Schattierungen, von der warm getönten Färbung der Hiebe bis
zu lachsrot, und von der Tönung eines Champignons bis zu der
eines alten Ziegels rofa genannt werden. Man könnte hierfür
dreißig Schattierungen bereit halten, diefe Zahl noch multipli
zieren, und das alles würde rofa genannt werden müffen; in
manchem Raum, bei manchem Gegenftand oder bei mancher
Blume von roter Farbe würden jedoch nur wenige diefer Ab
tönungen barmonifcb wirken, andere würden furchtbar ftörend
erfcheinen und die übrigen würden überhaupt in keinem Ver
hältnis dazu ftehen. □
Wenn die Wände und meiften Möbel des Raumes z. B. vor-
herrfchend blau find, werden alle hellgelben, warm getönten
weißen und cremefarbigen Blumen gut wirken, fo gelbe Stock-
rofen, Iris flavescens, Primeln, Spiracen, gefüllte Spierftauden
und alles gelbgrüne Laub, wie Mais und Funkia. □
Wenn der Raum hellgelbe oder elfenbeinweiße Wände bat,
müßten die Blüten im Gegenteil blau fein und man follte hellen
und dunklen Ritterfporn, mit Ausnahme der purpurfarbenen
Arten, Clematis Flammula und Schalen mit Vergißmeinnicht
wählen. In einem weißgetönten Raum wirken alle Blumen gut,
wenn immer nur eine Farbenfkata zugleich verwendet wird.
Das foll nicht beißen, daß Farben gar nicht gemengt werden
follten, doch ift es beffer, vorerft mit einer begrenzten Farbe
zu beginnen. Wenn in einem weißen oder in der Farbe neu
tralen Raum verfchiedenfarbige Blumen verwendet werden feilen,
müßte man die Farben ebenfo wie in bezug auf den Raum
zufammenftimmen, fo blaue und hellgelbe oder weiße Blumen
und blaßgrünes Laub. □
In einem roten Raum fehen fcbarlacbrote und gelbe Blumen
gut aus, fo Gladiolus, Tritoma, Sonnenblumen, fcbarlacbrote und
gelbe Dahlien; diefe Blumen wirken auch in einem weißen Raum
gut. Doch felbft in Räumen mit weißgetünchten Wänden müffen
die Blumenarrangements oft ganz verfchieden fein. So nehmen
fich z. B. in einem Wohnzimmer mit krapproten Vorhängen und
dunkel orangefarbig überzogenen Möbeln folcbe Blumen gut aus,
die die Farben der Einrichtung wiederholen, wie die gefüllte
orangefarbige Feuerlilie oder Lilium croceum, und überdies
einige Schalen mit purpurroten Blumen, und zwar an die
weiße Wand geftellt. n
Die Blumen fehen in verfebiedenen Räumen ganz verändert
aus, fo erfcheint eine Blume in einem füdlicb gelegenen, fonnen-
durcbleucbteten Raum ganz anders, als in einem dem Norden
zugewandten, in dem die Beleuchtung durch den blauen Himmel
beftimmt war. D
Man darf auch nicht vergeffen, wie febr die Farbe der Blumen
durch künftliches Licht verändert wird. Manchmal läßt elektrifcbes
die Farben ebenfo wie bei Tageslicht erfcheinen, bei jeder an
deren künftlichen Beleuchtung ift es aber am beften, bauptfäcblicb
weiße, rote und gelbe Blumen zu verwenden. Blaue Blumen
und Veilchen erfcheinen dunkel und farblos; Blaßblau verliert
die Reinheit der Farbe und Purpurrot fieht wie ein ftumpfes
Rot aus. Bei allen Nuancen von Mauve und Lila wird die Wärme
des Farbentones erhöbt, fo find lichte Herbftmargueritten febr
gut verwendbar. Hellgrünes Laub, wie die Blätter der Funkia
grandiflora und der Maiglöckchen erfcheinen bei gelblichem Licht
noch heller, während alles Rote und Gelbe intenfiver in der
Farbe erfebeint. 0
Wenn der Sommer fortfehreitet und alles fich üppiger ent
faltet, werden die Blumenarrangements kühner. Teerofen und
wilde Rofen werden drei bis vier Fuß lang abgefchnitten. Die
Eryngiums find auch febr gut verwendbar, die bläulichen
E. oliverianum laffen fich auch febr bübfcb mit weißen Wicken
gruppieren und die filbrigen E. giganteum können febr gut
trocken aufgehoben werden und verlieren im Laufe vieler Monate
nur wenig von ihrer Form und ihrem Glanz. □
Im Frühjahre ift es oft febwer, Laub für die Blumenfträuße
zu finden. Im März ift der wilde Arum, der fo üppig in den
Hecken wäcbft, zu diefem Zwecke fehr brauchbar, er nimmt fich
mit Märzbechern febr gut aus. Die gelben Narziffen feben mit
belaubten Birkenzweigen gruppiert, die gerade zu gleicher Zeit
zu haben find, fehr gut aus; noch fpäter, Ende April und Anfang
Mai, laffen fich weiße Narziffen fehr hübfeh mit Heckenrofen-
zweigen binden. □
Viele Mai- und Juniblumen, fo der Flieder, Schneeballen,
Rhododendron und Pfingftrofen haben genügend eigenes Laub
und von da ab bat man eine reiche Auswahl. Für den Herbft
ift es gut, ein wenig von dem Mais ähnlichen Zuckerrohr oder
Hirfegras zu ziehen. Man febneidet den Stamm weg und grup
piert die Zweige mit Gladiolus oder fchlingt fie um die weißen
Blütenbüfchel der fpät blühenden Clematis Flammula im Sep
tember oder der noch fchöneren C. paniculata im Oktober. □
Und welch einen Reichtum von febön gefärbtem Laub gibt
es im Herbft, fowobl im Garten als im Wald: Wein, wilder Wein
und Bluteichen, gelbe Birken, rötliche Heckenrofen- und Schnee-
ballenzweige, die mit Beeren behängt find. Rofa lucida, die für
Gruppen und Büfcbe am geeignetften ift, leuchtet im Spätberbft
mit ihrem roten und gelben Laub und den reichlichen Büfcbeln
ihrer fcbarlacbroten, reifen Frucht. □
Man kann felbft mitten im Winter aus grünem Laub ohne
Blumen Sträuße machen, die fich als Zimmerfcbmuck gut aus-
nehmen, denn man findet da noch immer grünen Efeu, Hirfcb-
zunge und Farnwedel; Eichenzweige find auch im Frübfommer
gut verwendbar, fie haben im Mai und Juni kleine, ftark ge
wellte, goldgrüne Blätter, und im Spätfommer gibt es für in
Schalen geordnete Teerofen kein feböneres Laub als die pracht
voll karminroten oder roftbraunen Eichenzweige. □
Herbftzweig
in Vafe
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