HEIMHTSCHUTZ
Vergangenheit an, die
KunftdesScbnit)ens,Gold=
fchmiedearbeitundKunft»
fchmiedearbeiten find
eine Legende geworden,
nur Flechter, bäuerliche
Spielzeugmacher, Schacfv
telmadber ringen noch
in einem ausfichtslofen
Kampfe. Diefe Gewerbe
bildeten einft die Quelle
eines, wenn auch befchei*
denen, aber immerhin
auskömmlichen Volks-
wohlftandes; fie können
wieder dahin gebracht
werden, wenn fie neues
künftlerifches Leben emp
fangen, das ihnen ange»
meffen ift. Der Heimat-
fchut} kann vieles bewir
ken; er kann Nachfor-
fchungen nach den gewe-
fenen und im Sterben
liegenden Kunfthandwer-
ken anftellen, durch
Hufklärungen in Wort
und Schrift belebend und
anregend wirken, Komitees bilden, in denen ihsbefondere
Frauen wirken, zum Zwecke der lokalen Wiederaufnahme boden-
ftändiger Gewerbe, geeignete Künftler heranziehen, die im Geifte
des Handwerks und unferer Zeit das Handwerk mit neuer Kraft
erfüllen, Befteller und Abnehmer erziehen, die befähigt find, diefe
Hrbeiten zu fchätjen und zu verwenden, in fernerer Zeit auch
Niederlagen, Verkaufsftellen und gelegentliche Husftellungen in
den Städten errichten und auf diefe Weife Handwerker, Künftler
und Publikum wieder zufammenbringen, wie es in den Zeiten
der Kultur gewefen ift und
fein wird, wenn wir Kultur
haben wollen. Es ift nicht
zu verkennen, daß die Hrbeit
umfangreich, vielfeitig und
fchwierig ift, daß fie Begei-
fterung und Opferfreudig
keit fordert; aber es ift auch
zweifellos, daß die Hrbeit
getan werden muß, was es
auch koften mag. Es foll
nicht unerwähnt bleiben,
daß im einzelnen Verfuche
diefer Hrt mit teils fdbönem
Erfolg unternommen wor
den find, vor allem vom Bay-
rifchen Verein für Volks-
kunft und Volkskunde und
vom Sächfifchen Verein für
Heimatfcbut), der feinen Sit)
in Dresden bat. □
WINTERFELDT’
DENKMAL,
ALT UND NEU
V
W ■
Das alte Winterfeldt-Denkmal vor 70 Jahren
or 70 Jahren ift
dem General VON
WINTERFELDT
am Jäckelsberge bei Moys,
im Kreife Görlit), an der
Stelle, wo ihn am 7. Sep
tember 1757 die tötliche
Kugel traf, ein Denkftein
gefegt worden. Im vori
gen Monat bat der Feld
herr des großen Königs
an diefem Schlachtort ein
neues Denkmal erhalten.
Wir bringen das alte und
das neue Denkmal des
Vergleiches halber in den
nebenftebenden zwei Hn>
flehten. Zwei Kultur
epochen treten einander
in diefen beiden Denk
mälern mit einer Schroff
heit entgegen, wie fie
nicbtfcbärfergedacbtwer-
den kann. Es bedarf
kaum eines Kommentars. Das alte Denkmal ift gewiß kein
bedeutendes Kunftwerk. Ein einfacher Stein auf einem breiten
Treppenfockei in der klaffiziftifeben Form, wie es die Zeit vor
70 Jahren liebte. Es ift der Durcbfchnittsgefcbmack von damals.
Hber trotzdem ift das Bild anmutig und edel, von ungefuebtem,
künftlerifcbem Empfinden beberrfcht, ergreifend in feiner Ein
fachheit und lieblich anzufeben mit den zwei flankierenden
Bäumen, die, wenn man fo fagen will, eine geradezu architek-
tonifebe Funktion erfüllen. Huch das neue Denkmal verkör
pert einen Durchfchnittsge-
fcbmack, aber den von beute.
Eine Hnbäufung von klein
lich wirkenden gekünftelten
Zutaten, die unmonumental
und kläglich wirken. Wie
tief das künftlerifcbe Emp
finden und der gute Ge-
fcbmack im allgemeinen her
untergekommen find, läßt
ficb nicht beffer kennzeich
nen, als durch die Gegen-
überftellung der alten und
der neuen Denkmalsform.
Das Winterfeldt-Denkmal, enthüllt im September 1907
R. Voigtländcrs Verlag, Leipzig
Druck von Otto Regel, Leipzig
□ Für die Redaktion: □
Jofeph Aug. Lux, Dresden-Blafewitj
□ Gefcbäftsftelle für Öfterreicb: □
Buchhandlung Carl von Hölzl, Wien 1/1,
□ Opemgaffe 2 □
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