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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

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Rite Point de Flandre 
(Vorläufer der Valenciennes, Lilles, Malines ufw.) 
Rite Point de Bruges 
(zuerft werden die Blumen angefertigt und dann mit »Brides« verbunden; alles aut 
einem runden Polfter mit wenigen Klöppeln gearbeitet) 
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Von den flandtifcben Spieen übernahmen den téseau die 
points d’Rlencon, und von denen wieder die Venezianer; erft 
mit dem Rufkommen des regelmäßigen rcseaus, welches der 
Zeichnung Rückhalt und Stütje gab, konnte hieb diefe frei ent» 
falten. Es ift die befte Zeit für den Stil der Spieen. Das Orna» 
ment folgte im freien Schwung, ungehemmt durch technifcbe 
Rückfichten, den Eingebungen der Phantafie und blieb edel. 
Man fühlt noch die traditionelle Schulung und das Maßhalten; 
fpäter erft zerfplitterten fich die Ornamente, wurden erfindungs» 
arm und fparfam, was auch teilweife durch die billigere Her» 
ftellungsart, insbefondere als die Rpplikationen aufkamen, be» 
dingt war. So bat die Erfindung des réseaus einen ausfcblag» 
gebenden Einfluß auf die Zeichnung und Rrt der Spieen ge» 
nommen. Jeljt erft konnten die leichten zarten Volants gemacht 
werden. Die Spitzen individualifierten fid), oder beffer getagt, 
nationalifierten fich. Der Zeichner konnte feiner Phantafie mehr 
Spielraum geben und fand reiche Rnregung in den berrfchenden 
beimatlidien Ornamenten, fowie in der Verwendung für die 
Volkstrachten und bäus» 
lieben Gewohnheiten. 
Geograpbifcb hat aber 
anfangs Italien mit fei» 
nen Spätrenaiffanceor» 
namenten lange Zeit 
die Zeichnungen ganz 
beeinflußt, fie wurden 
aber fpäter ganz und 
gar von dem Verfailler 
Stil der aufeinander» 
folgenden drei Louis 
verdrängt, der von nun 
an, befonders in allen 
größeren Volants, zum 
Rusdrucke kommt. □ 
Man verftebt unter 
Spitjen eine Rrbeit, die 
entweder durd) Hilfe von Nadel oder Klöppel auf einem 
regelmäßigen Grunde, - réseau und treille genannt - gemacht 
ift, oder eine Arbeit ähnlicher Rrt, deren Zeichnung fich von 
einem unregelmäßigen Grunde abbebt. Letztere erfcheint da» 
durch, daß fie unabhängig von einem Grunde gemacht ift, freier, 
doch legt ihr eben diefe Freiheit mannigfad^en Zwang auf. 
Die Cbarakteriftik der Spieen müffen zum genauen Verftänd» 
nis in dem genannten Werke bei Caffirer, aus dem unfere Bei» 
fpiele ftammen, nacbgelefen werden; es ift in der Kürze diefer 
Ausführungen nicht möglich, auf Unterfcbiede einzugeben. Das 
Werk betont die große Bedeutung des tecbnifchen Verfahrens: 
die innige Verwandtfchaft der genuefifchen Klöppelfpitjen mit 
den flämifchen einerfeits und anderfeits der Mailänder zu den 
Brüffelern (Brabanter und point d’Rngleterre ufw.) in ihrer 
geteilten Rusfübrungsart ift ebenfo bemerkenswert, wie die 
Wechfelwirkung der Klöppel» und Nadelfpi^en der einzelnen 
Nationen untereinander im Stil und in der Zeichnung. Das Buch 
wird viele Freunde erwerben und durch das Buch die Spitje. 
ES GIBT ZWEIER 
LEI, WORAUF WIR 
MODERNEN MEN 
SCHEN BESONDERS 
UNSER AUGE RICH 
TEN MÜSSEN, UM 
ANGENEHME EIN 
DRÜCKE ZU EMP 
FANGEN; AUF DIE 
SCHÖNHEIT DER 
NATUR UND DIE 
SCHÖNHEITEN DER 
KUNST. □ 
WILLIAM MORRIS 
Italienifcbe Bauernfpitjen in der Rrt der Mailänder
	        
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