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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

KUNSTPOLITIK 
SÄCHSISCHE LHNDESSTELLE FÜR KUNST 
GEWERBE 
ie durch die III. Kunftgewerbeausftellung in Dresden 1906 gewönne* 
nen Erfahrungen für den Fortfcbritt in Kunft und Gewerbe nutj* 
bringend zu verwerten und insbefondere das wünfchenswerte Zufammen* 
wirken von Kunft und Handwerk, Induftrie und Handel zu fördern, 
bat ficb in Dresden, mit dem Sit) in der Kunftgewerbefcbule, eine 
SÄCHSISCHE LflNDESSTELLE FÜR KUNSTGEWERBE gebildet. Es 
wurden in den Vorftand gewählt: Dir. Prof. Loffow als Verübender, 
Stadtbaurat Erlwein als Stellvertreter, Juftizrat Dr. Bondi als Schrift* 
fübrer, Prof. Tfcbarmann als Stellvertreter, dazu in den flrbeitsausfcbuß 
Dir. Prof. Graul, Prof. Groß, Prof. Gußmann, Kommerzienrat Hallbauer, 
Prof. Tfcbarmann, Prof. Schumacher, Prof. Seyffert, Hoftifcblermeifter 
Udluft und Obermeifter Unrafch. Der flrbeitsausfcbuß wird nunmehr 
einen ausführlichen Arbeitsplan ausarbeiten; für befondere Arbeiten 
follen gegebenenfalls befondere flusfehüffe ernannt werden. □ 
Wir geben im folgenden die Leitfät)e wieder, die der flrbeitsausfcbuß 
aufgeftellt bat: □ 
Die Landesftelle ftellt ficb die Aufgabe, die bisherigen Errungen* 
febaften auf kunftgewerblicbem Gebiete zu fertigen und einer fruebt* 
baren weiteren Entwicklung möglicbft die Wege zu ebnen. □ 
Sie wird beftrebt fein, dem fäcbfifcben Kunftgewerbe den ihm gebüb* 
renden Plat) zu fiebern, zumal bei allen Gelegenheiten, wo außerhalb 
Sacbfens das Kunftgewerbe aufzutreten berufen fein wird. □ 
Innerhalb Sacbfens foll verfuebt werden, die beftebenden Unftimmig* 
keiten zwifeben Künftlern, Induftriellen, Handwerkern und Händlern 
nach Möglichkeit aufzubeben. Das ift die Vorbedingung für ein wirk* 
fames, alle Teile förderndes Zufammenarbeiten. Das Ziel ift dabei, 
fowobl beim Produzierenden, als auch beim Publikum den Sinn für 
Qualität fo zu beben, daß wirtfcbaftlicbe Intereffen und künftlerifcbe 
flnfprücbe da, wo fie es jet)t noch find, nicht mehr Gegenfät>e bleiben. 
Unter anderem ift daher in flusfiebt genommen, durch Umfragen die 
flnfiebten über Übelftände und deren möglicbfte Befeitigung einzubolen 
und das Material zu verarbeiten. a 
Die Landesftelle foll zugleich eine fluskunftsftelle für Fragen kunft* 
gewerblicher Natur fein. □ 
Durch Sonderausftellungen im Lande foll das Verftändnis und die 
Tatkraft zu wecken gefuebt werden. □ 
Die Aufnahme in die Landesftelle fet)t voraus, daß der flufzuneb* 
mende von diefer felbft aus berufen wird und daß er einftimmig auf* 
genommen werden muß. □ 
DAS BÄUEN HUF DEM LHNDE 
er Oberrbeinifcbe Bezirksverein Freiburg des Badifcben Architekten* 
und Ingenieurvereins bat nach eingebenden Beratungen foeben einen 
guten Schritt getan, das Bauen auf dem Lande in die Bahnen eines 
befferen Gefcbmackes zu leiten. Der Verein bat an fämtlicbe Gemeinde* 
rate und an die Baugewerksmeifter der Landorte Rundfehreiben gefchickt 
mit eingehender Kritik des Häßlichen, Falfcben und mit Angaben, wie 
Befferung zu fchaffen fei. In dem Schreiben an die Gemeinderäte wird 
empfohlen, die äußere Erfcbeinung der Gebäude, wie es früher fo gern 
gefebab, mit der weiteren und näheren Umgebung in Einklang und 
Harmonie zu bringen-; daraus habe ficb früher faft in jeder Landfcbaft 
eine ebarakteriftifebe Bauweife berausgebildet, die ihr befonderes Ge* 
präge gab, wie Sprache und Tracht ihren Bewohnern. Das fei anders 
geworden durch Gleichmacherei. Der Zeitgeift trage fogar die Stadt 
auf das Land, das Land in die Stadt. »Während wir in den Villen* 
vierteln der Städte das Bemühen feben, die Häufet nach Art der Land* 
