| VOLKSKUNST UND HElMflTSCHUTZ
WIE DHS VOLK PLASTISCHE KUNST HÜTETE
eiligenfiguren waren die einzigen plaftifcben Denkmäler,
die das Volk im Freien aufftellte. Schlichte Weihebezirke,
die als folche durch die Anlage ausgezeichnet waren. Wie
primitiv fie fein mochte, fie war dennoch von einer inftinktiven
Erkenntnis räumlicher Wirkungen geleitet. Man wird bemerken,
daß die Figur niemals zu hoch ftand. Sie war weder dem Hand»
noch dem Augenbereich entrückt und ftand zu dem Betrachter
fowie zu der räumlichen Umgebung in gefühlten Verhältniffen.
Die Bäume, die in der Regel den etwas erhöhten Fiat} umftehen,
gewinnen die Bedeutung von Architekturwerten. Sie ftehen im
Viereck um die erhöhte Plaftik, und die Laubkronen fcbließen
darüber baldachinartig zufammen. So erhalten diefe Denkmäler
der Frömmigkeit eine räumliche Gefchloffenheit, ungeachtet, daß
fie im Freien ftehen. Die intime Stimmung des volkstümlichen
Kunftwerkes wird innerhalb der räumlichen Begrenzung zum
vollkommenen Ausklingen gebracht. Eine Gefüblsmacht, die
künftlerifcb von hohem Wert ift und nur in einer fehr banalen
Zeit unverftanden bleibt, wie die finnlofe Aufteilung eines Hy»
dranten und einer Wafferleitung in dem obigen Bilde zeigt.
Derartige Beifpiele des blinden Unverftandes kann man häufig
beobachten. Es ift fehr zu wünfchen, daß die Anregung weiter»
gegeben wird, um dafür zu forgen, daß ähnliche Beifpiele volks»
tümlicher Kunft, die noch fehr häufig verkommen, vor Schaden
und Verunftaltung bewahrt bleiben. Es gehört dazu, daß nicht
nur das Denkmal mit den umftehenden Bäumen, fondern auch
die weitere Umgebung des Planes mit feinem urfprünglicben
Raumausmaß und Hauswandungen erhalten bleibt, denn ur»
fprünglicb waren alle diefe Elemente nach einem Einheitsver»
hältnis zu einem wohlübereinftimmenden Ganzen gebracht. Das
andere Beifpiel zeigt eine ebenfalls eigenartige und reizvolle
Löfung. Die plaftifcbe Gruppe ftebt vor einer natürlichen Wand
dichter Laubkronen, der kleine Plaij um die Plaftik ift im Viereck
mit einem weißgeftrichenen Zaun umgeben und als Blumen»
gärtchen ausgeftaltet. Die ganze moderne Denkmalsplaftik mit
ihren Granitfockein, Bronzefiguren und Marmorbedcen bat nicht
ein Werk hervorgebracht, das fich künftlerifcb mit diefen be»
febeidenen Werken meffen kann. Kein Aufwand an Mitteln kann
dafür einen Erfa^ bieten, wenn der Geift fehlt, der an diefen
lächerlich einfachen Dingen tätig ift. □
DEUTSCHER HEIMATSCHUTZ
s ift nun wirklich febon dringend notwendig, daß wir uns
mit dem »Heimatfcbu^« befaffen, der überall ganz leicht zu
organifieren ift. Es wohnen doch fo viele gebildete Menfcben
auf dem Lande: Geiftlicbe, Lehrer, Ärzte, Apotheker, Gutsbe»
fitzer, eine Unzahl Naturfreunde, Touriften ufw. geben ins
Freie, deren Obforge es fein könnte, das Beftebende vor dem
Vandalismus des Unverftandes zu fchü^en, alle Einzelheiten
zu zeichnen und zu malen, - es wird ja fo viel gezeichnet und
gemalt, daß ziemlich überflüffig ift kleine Ortsmufeen anzulegen,
die der Dorfjugend und den anderen Einwohnern die Beifpiele
der Kunftgefchicklichkeit ihrer Vorfahren vor Augen halten, wo»
bei die erwähnten Werke als Berater und Führer gute Dienfte
leiften können, um folcberart die Erhaltung der Tradition und
die Stärkung des Heimatsgefübls zu erzielen. Tradition und
Heimatsgefübl müffen den ftarken Wall bilden, der gegen unge»
funde Stadtfucht und großftädtifebe Baufpekulation aufzurichten
ift. Die Stadt hat das alles verfcbuldet, das ift wahr, aber fcbließ»
lieh ift es wieder die Stadt, die fich für die Bauernkunft einfe^t.
Denn auch fie bat ein großes Intereffe daran, daß das Land feine
Eigenart und urfprünglicbe Schönheit, feine Kultur und feine
produktive Kraft, feine Hauskunft und Hausinduftrie bewahre,
und daß der wertvolle Beftand organifcher Formen erhalten
bleibe, die gerade für den fehöpferifeben Künftler, der fich in
feinen Leiftungen um diefen organifchen Ausdruck als der böcbften
Zweckmäßigkeit bemüht, eine wahre Offenbarung find. Eine
folche Offenbarung find aber auch die anderen volkstümlichen,
nicht bäuerlichen Denkmäler, die wir in diefen Blättern bringen
werden, auf zwanglofe Art zufammengeftellt, wie fie etwa auf
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