Demgegenüber ift es von böcbftem Intereffe feftzuftellen, welche Preife
heutzutage für Manufkripte des Mittelalters verlangt und bezahlt wer*
den. Unter Manufkripten find in diefem Falle vor Erfindung der Buch*
druckerkunft handfchriftlich hergeftellte Bücher zu verftehen. Die foge*
nannten Blockbücber des Mittelalters, die zwar nicht von beweglichen
Lettern, aber von Blöcken oder entfprecbend geformten Holztafeln gedruckt
wurden, zählen natürlich nicht dazu. Der Wert diefer Handfchriften
wird nicht allein durch Inhalt, Filter und Seltenheit, fondem
vor allem durch die künftlerifche Flusfchmückung, alfo das, was man
heute unter Bucbfchmuck verfteht, beftimmt. Die Manufkripte des Mittelalters,
ihrem Inhalte nach meift Bücher für den gottesdienftlicben Gebrauch
oder private Findachtsbücher, find nämlich faft durchweg mit
Miniaturen — kleinen Originalgemälden —, farbigen Initialen, Randleiften
und Ornamenten wunderbar gefchmückt, die in ihren Flnfängen alfo
im VI. bis XII. Jahrhundert, meift primitiv, in ihrer Blütezeit, dem XIII.
bis XVI. Jahrhundert dagegen, oft von großartiger Schönheit find. Derartige,
reich mit Miniaturmalereien ausgeftattete Handfchriften werden
fehr gefucbt, find fie doch nicht nur literatur» und kulturgefcbicbtlicb,
fondern vor allem auch kunftgefchichtlich von höchftem Intereffe. In
den großen ftaatlichen Bibliotheken find folche Manufkripte zu fehen,
allerdings werden fie nicht offen ausgelegt, fondern nur zuzeiten unter
Glas und Rahmen, und forgfältig bewacht. □
Wer ficb etwa felbft eine kleine Sammlung von Manufkripten oder
einige Stücke zulegen will, der muß fcbon über einen ziemlich großen
Geldbeutel verfügen. Laut dem foeben erfchienenen Katalog der Sammlung
von Karl W. Hierfemann in Leipzig, betitelt: Manufkripte des
Mittelalters und fpäterer Zeit, koftet ein Manufkript auf Pergament in
deutfcher Sprache aus dem Ende des XV. Jahrhunderts »Spiegelmenfch*
lieber Bebaltnuß« mit 96 großen, in den verfebiedenften Farben ausgeführten
Miniaturen auf 24 Folioblättem, die Kleinigkeit von 8500 Mark;
Manufkripte franzöfifchen Urfprungs aus dem XIII. bis XV. Jahrhundert,
mehrere »Biblia sacra latina«, ebenfalls reich mit Miniaturen, Initialen
und Randleiften gefcbmückt, 8000, 10 800 und 12 000 Mark; eine Handfebrift
Brunetto Latinis, des berühmten Florentiner Staatsmannes, Gelehrten
und Dichters aus dem XIII. Jahrhundert, eine Enzyklopädie des
Gefamtwiffens feiner Zeit darftellend, 6500 Mark. Die präcbtigften Stücke
der Sammlung, »Livres d’beures«, franzöfifch-burgundifcben llrfprungs
aus dem XIII. bis XV. Jahrhundert, die mit wunderbaren, außerordentlich
fein ausgefübrten Miniaturmalereien der beften Illuminatoren damaliger
Zeit verfeben find, finden ficb mit 6800, 13500, 5800 und
22000 Mark bewertet. Kleinere deutfebe und franzöfifche Manufkripte
des XVI. bis XVIII. Jahrhunderts find billig, fcbon von 30 Mark an, zu
haben, während frühmittelalterliche aus Italien ftammende Manufkripte
mit Miniaturen zu 6000 bis 6800 Mark angelegt find. □
Sehr intereffante orientalifebe Manufkripte, armenifebe und ätbio*
pifebe, fowie perfifebe und indifebe Initialmalereien aus dem XIII. bis
XIX. Jahrhundert, bebräifebe, künftlerifcb ausgefcbmückte Ehekontrakte
auf Pergament, prächtige Koftümwerke ufw. ftehen zu 25 bis 2500 Mark
im Katalog. Den Clou der vielleicht einzig daftebenden Sammlung
bilden zwei Mufikmanufkripte, nämlich ein mufikalifcher Kodex, das
-Breviatium Benedictinum Completum«, etwa aus dem X. Jahrhundert,
mit 23500 Mark, und das Originalmanufkript Ludwig van
Beethovens der Sonate Op. 96 für Violine und Klavier, das ganz
