Bebauungsplan
„GARTENSTaDT HELbERGU”
DER DEUTSCHEN WERKSTHT*
TEN FÜR HANDWERKSKUNST.
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da der Raum, der Träger des Lebens, nicht felbft lebendig werden
darf. Farbig und vielgeftaltig, fo daß der Fremdling wohl
eine Stunde mit der Betrachtung der feft mit dem Saal verbundenen
Kunftwerke befchäftigt wäre; aber nicht fo farbig und
vielgeftaltig, daß nicht felbftändige Kunftwerke des Malers oder
Bildhauers mit voller Wirkung darin vorübergehend ausgeftellt
werden könnten. Ganz überfichtlid) im Raum, nur mit einem
Podium für Mufiker und die Orgel, aber doch nicht ohne den
Reiz von wechfelnden ftarken Lichtern und Dämmerungen. So
denke ich mir den Saal, der etwa taufend Menfchen Plat} bieten
könnte. Wenn nun dazu die nötigen Nebenzimmer für die Vor,
bereitungen eingerichtet würden, fo könnte man fid> eigentlich
begnügen, denn je fcblicbter das Programm dem Hrchitekten
gegeben wird, defto näher ift er von vornherein dem Monumentalen.
Aber fo fcblicht und durchfichtig wie ehedem, werden
wir unter Leben ohne weiteres nicht wiedergeftalten können,
und fo muß auch mein Programm fich eine Erweiterung gefallen
laffen, um dem Leben von beute nabe zu kommen; ein zweiter
kleinerer Saal wird im Gegenfat) zu dem großen, der allein den
Künften gewidmet ift, den Bedürfniffen des Intellektes nacbgeben,
ein Vortragsfaal felbftverftändlicb mit Lichtbildeinrichtung. Weiter
das Programm auszudebnen, wird jeweils das örtliche Bedürfnis
mit ficb bringen oder entbehren laffen. - Für die äußere Architektur
würde ich keinen Pfennig hergeben, der im Innern noch
zur Vollendung verwendet werden kann. □
Das wäre atfo ungefähr das Jenenfer Volksbaus oder eine
ähnliche volksfreundliche Veranftaltung in London, Wien oder
anderswo? Gewiß, mancher von meinen Wünfcben ift dort erfüllt.
Wefentliches aber ift doch verfcbieden, ganz befonders in
der Art des Betriebes. Die Verwendung des Kaufes, das Leben
im Raum muß natürlich die Hauptfache werden, und das dürfte
nicht dem Zufall oder der Mode überlaffen bleiben. Für die
Regie fordere ich noch mehr Kunft als für den Bau. □
In Andeutungen das Jabresprogramm, das eben aus der Jahreszeit
und ihren Naturftimmungen den Leitfaden nehmen muß!
Die Wiedergeburt des Lichtes beim Jahresanfang, erft mit inniger
kindlich-ahnender Freude begrüßt — Weihnachtsoratorien, Krippenfpiele,
Kinderfefte; dann mit immer ausgelaffenerem Jubel
gefeiert, in dem die Freude ficb faft felbft als Zweck betrachtet
und uns über die lange Wartezeit wegtäufcht — (Februar, März)
freie Bühne, Kunfttanz, Marionetten. Als ftarker Gegenfatj die"
füße, fcblaffe Trauer des Vorfrühlings (Karzeit) - ernftefte Mufik,
regelmäßige Orgelkonzerte an den Nachmittagen, kurze Ausftellung
großer Kunftwerke, und dann die Erlöfung, die Auferftebung
aus engen Banden. Mit dem Frühling im Wald und
Feld zu wetteifern, hätte wenig Sinn; deshalb fchließt jetjt die
Reibe der befonderen Darbietungen mit einem Feft großen
künftlerifcben Stils, in dem die Poefie Gedanken und Wort, die
bildende Kunft und die Mimik Farbe und Form gibt und die
Mufik die Seele tönen läßt. □
Eine wefentlich andere Eigenart bat die zweite Hälfte des
Jahres. Solange der Menfcb in feinen Städten fülle faß, galt’s
im Volkshaufe zu wecbfeln. Jetjt wandert der Menfcb und dort
kann Stetigkeit einzieben. Deshalb wird man in den Monaten
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