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Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Demgegenüber  ift  es  von  böcbftem  Intereffe  feftzuftellen,  welche  Preife
heutzutage  für  Manufkripte  des  Mittelalters  verlangt  und  bezahlt  wer*
den.  Unter  Manufkripten  find  in  diefem  Falle  vor  Erfindung  der  Buch*
druckerkunft  handfchriftlich  hergeftellte  Bücher  zu  verftehen.  Die  foge*
nannten  Blockbücber  des  Mittelalters,  die  zwar  nicht  von  beweglichen
Lettern,  aber  von  Blöcken  oder  entfprecbend  geformten  Holztafeln  gedruckt ­
  wurden,  zählen  natürlich  nicht  dazu.  Der  Wert  diefer  Handfchriften
  wird  nicht  allein  durch  Inhalt,  Filter  und  Seltenheit,  fondem
vor  allem  durch  die  künftlerifche  Flusfchmückung,  alfo  das,  was  man
heute  unter  Bucbfchmuck  verfteht,  beftimmt.  Die  Manufkripte  des  Mittelalters, ­
  ihrem  Inhalte  nach  meift  Bücher  für  den  gottesdienftlicben  Gebrauch ­
  oder  private  Findachtsbücher,  find  nämlich  faft  durchweg  mit
Miniaturen  —  kleinen  Originalgemälden  —,  farbigen  Initialen,  Randleiften
und  Ornamenten  wunderbar  gefchmückt,  die  in  ihren  Flnfängen  alfo
im  VI.  bis  XII.  Jahrhundert,  meift  primitiv,  in  ihrer  Blütezeit,  dem  XIII.
bis  XVI.  Jahrhundert  dagegen,  oft  von  großartiger  Schönheit  find.  Derartige, ­
  reich  mit  Miniaturmalereien  ausgeftattete  Handfchriften  werden
fehr  gefucbt,  find  fie  doch  nicht  nur  literatur»  und  kulturgefcbicbtlicb,
fondern  vor  allem  auch  kunftgefchichtlich  von  höchftem  Intereffe.  In
den  großen  ftaatlichen  Bibliotheken  find  folche  Manufkripte  zu  fehen,
allerdings  werden  fie  nicht  offen  ausgelegt,  fondern  nur  zuzeiten  unter
Glas  und  Rahmen,  und  forgfältig  bewacht.  □
Wer  ficb  etwa  felbft  eine  kleine  Sammlung  von  Manufkripten  oder
einige  Stücke  zulegen  will,  der  muß  fcbon  über  einen  ziemlich  großen
Geldbeutel  verfügen.  Laut  dem  foeben  erfchienenen  Katalog  der  Sammlung ­
  von  Karl  W.  Hierfemann  in  Leipzig,  betitelt:  Manufkripte  des
Mittelalters  und  fpäterer  Zeit,  koftet  ein  Manufkript  auf  Pergament  in
deutfcher  Sprache  aus  dem  Ende  des  XV.  Jahrhunderts  »Spiegelmenfch*
lieber  Bebaltnuß«  mit  96  großen,  in  den  verfebiedenften  Farben  ausgeführten
  Miniaturen  auf  24  Folioblättem,  die  Kleinigkeit  von  8500  Mark;
Manufkripte  franzöfifchen  Urfprungs  aus  dem  XIII.  bis  XV.  Jahrhundert,
mehrere  »Biblia  sacra  latina«,  ebenfalls  reich  mit  Miniaturen,  Initialen
und  Randleiften  gefcbmückt,  8000,  10  800  und  12  000  Mark;  eine  Handfebrift
