des Facbverbandes ein klares Bild zu geben. Herr Sy bot nichts,
was nicht fchon in den Mitteilungen des Fachverbandes veröffent»
licht worden war. Der nach dem Referat des Herrn Sy erfolgte
Proteft gegen den Fachverband ging nur von drei Delegierten aus,
von Hofrat Bruckmann in Heilbronn, der ficb für Mutbefius er«
klärte, und von Dr. Wolf Dohrn, als Delegierten der Dresdener
Werkftätten für Handwerkskunft, fowie vom Herausgeber diefer
Zeitfcbrift, Jofeph Hug. Lux, der als Vertreter der Münchener
Werkftätten für Wohnungseinrichtung, Kart Bertfch, und der
Kgl. Porzellan-Manufaktur zu Nymphenburg (Direktor Bäuml)
auf dem Kongreß erfchienen war. Insbefondere diefe beiden
festeren Herren waren nicht gekommen, um wegen der von
den Dresdener Werkftätten für Handwerkskunft veranlaßten
Gegeneingabe ficb zu rechtfertigen, fondern um den Fachverband,
refp. den Hrbeitsausfchuß anzuklagen. Weil ficb in den Ffusfüb-
rungen diefer drei Redner die grundfä^tiche Stellung ausfpricht,
die das moderne Kunftgewerbe und die wahren nationalen Inter-
effen der deutfchen Kunft und der deutfcben Hrbeit von den
Sonderintereffen des Fachverbandes unterfcbeidet, müffen die
Ausführungen diefer Redner ausführlich und finngetreu wieder
gegeben werden. Es muß hier gleich vorausgefcbickt werden,
daß von diefen beiden letztgenannten Delegierten der Austritt
der Dresdener Werkftätten für Handwerkskunft, der Münchener
Werkftätten für Wohnungseinrichtung, Karl Bertfch, fowie der
Kgl. Porzellan-Manufaktur zu Nymphenburg angemeldet und
gleichzeitig die vollzogene Gründung eines neuen Verbandes,
der die notwendige Wahrung aller berechtigten künftlerifcben
und wirtfcbaftlicben Intereffen des deutfchen Kunftgewerbes zum
Ziele bat, mitgeteilt wurde. □
HOFRflT BRUCKMHNN SAGTE:
„Meine Herren! Ich bin nicht Mitglied des Facbverbandes, da
ich aber zum heutigen Kongreß eingeladen wurde, bitte ich um
Ihr Gehör. Da uns allen die Sache des deutfchen Kunftgewerbes
fo hoch fteht, muß es Ihnen ja erwünfcbt fein, auch eine Meinung
zu hören, die von der Ihrigen abweicht. Der Fachverband bat
von ficb aus gegen die Tätigkeit des Geheimrats Mutbefius pro-
teftiert, aber der Öffentlichkeit gegenüber fiebt es aus, als fprecbe
er im Namen des gefamten deutfchen Kunftgewerbes. Weil ich
nun der Anficht bin, daß ein großer Teil der Kunftgewerbe-
treibenden mit dem Vorgeben des Facbverbandes nicht ein-
verftanden ift und ich, obgleich Fabrikant, auch diefen Stand
punkt einnebme, fo möchte ich öffentlich vor diefer Verfammlung
diefen Standpunkt erläutern. □
Gewiß bat Mutbefius febr fcharf gefprochen und in offene
Wunden die Hand gelegt, was fcbmerzbaft ift, aber er bat es
getan, geleitet vom wärmften Intereffe an einem deutfchen, origi
nalen Kunfthandwerk, während der Fachverband ihn förmlich
des Hochverrats an deutfchem Wefen zeiht. Der Hauptpunkt von
Mutbefius’ Darlegungen ift der Hinweis darauf, daß wir, um auch
im Kunfthandwerk den Weltmarkt zu erobern, eine eigene künft-
lerifcbe Sprache lernen müffen. Diefe Sprache lernen wir nur
im engen Verband, in der Zufammenarbeit mit felbftändig er
findenden Künftlern. Ein folcbes Zufammenarbeiten bat zum Teil
fchon fcböne Früchte getragen, zum Teil bat es zu Differenzen
und gegenfeitiger Abneigung geführt. □
Das ift erklärlich, denn wir leben in einer Zeit der künftle«
rifchen Entwicklung und des Überganges. Wir haben noch viele
Fabrikanten, deren größter Stolz es ift, felbft künftlerifch zu
wirken, und doch gebt' ihnen die Fähigkeit ab, felbftändig zu
erfinden, und Erfolge können fie nur dann erringen, wenn fie
alte und neue Vorbilder kopieren. Für diefe Fabrikanten ift
es fcbmerzlicb, nun felbft refignieren zu follen und in bezug auf
ihr Atelier nun die böcbften Anforderungen ftellen zu müffen.
