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MAK

Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Aus:  Hnbeißer,
flltfcbweizerifcbe
Baukunft,  Verlag
von  fl.  Francke,
Bern

wären.  Das  find  ganz  unwillkürlich  Ergebniffe  eines  an  der
Scholle  mehr  oder  weniger  inftinktiv  fchaffenden  Bauhandwerkes.
Aber  all  diefe  Eigentümlichkeiten  find  unterem  Bauwefen  abhanden ­
  gekommen.  Wir  bleiben  daher  diefer  altheimifchen  Bauweife ­
  gegenüber  in  einem  geradezu  fchülerbaften  Verhältnis.
Unfere  fabriksmäßigen  Baumaterialien,  untere  ebenfo  fabriksmäßigen ­
  Bauarbeiter  laffen  keine  individuelle  Freiheit,  keine
anmutigen  Unwillkürlichkeiten,  keine  Improvifation  mehr  zu.
Wenn  wir  ein  neues  Haus  bauen  mit  unteren  Mitteln  und  feine
Form  vollftändig  dem  alten  Vorbild  anpaffen,  wenn  wir  alfo
ganz  dasfelbe  tun  wollen,  fo  ift  es  dennoch  noch  lange  nicht
dasfelbe.  Wir  werden  aber  viel  mehr  Glück  haben  und  zu
verwandten  Ergebniffen  auf  einem  anderen  Weg  gelangen,
wenn  wir  von  den  fachlichen  Grundlagen,  wie  oben  erwähnt,
ausgehen  und  jede  flrt  von  Stilmeierei,  auch  im  Hinblick  auf
die  heimifche  Bauweife  vermeiden.  Gutes  örtliches  Material,
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gute  Arbeiter  und  vor  allem  die  vertiefte  Ermittlung  all  jener
fachlichen  Rückfid>ten  und  Erforderniffe  müffen  unfehlbar  zu
dem  Rechten  führen,  vorausgefetjt,  daß  der  Baumeifter  oder
Architekt  überhaupt  befähigt  ift,  geiftig  und  künftlerifch  zu  arbeiten. ­
  Künftlerifcb  arbeiten,  beißt  in  diefem  Fall  durchaus  nicht
um  jeden  Preis  originell  fein  wollen.  Künftlerifcb  arbeiten,  heißt
in  dem  obigen  Sinne  arbeiten.  Mit  dem  Getagten  meine  ich  ^
nicht,  die  Bedeutung  von  Skizzen  und  Reproduktionen  der  alt»
beimifchen  Form  zu  verringern.  Im  Gegenteil.  Das  Studium
der  volkstümlichen  Bauüberlieferung,  von  der  die  Schönheit  des
Landes  abbängt,  ift  in  vielfacher  Hinficbt  nützlich  und  belehrend.
Es  ift  eine  Quelle  der  Natur-  und  Kunftfreuden;  es  ift  geradezu
eine  Seelenftärkung  und  macht  uns  geiftig  reicher,  aber  es  hieße
die  Bedeutung  der  Sache  vollftändig  verkennen,  wollte  man
daraus  eine  Vorlagenfammlung  und  eine  Fundgrube  fertiger
Stilformen  zur  Nachahmung  machen.  L.

Der  Ring  in  Biel,
im  Hintergrund
das  Zunftbaus  zu
Waldleuten
            
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