  Brunetto  Latinis,  des  berühmten  Florentiner  Staatsmannes,  Gelehrten ­
  und  Dichters  aus  dem  XIII.  Jahrhundert,  eine  Enzyklopädie  des
Gefamtwiffens  feiner  Zeit  darftellend,  6500  Mark.  Die  präcbtigften  Stücke
der  Sammlung,  »Livres  d’beures«,  franzöfifch-burgundifcben  llrfprungs
aus  dem  XIII.  bis  XV.  Jahrhundert,  die  mit  wunderbaren,  außerordentlich ­
  fein  ausgefübrten  Miniaturmalereien  der  beften  Illuminatoren  damaliger ­
  Zeit  verfeben  find,  finden  ficb  mit  6800,  13500,  5800  und
22000  Mark  bewertet.  Kleinere  deutfebe  und  franzöfifche  Manufkripte
des  XVI.  bis  XVIII.  Jahrhunderts  find  billig,  fcbon  von  30  Mark  an,  zu
haben,  während  frühmittelalterliche  aus  Italien  ftammende  Manufkripte
mit  Miniaturen  zu  6000  bis  6800  Mark  angelegt  find.  □
Sehr  intereffante  orientalifebe  Manufkripte,  armenifebe  und  ätbio*
pifebe,  fowie  perfifebe  und  indifebe  Initialmalereien  aus  dem  XIII.  bis
XIX.  Jahrhundert,  bebräifebe,  künftlerifcb  ausgefcbmückte  Ehekontrakte
auf  Pergament,  prächtige  Koftümwerke  ufw.  ftehen  zu  25  bis  2500  Mark
im  Katalog.  Den  Clou  der  vielleicht  einzig  daftebenden  Sammlung
bilden  zwei  Mufikmanufkripte,  nämlich  ein  mufikalifcher  Kodex,  das
-Breviatium  Benedictinum  Completum«,  etwa  aus  dem  X.  Jahrhundert, ­
  mit  23500  Mark,  und  das  Originalmanufkript  Ludwig  van
Beethovens  der  Sonate  Op.  96  für  Violine  und  Klavier,  das  ganz
von  feiner  eigenen  Hand  gefchrieben  und  mit  feinem  Namen  figniert
ift,  zu  42  500  Mark.  □
fluch  Fakfimile-Reproduktionen  von  Handfcbriften  fteben  zum  Teil
febr  hoch  im  Werte.  So  koftet  beifpielsweife  ein  Exemplar  der  Reproduktion ­
  der  berühmten  Bilderbandfcbrift  des  XV.  Jahrhunderts  des
in  der  Bibliothek  San  Marco  in  Venedig  befindlichen,  feinerzeit  im  Aufträge ­
  des  Papftes  Sixtus  IV.  angefertigten  »Breviarium  Grimani«,
komplet  2400  Mark,  umfaßt  zwölf  umfangreiche  Bände  mit  zufammen
300  farbigen  Tafeln,  bergeftellt  durch  die  Kunftanftalt  fllbert  Frifcb  in
Berlin  in  Dreifarbenlicbtdruck,  und  als  bervorragendfte  bis  bis  jet)t
unerreicht  daftebende  Leiftung  auf  dem  Gebiete  des  Farbendruckes
anerkannt,  und  1268  einfarbige  Reproduktionen  in  Heliogravüre.  Von
diefet  großartigen  Publikation  befinden  ficb  in  deutfeben  öffentlichen
Bibliotheken  und  Privatbefit)  über  100  Exemplare.  Wem  Gelegenheit
geboten  ift,  diefes  prächtige  Werk  befiebtigen  zu  können,  ftebt  ein
auserlefener  Kunftgenuß  bevor.  fl.  flSKflNI