Und doch ift ein wahrer Fortfcbritt im deutfchen Kunftgewerbe
nur zu erwarten, wenn hier die Fabrikanten eigene ideelle
Opfer bringen zugunften der Hebung der künftle«
lerifchen Selbftändigkeit ihrer Erzeugniffe, und wenn
jeder Hilfsarbeiter in ganz anderer Weife als bisher perfönliches
Intereffe, perfönliche Mitarbeit am Betrieb betätigt. Dazu müffen
alle kunftinduftriellen Mitarbeiter fozial und etbifch gehoben
werden, Herr Kimbel bat das als »Worte, Worte« bezeichnet,
aber diefes Moment ift mit der künftigen Entwicklung unferes
Kunftgewerbes aufs engfte verknüpft. Die kunftgewerblicben
Betriebe werden ficb dabin umgeftalten, daß künftlerifcbe und
kaufmännifche Kraft ficb gleichberechtigt die Hand reichen, und
die Arbeiter bis zum Lehrling herab eine innere Freude und
Begeifterung für die gemeinfame Arbeit bekommen. Diefes Ziel,
das beute noch ein fernes Ideal ift, ftrebt auch Mutbefius an, und
wenn die Fabrikanten ficb auf die Dauer gegen diefe Ideen
fträuben, dann werden fie ihre fchärffte Konkurrenz eben in
diefen modern geftalteten Werkftättenbetrieben bekommen. □
Neue Ideen, um die bandelt es ficb, neue Ideen, die fchon
vielen Boden gefunden haben, und gegen eine Idee, die anftrebt:
die ehrliche, felbftändige Kunftarbeit in Deutfcbland, da kämpfen
Sie nicht an, indem Sie dem Manne, der fie vertritt, das Reden
verbieten. □
Wenn es Ihnen heute gelänge, Mutbefius aus feiner Stellung
zu verdrängen, fo würden Sie die Idee doch nicht niederringen!
Mir kommt es vor, als fcbießen Sie mit Pfeilen gegen die Sonne!
(Gelächter!) Sie meinen, Mutbefius fei nicht die Sonne, das habe
ich auch nicht gefagt, die Sonne ift für uns das junge, moderne
Kunftgewerbe, das nicht mehr allein den Modegefcbmack be
friedigen, fondern ein Teil unferes modernen Kulturlebens
werden will! □
Wenn ich mich als Fabrikant über Mutbefius’ Worte nicht fo
erregen kann, wie Sie, fo ift es nicht deshalb, weil ich weniger
Ehrgefühl habe als Sie, fondern weil ich weiß, daß Zuftände, wie
er fie gefcbildert bat, exiftieren, daß wir aus gefcbäftlicben Rück
fichten der Mode huldigen, und weil ich überzeugt bin, daß die
Zukunft des deutfchen Kunftgewerbes nur dann gefiebert ift,
wenn es fidi dem ernften Beftreben der künftlerifcben Führer
anfcbließt. Wohl find die Kräfte, die für die Kunftinduftrie
Modernes febaffen können, mit Hinzuziehung und Berückfichtigung
der modernen Mafchinen noch feiten, in meiner Induftrie, im
Edelmetall, weiß ich kaum einen, aber wir werden fie bekommen
durch enges Zufammenarbeiten mit den Künftlern, und zuerft
aus den Betrieben heraus, wo Arbeiter, Kaufmann und Künftler
gleich feft überzeugt find von dem großen Kulturwert, den eine
felbftändige, künftlerifcbe Arbeit darftellt. □
Wenn eine Klärung und Weiterentwicklung eines gefunden
Verbältniffes zwifchen Künftler und Fabrikant aus der heutigen
Ausfprache heraus gefördert werden follte, und wenn die von
Mutbefius ebenfo dringend wie von dem heutigen Redner
Schumacher geforderten »guten Sitten« im Kunftgewerbe zur
Herrfcbaft gelangen, dann bat auch diefer »Fall Mutbefius« fein
Gutes gehabt.“ □
DR. DOHRN
SAGTE NAMENS DER DRESDNER WERKSTÄTTEN FÜR HAND
WERKSKUNST:
„Meine Herren! Die mir gewährte Redezeit von 10 Minuten er
fordert es, mir in meiner Erwiderung auf die Rede des Referenten
und in Vertretung des Standpunktes meiner Firma, der Dresdner
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