auch ganz naß fein, bevor der Verputj aufgetragen wird, der an
der Hußenmauer möglicbft lange feucht bleiben muß. Darüber
gelegte Tücher verlangfamen das Trocknen, am leichterten wird
der Verput) aber mit Hilfe einer Gartenfpritje feucht gehalten.
Das follte vierzehn Tage lang fortgefetjt werden. Wir laffen den
ausführlichen Bericht eines Architekten folgen, darüber, wie er
das Verputjen einer neuen Ziegelmauer ausführte. Der Umftand,
daß die Mauer neu war, vergrößerte die Schwierigkeit der Auf»
gäbe, da die neuen Ziegel mehr Feuchtigkeit auffaugen; der
Vorzug der Methode, die das baldige Aufragen einer Verputz
fcbicbt ermöglichte, befteht in dem größeren Feuchtigkeitsgehalt
der Matte. Die neuen Gebäude leiden aber fonft durch frühzeitige
Näffe. □
Er verwendete blauen Liaskalk, Gruben- und fpitjen Flußfand,
beides im gewafchenen Zuftande. Das Verhältnis war: drei Teile
Flußfand, zwei Teile Grubenfand und ein Teil Kalk, das Metten
wurde fehr forgfältig ausgeführt. Es ift notwendig, daß der
Kalk etwa vierzehn Tage lang in einem offenen Trog auskühlt,
bevor er verwendet wird, und muß durch ein feines Sieb gefeiht
werden, damit alle Klümpchen entfernt werden. Die notwendige
Materialmenge für die Tagesarbeit muß den Tag zuvor
gemifcht werden. Das ift fehr wichtig. Die Ziegelfteine werden
über Nacht oder früh am Morgen angefeuchtet. Im Sommer ift
es ratfam, die Mauern am Morgen und am Abend gut zu be»
fpritjen. Der Mörtel follte einen halben Zoll dick aufgetragen
und mit der Kelle gut bearbeitet werden. □
Es ift ein Irrtum, zu glauben, daß Tünche eine neue Erfindung
fei, fie wurde vom achten Jahrhundert an in Kirchen verwendet
und man findet fie fchon frühzeitig in der Weftminfter
Abbey. Noch zu normannifcher Zeit wurde das St. Albanklofter
außen und innen ganz übertüncht. Die mittelalterlichen Architekten
übertünchten ihre Gebäude meiftens innen gleich nach
der Vollendung. Das wird auch durch die Tatfache bewiefen, daß
die Kirchenkreuze gewöhnlich auf einem Untergrund von Tünche
übermalt wurden. □
Die Tünche ift eines der betten Schutjmittel für Stein und
reflektiert gut das Licht, was zweifellos auch den alten Baumeiftern
bekannt war. Vom architektonifchen Standpunkte aus
ift zu bemerken, daß nichts die Bauformen fo zur Geltung bringt.
Die Tünche wurde leider dadurch in Mißkredit gebracht, daß es
jetjt üblich geworden ift, Blau hinzuzutun, wodurch das Weiß
häßlich wird. □
In Fällen, wo es ratfam ift, die Tünche vom Mauerwerk zu
entfernen, dürfte das nur mit Hilfe von einer fteifen Bürfte, und
wenn es nötig ift, von warmem Waffer gefchehen. Wenn die
Tünche härter als Stein ift, follte fie nie entfernt werden und
mit Metallwerkzeugen heruntergekratjt werden, fonft wird die
urfprüngliche Oberfläche der Mauern zerftört. □
Die verputjten Wände follten abgebürftet und übertüncht werden,
wobei ein wenig Ocker hinzugefügt werden kann, um das
Weiß zu mildern, fonft darf nichts weiter gefchehen und auch
das muß unter guter Beauffichtigung gefchehen, da fonft das
Gefamtbild des Bauwerks gefchädigt werden kann. □
GALERIEN
Es ift nicht anzuraten, felbft neue Galerien zu entfernen, wenn
fie tatfächlich zur Bequemlichkeit dienen; die Vergrößerung des
Planes eines mittelalterlichen Gebäudes ift viel verwerflicher für
feine Gefchichte und Schönheit, als das Beibehalten von Galerien,
die doch einem praktifchen Zwecke dienen, felbft wenn fie keinen
architektonifchen Wert befi^en, und man fort bedenken, daß alle
Mufiker der Anficht find, eine weftliche Galerie fei einer der
betten Plätje für eine Orgel. □
DHS HEIM, WIE ES WHR
(VON DER EMPIRE- ZUR BIEDERMEIERZEIT)
ie Möbel der Empire» und Biedermeierzeit find ftumme
Zeugen vom Heim, wie es war. Wir bedürfen eines beredten
Führers, das Kulturbild des alten Haufes zu erwecken,
und ein herzftärkendes Beifpiel zu überliefern. Kein
befferer Führer als Adalbert Stifter; fein »Nachfommer« ift
eine erquickende Wanderung durch die Interieurs der Seele und
des häuslichen Heims. Ein ideales Haus erfchließt fich: Er führte
mich über die Treppe, auf welcher eine weiße Marmorgeftalt
ftand, hinauf. Nicht nur die Treppe war in diefem Stiegenhaufe
von Marmor, fondern auch die Bekleidung der Seitenwände.
