DER GARTEN AM HAUSE
Die Pforte mit höher ragenden Steinpfeilern bildet eine Unter«
bredbung, oder es fcbiebt fich das Dach eines Gartenhäuschens
oder ein kleiner Huslug hinaus. Die Poefie einer folchen Garten«
gaffe hat der dänifche Dichter Jens Jacobfen fehr anziehend befchrieben:
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»Hier follen Rofen ftehen. Von den großen, matten, gelben.
Und in üppigen Büfcheln müßten fie über die Gartenmauern
hängen und die zarten Blätter gleichgültig in die Räderfpuren
des Weges herabriefeln laffen. Ein vornehmer Schimmer von
all dem Blumenreichtum dadrinnen Die kleinen abgehärteten
Rofen könnten es fein, und dann müßten fie in leichten
Ranken herabhängen mit blankem Laub, rot und frifcb, und wie
ein Gruß oder eine Kußhand für den Wanderer, der müde und
beftaubt mitten über den Weg daher kommt, froh, daß er je$t
nur noch eine halbe Viertelmeile nach Rom hat. Dann ift es noch
viel beffer, wenn man fich’s in einem Winkel wie diefem behaglich
macht. Zwifchen hohen Gartenmauern, wo die Luft lau und
weich und ftill liegt, — auf der Sonnenfeite fitjen, wo eine Bank
fich in eine Nifche in der Mauer einkrümmt - dort fitjen und
auf den fcbimmernden, grünen Hkantbus im Landftraßengraben
fchauen, auf die filbergefleckten Difteln und die mattgelben Herbft«
blumen. □
»Huf der langen, grauen Mauer gegenüber, eine Mauer voll
Eidechfenlöchern und Ritten mit verdorrtem Mauergras, dort
hätten die Rofen ftehen follen, und gerade an der Stelle hätten
Sie hervorfehen follen, wo die einförmige Fläche von einem ge«
fchweiften großen Korb aus herrlicher, alter Schmiedeeifenarbeit,
einem Gitterkorbe unterbrochen wird, der einen geräumigen
und mehr als bis an die Bruft reichenden Balkon bildet, wo es
erfrifchend fein müßte, hinaufzufteigen, wenn man des eingefchloffenen
Gartens müde war.«
In der Regel aber findet man aus älteren Zeiten hübfche
Gartenzäune, die dem Vorübergehenden einen befchränkten
Einblick auf Haus und Garten gewähren. Doch auch diefe verhüllen
mehr als fie erfchließen. Nicht mehr laffen fie den Vorübergehenden
mitnehmen, als eine geheime Heimgartenfehnfucht,
die Hhnung von etwas fehr Lieblichem, das dahinter liegen muß,
und den begreiflichen Wunfch, folcb ein verborgenes Eden zu
haben. In regelmäßigen, nicht allzuweiten Hbftänden ftehen gemauerte
Pfeiler, und die Zwifchenräume find mit einem Holzzaune
ausgefüllt. Oftmals läuft ein gemauerter Steinfockel unter
dem Holzzaun. Hlljährlich im Frühjahr wird Toilette gemacht;
der forgfame Hausherr läßt die fteinernen Pfeiler und Sockel
frifch weißen und die Holzteile neu ftreichen. Hier find gefteigerte
Mittel am Platte und die Farbe tritt in ihre Rechte. Die modernen
Hrchitekten haben fich diefer freundlichen Tradition angefchloffen
und damit für die heimliche ländliche Stimmung einen neuen
Ton gefunden. Der Ton macht bekanntlich die Mufik. Man fehe
doch ein wenig die Villenfront entlang, wo hinter den Gartenzäunen
folitäre Kübelpflanzen ftehen. Und dann fehe man die
Gartenzäune alter Landhäufer, dahinter man auch oftmals Oie«
anderbäume antriflrt oder an der Hauswand pyramidenförmige
Staffeln mit Blumentöpfen. Von diefen zu jenen ift eine gerade
Entwicklungslinie. Leider blieb von jenen guten alten Beifpielen
wenig übrig. Was an ihre Stelle trat, gibt einen troftlofen Rn«
blick, der das Herz eines jeden Natur« und Kunftfreundes mit
tiefer Trauer erfüllt. Die Prachtvillen mit ihren eifernen Gittern,
den quaftenbehängten Lanzenftäben und den noch unerträglicheren
Spiralen find nicht geeignet, freundliche Gefühle zu erwecken.
