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MAK

Full text : Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

Bebauungsplan

„GARTENSTaDT  HELbERGU”
DER  DEUTSCHEN  WERKSTHT*
TEN  FÜR  HANDWERKSKUNST.

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FABRIK  1 ~|
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da  der  Raum,  der  Träger  des  Lebens,  nicht  felbft  lebendig  werden ­
  darf.  Farbig  und  vielgeftaltig,  fo  daß  der  Fremdling  wohl
eine  Stunde  mit  der  Betrachtung  der  feft  mit  dem  Saal  verbundenen ­
  Kunftwerke  befchäftigt  wäre;  aber  nicht  fo  farbig  und
vielgeftaltig,  daß  nicht  felbftändige  Kunftwerke  des  Malers  oder
Bildhauers  mit  voller  Wirkung  darin  vorübergehend  ausgeftellt
werden  könnten.  Ganz  überfichtlid)  im  Raum,  nur  mit  einem
Podium  für  Mufiker  und  die  Orgel,  aber  doch  nicht  ohne  den
Reiz  von  wechfelnden  ftarken  Lichtern  und  Dämmerungen.  So
denke  ich  mir  den  Saal,  der  etwa  taufend  Menfchen  Plat}  bieten
könnte.  Wenn  nun  dazu  die  nötigen  Nebenzimmer  für  die  Vor,
bereitungen  eingerichtet  würden,  fo  könnte  man  fid>  eigentlich
begnügen,  denn  je  fcblicbter  das  Programm  dem  Hrchitekten
gegeben  wird,  defto  näher  ift  er  von  vornherein  dem  Monumentalen. ­
  Aber  fo  fcblicht  und  durchfichtig  wie  ehedem,  werden
wir  unter  Leben  ohne  weiteres  nicht  wiedergeftalten  können,
und  fo  muß  auch  mein  Programm  fich  eine  Erweiterung  gefallen
laffen,  um  dem  Leben  von  beute  nabe  zu  kommen;  ein  zweiter
kleinerer  Saal  wird  im  Gegenfat)  zu  dem  großen,  der  allein  den
Künften  gewidmet  ift,  den  Bedürfniffen  des  Intellektes  nacbgeben,
ein  Vortragsfaal  felbftverftändlicb  mit  Lichtbildeinrichtung.  Weiter
das  Programm  auszudebnen,  wird  jeweils  das  örtliche  Bedürfnis
mit  ficb  bringen  oder  entbehren  laffen.  -  Für  die  äußere  Architektur ­
  würde  ich  keinen  Pfennig  hergeben,  der  im  Innern  noch
zur  Vollendung  verwendet  werden  kann.  □
Das  wäre  atfo  ungefähr  das  Jenenfer  Volksbaus  oder  eine
ähnliche  volksfreundliche  Veranftaltung  in  London,  Wien  oder

anderswo?  Gewiß,  mancher  von  meinen  Wünfcben  ift  dort  erfüllt. ­
  Wefentliches  aber  ift  doch  verfcbieden,  ganz  befonders  in
der  Art  des  Betriebes.  Die  Verwendung  des  Kaufes,  das  Leben
im  Raum  muß  natürlich  die  Hauptfache  werden,  und  das  dürfte
nicht  dem  Zufall  oder  der  Mode  überlaffen  bleiben.  Für  die
Regie  fordere  ich  noch  mehr  Kunft  als  für  den  Bau.  □
In  Andeutungen  das  Jabresprogramm,  das  eben  aus  der  Jahreszeit ­
  und  ihren  Naturftimmungen  den  Leitfaden  nehmen  muß!
Die  Wiedergeburt  des  Lichtes  beim  Jahresanfang,  erft  mit  inniger
kindlich-ahnender  Freude  begrüßt  —  Weihnachtsoratorien,  Krippenfpiele,
  Kinderfefte;  dann  mit  immer  ausgelaffenerem  Jubel
gefeiert,  in  dem  die  Freude  ficb  faft  felbft  als  Zweck  betrachtet
und  uns  über  die  lange  Wartezeit  wegtäufcht  —  (Februar,  März)
freie  Bühne,  Kunfttanz,  Marionetten.  Als  ftarker  Gegenfatj  die"
füße,  fcblaffe  Trauer  des  Vorfrühlings  (Karzeit)  -  ernftefte  Mufik,
regelmäßige  Orgelkonzerte  an  den  Nachmittagen,  kurze  Ausftellung
  großer  Kunftwerke,  und  dann  die  Erlöfung,  die  Auferftebung
  aus  engen  Banden.  Mit  dem  Frühling  im  Wald  und
Feld  zu  wetteifern,  hätte  wenig  Sinn;  deshalb  fchließt  jetjt  die
Reibe  der  befonderen  Darbietungen  mit  einem  Feft  großen
künftlerifcben  Stils,  in  dem  die  Poefie  Gedanken  und  Wort,  die
bildende  Kunft  und  die  Mimik  Farbe  und  Form  gibt  und  die
Mufik  die  Seele  tönen  läßt.  □
Eine  wefentlich  andere  Eigenart  bat  die  zweite  Hälfte  des
Jahres.  Solange  der  Menfcb  in  feinen  Städten  fülle  faß,  galt’s
im  Volkshaufe  zu  wecbfeln.  Jetjt  wandert  der  Menfcb  und  dort
kann  Stetigkeit  einzieben.  Deshalb  wird  man  in  den  Monaten

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