von feiner eigenen Hand gefchrieben und mit feinem Namen figniert
ift, zu 42 500 Mark. □
fluch Fakfimile-Reproduktionen von Handfcbriften fteben zum Teil
febr hoch im Werte. So koftet beifpielsweife ein Exemplar der Reproduktion
der berühmten Bilderbandfcbrift des XV. Jahrhunderts des
in der Bibliothek San Marco in Venedig befindlichen, feinerzeit im Aufträge
des Papftes Sixtus IV. angefertigten »Breviarium Grimani«,
komplet 2400 Mark, umfaßt zwölf umfangreiche Bände mit zufammen
300 farbigen Tafeln, bergeftellt durch die Kunftanftalt fllbert Frifcb in
Berlin in Dreifarbenlicbtdruck, und als bervorragendfte bis bis jet)t
unerreicht daftebende Leiftung auf dem Gebiete des Farbendruckes
anerkannt, und 1268 einfarbige Reproduktionen in Heliogravüre. Von
diefet großartigen Publikation befinden ficb in deutfeben öffentlichen
Bibliotheken und Privatbefit) über 100 Exemplare. Wem Gelegenheit
geboten ift, diefes prächtige Werk befiebtigen zu können, ftebt ein
auserlefener Kunftgenuß bevor. fl. flSKflNI
ERGEBNIS DES ZWEITEN PREISHUSSCHREI*
BENS DER MONATSHEFTE FÜR GRAPHISCHES
KUNSTGEWERBE
u unterem II. Preisausfchreiben mit dem Material der Schriftgießerei
Wilhelm Woellmer in Berlin, zur Erlangung von Bauentwürfen
für die Vorderfeite einer Speifekarte liefen insgefamt 218 Arbeiten
ein, von denen 70 Entwürfe in die engere Wahl kamen und die nach»
ftebend verzeiebneten mit Preifen ausgezeichnet wurden. In Anbetracht
der großen Beteiligung an dem Wettbewerb bat ficb die Firma Woellmer
bereit erklärt, noch zwei weitere IV. Preife auszufetjen. Das Preisrichterkollegium
beftebt aus den Herren: Profeffor Emil Doepler d. J.
in Berlin; Robert Feyl, in Firma Gebr. Feyl, Buchdruckerei in Berlin;
Willy Heidinger, Direktor der Firma Carl Flemming, Verlag, fl. G.,
Berlin; Profeffor Dr. Jean Loubier in Berlin; Hans Rofenbagen, Kunftfchriftfteller
in Berlin; Georg Tippei, Maler in Berlin; C. Kulbe, im
Haufe W. Woellmers Schriftgießerei in Berlin; fl. Knab, Herausgeber
der Monatshefte für graphifebes Kunftgewerbe, in Berlin; Karl Mattbies,
Redakteur der Monatshefte für grapbifebes Kunftgewerbe, in Berlin.
1. Preis 50 Mark. — RUDOLF LEHMANN, Rixdorf; Motto: »Dort
oben in dem Königsfaal«. □
2. Preis 40 Mark. — MflX JOHNE, Hannover; Motto: »Es blüht
in allen Zweigen«. □
3. Preis 35 Mark. — WILLY BRÄUTIGAM, Dresden; Motto: »Nummer
Zwei«. □
4. Preis 25 Mark. — JOSEF SCHUSTER, Leipzig; Motto: »Zwei
Farben«. □
Zweiter 4. Preis 25 Mark. — WILLY BELLING, Berlin; Motto: »Krone«.
Dritter 4. Preis 25 Mark. — FELIX HERING, Cbemnitj; Motto: »Vita«.
1 Freiabonnement auf den V. Jahrgang der Monatshefte für graphifebes
Kunftgewerbe, als □
1. lobende Erwähnung PAUL WEINMflNN, Brity Berlin; Motto: »Einfach«;
2. lobende Erwähnung HERMANN LUBOCH, Leipzig; Motto: »Allen voran«;
3. lobende Erwähnung KARL WIANKOW, Magdeburg; Motto: »Ornament«.
Das Preisgericht bat außerdem die nachfolgenden fünf Entwürfe
lobend erwähnt, wofür der Verlag Karl Flemming je ein Exemplar des
erften Sonderheftes »Winterfonnenwende« als Extrapreis geftiftet bat:
L. HAFFNER, Stuttgart; Motto: »Dreizehn«.
EMILIE VEIT, Stuttgart; Motto: »Sonne«.
HEDWIG WIETZEL, Stuttgart; Motto: »März«.
ANTON PSCHERfl, Leipzig; Motto: »Nicht febmutjendes Papier«.
AUGUST SCHMIDT, Leipzig; Motto »Nachtarbeit«.
□ Näcbftes Heft (Nr. 13) □
SONDERNUMMER FÜR HEIMATSCHUTZ
R. Voigtländers Verlag, Leipzig □ Druck von Otto Regel, Leipzig
Für die Redaktion: Jofeph flug. Lux,
Dresden-Blafewit), Scbubertftraße 38
□ Gefcbäftsftelle für öfterreicb: □
Buchhandlung Carl von Hölzl, Wien 1/1, Opemgaffe 4
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