Oben fdbloß gewölbtes Glas, das mit feinem Drahte überfpannt
war, die Räume. Als wir die Treppe erftiegen hatten, öffnete
mein Gaftfreund eine Tür. Diefe ging in einen großen Saal.
Auf der Schwelle, an der der Tuchftreifen, welcher über die
Treppe empor lag, endete, ftanden Filzfcbube. Da wir jeder ein
Paar angezogen batten, gingen wir in den Saal. Er war eine
Sammlung von Marmor. Der Fußboden war aus dem farbigften
Marmor zufammengeftellt, der in unteren Gebirgen zu finden ift.
Die Tafeln griffen fo ineinander, daß eine Fuge kaum zu erblicken
war; der Marmor war fehr fein gefchliffen und geglättet,
und die Farben waren fo zufammengeftellt, daß der Fußboden
wie ein liebliches Bild zu betrachten war. Überdies glänzte und
fchimmerte er noch in dem Lichte, das bei den Fenftern hereinftrömte.
Die Seitenwände waren von einfachen, fanften Farben.
Ihr Sockel war mattgrün, die Haupttafeln batten den lichteften,
faft weißen Marmor, nur in der Mitte derfetben zeigte fich eine
Zufammenftellung von roten Ammoniten, und aus derfelben ging
die Metallftange nieder, welche in vier Armen die vier dunklen,
faft fchwarzen Marmorlampen trug, die beftimmt waren, in der
Nacht diefen Raum beleuchten zu können. In dem Saal war kein
Bild, kein Stuhl, keine Geräte, nur in den drei Wänden war
jedesmal eine Tür aus fcbönem, dunklem Holze eingelegt, und
in der vierten Wand befanden fich drei Fenfter, durch welche
der Saal bei Tag beleuchtet wurde. Zwei davon ftanden offen,
und zu dem Glanze des Marmors war der Saal auch mit Rofenduft
erfüllt. □
Aus diefem Saale gingen wir durch eine der Türen in eine
Stube, deren Fenfter in den Garten gingen. □
»Das ift gewiffermaßen mein Arbeitszimmer«, fagte er; . . .
. . . In ihr war nichts mehr von Marmor, fie war wie unfere
gewöhnlichen Stuben, aber fie war mit altertümlichen Geräten
eingerichtet, wie fie mein Vater hatte und liebte Ich bat,
die Sachen näher betrachten zu dürfen, um meinem Vater nach
meiner Zurückkunft von ihnen erzählen und fie ihm, wenn auch
nur notdürftig, befchreiben zu können. Es war vor allem ein
Schreibfchrein, welcher meine Aufmerkfamkeit erregte, weil er
nicht nur das größte, fondern auch das fcbönfte Stück des Zimmers
war. Vier Delphine, welche fich mit dem Unterteil ihrer
Häupter auf die Erde ftütjten und die Leiber in gewundener
Stellung emporftreckten, trugen den Körper des Schreines auf
diefen gewundenen Leibern. Die Holzbelegung des ganzen
Schreines war durchaus eingelegte Arbeit. Abornlaubwerk in
dunklen Nußholzfeldern, umgeben von gefcblungenen Bändern
und geflammtem Erlenbolze. Die Bänder waren wie geknitterte
Seide, was daher kam, daß fie aus kleinem, feingeftreiftem, vielfarbigem
Rofenbolze fenkrecht auf die Acbfe eingelegt waren
Außer dem Schreibfchreine erregten noch zwei Tifche meine
Aufmerkfamkeit, die an Größe gleich waren und auch fonft
gleiche Geftalt batten, fich aber nur darin unterfchieden, daß
jeder auf feiner Platte eine andere Geftaltung trug. Sie batten
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