ERGEBNIS  DES  ZWEITEN  PREISHUSSCHREI*
BENS  DER  MONATSHEFTE  FÜR  GRAPHISCHES
KUNSTGEWERBE
u  unterem  II.  Preisausfchreiben  mit  dem  Material  der  Schriftgießerei
Wilhelm  Woellmer  in  Berlin,  zur  Erlangung  von  Bauentwürfen
für  die  Vorderfeite  einer  Speifekarte  liefen  insgefamt  218  Arbeiten
ein,  von  denen  70  Entwürfe  in  die  engere  Wahl  kamen  und  die  nach»
ftebend  verzeiebneten  mit  Preifen  ausgezeichnet  wurden.  In  Anbetracht
der  großen  Beteiligung  an  dem  Wettbewerb  bat  ficb  die  Firma  Woellmer ­
  bereit  erklärt,  noch  zwei  weitere  IV.  Preife  auszufetjen.  Das  Preisrichterkollegium ­
  beftebt  aus  den  Herren:  Profeffor  Emil  Doepler  d.  J.
in  Berlin;  Robert  Feyl,  in  Firma  Gebr.  Feyl,  Buchdruckerei  in  Berlin;
Willy  Heidinger,  Direktor  der  Firma  Carl  Flemming,  Verlag,  fl.  G.,
Berlin;  Profeffor  Dr.  Jean  Loubier  in  Berlin;  Hans  Rofenbagen,  Kunftfchriftfteller
  in  Berlin;  Georg  Tippei,  Maler  in  Berlin;  C.  Kulbe,  im
Haufe  W.  Woellmers  Schriftgießerei  in  Berlin;  fl.  Knab,  Herausgeber
der  Monatshefte  für  graphifebes  Kunftgewerbe,  in  Berlin;  Karl  Mattbies,
Redakteur  der  Monatshefte  für  grapbifebes  Kunftgewerbe,  in  Berlin.
1.  Preis  50  Mark.  —  RUDOLF  LEHMANN,  Rixdorf;  Motto:  »Dort
oben  in  dem  Königsfaal«.  □
2.  Preis  40  Mark.  —  MflX  JOHNE,  Hannover;  Motto:  »Es  blüht
in  allen  Zweigen«.  □
3.  Preis  35  Mark.  —  WILLY  BRÄUTIGAM,  Dresden;  Motto:  »Nummer ­
  Zwei«.  □
4.  Preis  25  Mark.  —  JOSEF  SCHUSTER,  Leipzig;  Motto:  »Zwei
Farben«.  □
Zweiter  4.  Preis  25  Mark.  —  WILLY  BELLING,  Berlin;  Motto:  »Krone«.
Dritter  4.  Preis  25  Mark.  —  FELIX  HERING,  Cbemnitj;  Motto:  »Vita«.
1  Freiabonnement  auf  den  V.  Jahrgang  der  Monatshefte  für  graphifebes ­
  Kunftgewerbe,  als  □
1.  lobende  Erwähnung  PAUL  WEINMflNN,  Brity  Berlin;  Motto:  »Einfach«;
2.  lobende  Erwähnung  HERMANN  LUBOCH,  Leipzig;  Motto:  »Allen  voran«;
3.  lobende  Erwähnung  KARL  WIANKOW,  Magdeburg;  Motto:  »Ornament«.
Das  Preisgericht  bat  außerdem  die  nachfolgenden  fünf  Entwürfe
lobend  erwähnt,  wofür  der  Verlag  Karl  Flemming  je  ein  Exemplar  des
erften  Sonderheftes  »Winterfonnenwende«  als  Extrapreis  geftiftet  bat:
L.  HAFFNER,  Stuttgart;  Motto:  »Dreizehn«.
EMILIE  VEIT,  Stuttgart;  Motto:  »Sonne«.
HEDWIG  WIETZEL,  Stuttgart;  Motto:  »März«.
ANTON  PSCHERfl,  Leipzig;  Motto:  »Nicht  febmutjendes  Papier«.
AUGUST  SCHMIDT,  Leipzig;  Motto  »Nachtarbeit«.

□  Näcbftes  Heft  (Nr.  13)  □
SONDERNUMMER  FÜR  HEIMATSCHUTZ

R.  Voigtländers  Verlag,  Leipzig  □  Druck  von  Otto  Regel,  Leipzig

Für  die  Redaktion:  Jofeph  flug.  Lux,
Dresden-Blafewit),  Scbubertftraße  38
□  Gefcbäftsftelle  für  öfterreicb:  □
Buchhandlung  Carl  von  Hölzl,  Wien  1/1,  Opemgaffe  4

200
            
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