Und doch kommt es vor, daß der Eigentümer eines
einfachen Biedermeierhaufes die gute alte Tradition verläßt und
ein barockes Eifengitter an Stelle des fcblicbten Holzgitters machen
läßt. Daß dabei das Billigfte und Schlechtefte unterläuft und
immer noch teurer kommt, als ein guter zum Charakter paffender
Zaun, ift die Regel. Solche Fälle find alltäglich und ein trauriges
Zeichen der Zeit. a
Man muß bedenken, daß die Verzäunungen, welche bei Bauerngütern
anzutreffen find, die finnreichften und gefcbmackvollften
Formen aufweifen und im hohen Grade kunftvoll find. Bei Leuten
alfo, die in diefen und allen fonftigen Dingen, die fie gemacht
haben, kaum an Kunft dachten. Vielleicht ift das mit ein Grund,
daß diefe Dinge fo ausgezeichnet gerieten, fo ungeniert, als wären
fie freiem Wachstum entfproffen. Bei ihnen wäre manche Rn«
regung zu holen. In englifchen Landhäufern ift man fo weit
gegangen, daß man die bäuerlichen Verzäunungen auch als Hausund
Garteneinfriedungen verwendet; die Sache fieht ungemein
fchön und ftimmungsvoll aus, weil fie fich an die bodenftändige
Kultur des Landes anfcbließt. Die Verwandtfcbaft des englifchen
Cottage mit dem englifchen Bauernhaufe ift eben im hohen Grade
finnfällig. Der Rnfchluß an das Ortstümliche wird überall auf
den richtigen Weg leiten. Es wäre felbftverftändlicb verfehlt,
wollte man die fteirifchen Verzäunungen bei einem Landhaufe
näcbft Wien oder Berlin anwenden, fo widerfinnig als es fein
würde, wenn man eine Villa, die für Capri gedacht ift, in Kopenhagen
bauen würde. Was an den bäuerlichen Verzäunungen
unter allen Umftänden lehrreich und nachahmenswert ift, das ift
die Rrt, wie den Erforderniffen der Natur, des Landes, des Zweckes
und des Materials mit großer Selbftändigkeit Rechnung getragen
ift. Im waldreichen Gebirge wird man felbftverftändlicb die hohen,
dünnen Stämme folcherart oftmals fehr erfindungsreich verwendet
findet. Rnderswo wird die Sache wieder anders fein
müffen. L -
DIE ROSE HLS KÜBELPFLHNZE
ocbftammrofen kann man febr gut in Kübeln ziehen, doch dürfen
die Gefäße im erften Jahre nicht zu groß fein, um ein Durchwurzeln
zu erleichtern und einem Verfauern der Erde vorzubeugen. In fpäteren
Jahren bedarf es dann kräftiger Nachhilfe. Schlingrofen in Efeukiften
zu ziehen, würde ich nicht raten, da Schlingrofen nur fchön find, wenn
fie üppig wachfen. In Efeukiften würden fie bald verhungern. Dagegen
wäre die Polyantharofe »Madame N. Lavavasseur« für Efeukiften
geeignet. Hm heften Stecklingspflanzen davon. Zu Hocbftämmen für
Topf- und Kübelkultur eignen fich alle befferen Hybriden, z. B. »Niel«,
»Testout«, »Souvenir de P. Notting«, »Farbenkönigin«, »Et. de France«,
»Gruß an Sangerhaufen« ufw. D
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