Sache eines nationalen, felbftändigen deutfcben Kunftgewerbes
mit aller wirtfcbaftlicben und kulturellen Tragweite erwiefen
hat. Muthefius hat für die gegen das Ausland erzielten Fort»
fchritte des modernen Kunftgewerbes hohe Worte der Aner=
kennung gerade auch in jenem von Ihnen angefochtenen Artikel
gefunden. Alle diejenigen, die es mit der Sache eines nationalen
deutfchen Kunftgewerbes, das lebendige Intereffen vertritt, ernft
meinen, haben alle Urfache, diefem Mann ihre volle Zuftimmung
und Anerkennung zu erteilen und ihn als einen Mitkämpfer
um die allgemeine Sache der Kultur zu begrüßen. Wir fteben
vollends auf dem Standpunkte des Dr. Muthefius und geben ihm
in feinen Ausführungen recht, denn nicht er und die Künftler find
Feinde unferer Sache, fondern die Feinde des deutfcben Kunft>
gewerbes find im eigenen Lager zu fucben. Die Feinde des
deutfchen Kunftgewerbes find die Schundinduftrie, die Schmutj»
konkurrenz, jene Nachahmer, die vom Ideendiebftabl leben und
die Unerfahrenbeit des Publikums ausnütjen, anftatt aufklärend
zu wirken, und Falfifikate nach fremden Erzeugniffen und nach
der alten Kunft berftellen. □
In diefer Richtung müßte der Fachverband, wenn er von
folcben Intereffen geleitet wäre, ein Arbeitsfeld fuchen und vor
allem dabin wirken, daß er Hand in Hand mit uns an der Auf
klärung des Publikums, an der Höberbildung feines Gefchmackes,
an der Veredlung der Kultur arbeitet. Der Fachverband bat
es vorgezogen, die natürlichen Verbündeten unferer guten Sache,
die Künftler und die geiftigen Mitarbeiter in einer geradezu
unwürdigen Weife zu bekämpfen. Es ift wabrfcbeinlicb keiner
unter Ihnen, der zugeben würde, daß Sie aus perfönlicber Ani»
mofität gegen Muthefius vorgegangen find. Sie werden wabr
fcbeinlicb alle behaupten, daß Sie gegen Muthefius keine perfön-
lichen, fondern nur fachliche Beweggründe empfinden. Das will
ich Ihnen febr gern glauben und nehme es von vornherein als
erwiefen an, daß es nicht ein Kampf gegen die Perfon, fondern
gegen die Sache ift. Aber das ift gerade der Punkt, wo untere
Wege auseinander geben. Denn wenn Sie in Ihrem Anfchlag
auf Muthefius nicht die Perfon, fondern die Sache gemeint haben,
die Muthefius vertritt, dann ift es klar, daß Sie gegen die Künftler
im Kunftgewerbe auftreten wollen, daß Sie die Künftler aus
dem Kunftgewerbe heraus haben wollen, daß Sie meinen, ein
Kunftgewerbe kann ohne Kunft beftehen. Es ift zuzugeben, daß
da und dort ein Tifcbler ift, der meint, er fei zugleich auch
Künftler, aber wir wiffen, daß keineswegs jeder Tifcbler ficb
ohne weiteres einbilden kann, Künftler zu fein. Und wir wiffen,
daß wir im Intereffe des Kunftgewerbes die Künftler febr not
wendig brauhen. Wenn nun der Fahverband niht die Inter
effen einer Klique innerhalb des Verbandes felbft, fondern die
allgemeinen Intereffen des Kunftgewerbes vertreten hätte wollen,
fo mußte er ficb im lebendigen Intereffe des Kunftgewerbes da
vor hüten, eine Hetje gegen die Künftler anzufangen. Sie haben
nun wohl fdbon einige Erfahrungen gemäht, wie weit Sie da
mit kommen. Es fheint tatfählih, daß Sie die Intereffen einer
Shmutjkonkurrenz fhütjen wollen, die ihre Zufluht zum Plagiat
nimmt, und mit Hilfe der Vorlagenwerke von untergeordneten
zeihnerifhen Kräften die Ideen der Künftler in entfprehenden
Verfhlehterungen, fagen wir entlehnen, um niht ein treffen
deres Wort zu gebrauhen. Das ift natürlih eine Sähe, die
Sie von Verbandswegen mit Ihrem Gewiffen zu vereinbaren
haben. Wir find überzeugt, daß Sie nah Ihrem bisherigen Vor
geben mit unteren Anfhauungen, die wir hier äußern, niht
einverftanden fein werden. Das verlangen wir auh gar niht.
