  folitäre  Kübelpflanzen  ftehen.  Und  dann  fehe  man  die
Gartenzäune  alter  Landhäufer,  dahinter  man  auch  oftmals  Oie«
anderbäume  antriflrt  oder  an  der  Hauswand  pyramidenförmige
Staffeln  mit  Blumentöpfen.  Von  diefen  zu  jenen  ift  eine  gerade
Entwicklungslinie.  Leider  blieb  von  jenen  guten  alten  Beifpielen
wenig  übrig.  Was  an  ihre  Stelle  trat,  gibt  einen  troftlofen  Rn«
blick,  der  das  Herz  eines  jeden  Natur«  und  Kunftfreundes  mit
tiefer  Trauer  erfüllt.  Die  Prachtvillen  mit  ihren  eifernen  Gittern,
den  quaftenbehängten  Lanzenftäben  und  den  noch  unerträglicheren ­

  Spiralen  find  nicht  geeignet,  freundliche  Gefühle  zu  erwecken. ­
  Und  doch  kommt  es  vor,  daß  der  Eigentümer  eines
einfachen  Biedermeierhaufes  die  gute  alte  Tradition  verläßt  und
ein  barockes  Eifengitter  an  Stelle  des  fcblicbten  Holzgitters  machen
läßt.  Daß  dabei  das  Billigfte  und  Schlechtefte  unterläuft  und
immer  noch  teurer  kommt,  als  ein  guter  zum  Charakter  paffender
Zaun,  ift  die  Regel.  Solche  Fälle  find  alltäglich  und  ein  trauriges
Zeichen  der  Zeit.  a
Man  muß  bedenken,  daß  die  Verzäunungen,  welche  bei  Bauerngütern ­
  anzutreffen  find,  die  finnreichften  und  gefcbmackvollften
Formen  aufweifen  und  im  hohen  Grade  kunftvoll  find.  Bei  Leuten
alfo,  die  in  diefen  und  allen  fonftigen  Dingen,  die  fie  gemacht
haben,  kaum  an  Kunft  dachten.  Vielleicht  ift  das  mit  ein  Grund,
daß  diefe  Dinge  fo  ausgezeichnet  gerieten,  fo  ungeniert,  als  wären
fie  freiem  Wachstum  entfproffen.  Bei  ihnen  wäre  manche  Rn«
regung  zu  holen.  In  englifchen  Landhäufern  ift  man  fo  weit
gegangen,  daß  man  die  bäuerlichen  Verzäunungen  auch  als  Hausund ­
  Garteneinfriedungen  verwendet;  die  Sache  fieht  ungemein
fchön  und  ftimmungsvoll  aus,  weil  fie  fich  an  die  bodenftändige
Kultur  des  Landes  anfcbließt.  Die  Verwandtfcbaft  des  englifchen
Cottage  mit  dem  englifchen  Bauernhaufe  ift  eben  im  hohen  Grade
finnfällig.  Der  Rnfchluß  an  das  Ortstümliche  wird  überall  auf
den  richtigen  Weg  leiten.  Es  wäre  felbftverftändlicb  verfehlt,
wollte  man  die  fteirifchen  Verzäunungen  bei  einem  Landhaufe
näcbft  Wien  oder  Berlin  anwenden,  fo  widerfinnig  als  es  fein
würde,  wenn  man  eine  Villa,  die  für  Capri  gedacht  ift,  in  Kopenhagen ­
  bauen  würde.  Was  an  den  bäuerlichen  Verzäunungen
unter  allen  Umftänden  lehrreich  und  nachahmenswert  ift,  das  ift
die  Rrt,  wie  den  Erforderniffen  der  Natur,  des  Landes,  des  Zweckes
und  des  Materials  mit  großer  Selbftändigkeit  Rechnung  getragen
ift.  Im  waldreichen  Gebirge  wird  man  felbftverftändlicb  die  hohen,
dünnen  Stämme  folcherart  oftmals  fehr  erfindungsreich  verwendet ­
  findet.  Rnderswo  wird  die  Sache  wieder  anders  fein
müffen.  L -

DIE  ROSE  HLS  KÜBELPFLHNZE
ocbftammrofen  kann  man  febr  gut  in  Kübeln  ziehen,  doch  dürfen
die  Gefäße  im  erften  Jahre  nicht  zu  groß  fein,  um  ein  Durchwurzeln
zu  erleichtern  und  einem  Verfauern  der  Erde  vorzubeugen.  In  fpäteren
Jahren  bedarf  es  dann  kräftiger  Nachhilfe.  Schlingrofen  in  Efeukiften
zu  ziehen,  würde  ich  nicht  raten,  da  Schlingrofen  nur  fchön  find,  wenn
fie  üppig  wachfen.  In  Efeukiften  würden  fie  bald  verhungern.  Dagegen ­
  wäre  die  Polyantharofe  »Madame  N.  Lavavasseur«  für  Efeukiften
geeignet.  Hm  heften  Stecklingspflanzen  davon.  Zu  Hocbftämmen  für
Topf-  und  Kübelkultur  eignen  fich  alle  befferen  Hybriden,  z.  B.  »Niel«,
»Testout«,  »Souvenir  de  P.  Notting«,  »Farbenkönigin«,  »Et.  de  France«,
»Gruß  an  Sangerhaufen«  ufw.  D

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