bäufer zu geftalten und zu gruppieren, ihnen in Verbindung mit der 
gärtnerifchen Umgebung ein möglicbft ländliches Ausfeben zu geben, 
feben wir auf dem Lande Häufet und öffentliche Gebäude mit ftädtifebem 
Gepräge, vielftöckig, breitfpurig ficb erbeben und in Landfcbaft und Um* 
gebung fremd und ftörend dafteben.« Der Verein empfiehlt nun, Ge* 
meindebauten wieder in der beimifchen Bauweife zu errichten und die 
Bürger bei Errichtung von Privatbauten dazu zu veranlaffen, wobei 
der Verein gern mit Rat bei der Hand fein will. Den Baugewerksmeiftern 
wird u. a. empfohlen: »Das Haus erhalte böcbftens zwei Stockwerke 
mit hohem Dach, und in rauben Gegenden, etwa auf dem Schwarzwald, 
mit großen Vorfprüngen und Abwalmung. Set>en Sie freiftebende Käufer 
möglicbft mit den Giebeln nach der Hauptanficbtfeite oder gegen die 
Straße, deren Bild dadurch außerordentlich gewinnt. Das Haus um* 
ziehende Lauben, durch ein vorfpringendes Dach gedeckt, find fowobl 
febön als auch den Bewohnern zu den verfebiedenften Zeiten äußerft 
bequem. Sueben Sie dabin zu wirken, daß da oder dort in der Um* 
gebung des Kaufes feböne Bäume gepflanzt werden: Linden, flbom, 
Nadelhölzer oder hochragende Pappeln. Für Gärten wird die lebende 
Hecke empfohlen. Die Hauswände können belebt werden durch Latten* 
fpaliere und Scblinggewäcbfe; es werde Gelegenheit zur flufftellung 
blühender Gewäcbfe an Fenftern und Altanen geboten. Die Blumen* 
gitter und auch die Geländer an Gängen und Altanen ftelle man nicht 
aus dünnen Eifenftäbchen her, die febon aus geringer Entfernung kaum 
noch recht fichtbar find, fondern man verwende dafür Holz und gebe 
diefem einen freundlichen, hellen flnftricb. Die verpusten flußenmauem 
laffe man naturfarben oder tünche fie einfach weiß; dagegen gebe man 
den Türen, Fenftern und Fenfterläden, welch let)tere das ländliche Haus 
ganz befonders zieren und nicht fehlen feilten, einen lebhaften Farbton. 
Gartenbäufer ftelle man nicht aus Laubfägewerk und mit nach allen 
Seiten offenen Wänden her, fondern gebe ihnen ruhige, gefcbloffene 
Formen, fo daß man auch bei Wind, kühler Witterung und Regen in 
ihnen Schul) findet. Man gebe ihnen einen zur Umgebung paffenden 
flnftricb und vermeide die Eindeckung mit Dachpappe.« □ 
NEUERUNGEN IM HUSSTELLUNGSWESEN 
E inen wichtigen Fortfcbritt im Ausftellungswefen bedeutet eine Maß» 
nähme des Verbandes deutfeber Kunftgewerbevereine. Der Verband, 
der feit 17 Jahren beftebt und mehr als 17600 Mitglieder umfaßt, bat 
ficb in feiner lebten Tagung einftimmig dabin geäußert: Das deutfebe 
Kunftgewerbe ift im Zufammenwirken von Handwerk, Induftrie und 
Künftlerfcbaft fo erftarkt, daß auf kunftgewerblicben und ähnlichen 
Facbausftellungen von einer Preisverteilung abgefehen werden 
kann. Die flusftellungen follen ficb fo geftalten, daß dem flusfteller 
die Zulaffung feiner Arbeiten an ficb eine Auszeichnung ift. Diefen 
Befcbluß hat der Verband allen deutfeben Bundesregierungen unter» 
breitet. Es fteht zu hoffen, daß bereits der kommende Winter die 
praktifebe Durchführung diefes Befcbluffes zeigen wird. □ 
KÜNSTLER-HTELIER-WOHNHHUS- 
BHUGENOSSENSCHHFT MÜNCHEN 
er Architekt GOTTLIEB MÖSTEL, MÜNCHEN »GERN, verfendet 
einen Profpekt, der die Ziele diefer neuen Baugenoffenfcbaft darftellt. 
Es foll nördlich von Schwabing ein flteliergebäude mit einzelnen 
Zimmern (famt modernem Zubehör) errichtet und zu tunlicbft billigem 
Sat)e an jüngere Künftler vermietet werden. Die Haupttätigkeit der 
Genoffenfcbaft wäre aber die Errichtung von behaglichen Einfamilien* 
häufem mit zu ernfter Arbeit brauchbarem Atelier. Im Aufbau, in der 
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