Wir glauben zwar niht, daß der Fahverband in feiner Gefamt-
beit die Ausbrühe feines Vorftandes billigt, aber wir haben die
Gewißheit, daß wir mit unteren Grundfätjen in diefem Saal die
Minorität bilden. Untere Majorität fteht draußen, und die werden
Sie zu fühlen bekommen. Untere Majorität fteht bei jenen Be
trieben, die vom Geift der Neuzeit erfüllt und von ihrer wirt-
fhaftlihen, künftlerifhen und nationalen Aufgabe durhdrungen
find. Untere Majorität fteht zugleich bei den Künftlern, in denen
ficb der Genius des Volkes auf entfhloffene Weife zum Ausdruck
bringt. Untere Majorität fteht bei der großen Maffe des Volkes,
des Publikums und der Arbeiter, die nah Arbeitsveredlung
und nah Kultur verlangen. Wir find in unferem Tun von der
Überzeugung beftärkt, daß wir die Träger einer mähtigen
ethifhen Bewegung find, die in künftlerifher, wirtfhaftliher
und kultureller Beziehung nah dem verwandten Ausdruck ftrebt
und die fruhtbaren Kräfte unferer Zeit freimahen will. In
diefer Arbeit haben wir auf den bisherigen Erfahrungen mit
dem Fahverband nihts gemein. Ih bin daher ermähtigt, den
Austritt der »Münhener Werkftätten für Wohnungseinrihtung«,
fowie den Austritt der »Nympbenburger Porzellan-Manufaktur,
Dr. A. Bäuml«, zu erklären und mitzuteilen, daß alle Betriebe
und Künftler und Kunftfreunde, die in diefem Sinn mit uns
einig find, einen Verband gegründet haben, dem auh wir an
geboren und der fih die Aufgabe fet)t, niht nur die wirtfhaft»
lihen, fondern die Grundlage der wirtfhaftlihen Intereffen, die
künftlerifhen und kulturellen Intereffen im Kunftgewerbe zu
fhütyen. Wir haben kein Intereffe, daß Ihr Fahverband zu
beftehen aufhört. Im Gegenteil, es kann uns nur nü^en, wenn
Sie in Ihrer Art forttun. Wir fühlen uns gar niht berufen,
auf Sie erzieberifh zu wirken. Der Fahverband möge ruhig
fortbefteben, wir haben lediglih ein Intereffe daran, der Welt
zu zeigen, wodurh wir uns von Ihnen unterfheiden. Wenn
der Fahverband als ein Herd rückfhrittliher Tendenzen gilt,
fo ift das natürlih niht untere Shuld. Wir kämpfen niht mit
perfönlihen Gebäffigkeiten, die uns unwürdig erfheinen, fondern
wir kämpfen mit fahlihen Argumenten und mit dem Bewußt
fein, daß alle gefunden Kräfte, die vorwärts ftreben und jede
wahrhaft zeitgemäße Gefinnung mit uns einig find. Was wir
wert find und was Sie wert find, läßt fih niht mit Worten
ausfehten, das muß fih im Leben und in der Praxis zeigen,
und wir hoffen, daß wir uns in ehrlicher und grundfätjliher
Gegnerfhaft reht häufig begegnen. Ih ftelle diefe Ausführungen
niht zur Diskuffion; wir werden, da wir jede Gemeinfhaft
mit Ihnen ablebnen, fofort den Saal verlaffen.« □
NACHSCHRIFT: Es war noh eine große Zahl Redner ge
meldet, die fih vom Standpunkt des Fahverbandes zu dem
Thema äußern wollten. Ihre Ausführungen find uns unbekannt,
da die Herren Bruckmann, Dobrn und Lux, wie getagt, das
Lokal verließen und dadurh jede Diskuffion ablebnten. Es ift
vollkommen gleihgültig, was vom Fahverband zur Sähe weiter
getagt werden konnte. □
Aus Platzmangel müffen wir weitere Mitteilungen für die näh
rten Hefte refervieren, vor allem über die zahlreich wirkfamen
kulturfeindlihen Tendenzen, die einer rückbaltlofen Ent
hüllung bedürfen, fowie weiterhin nähere Mitteilungen über den
neuen kunftgewerblihen Bund, von dem in obenftebenden Reden
Andeutungen gemäht wurden. □
R. Voigtländer 3 Verlag, Leipzig □ Druck von Otto Regel, Leipzig
Für die Redaktion: Jofepb flug. Lux,
Dresden-Blafewitj, Scbubertftraße 38
□ Gefcbäftsftelle für Öfterreicb: □
Buchhandlung Carl von Hölzl, Wien 1/1, Opemgaffe 4
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