MAK

Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

P. H. BERLAGE 
HMSTERDHM: PARK WYCK, HAUS L. SIMONS 
IN HMSTERDHM, ERBHUT 1900 
D as Haus bedeckt 170 qm von den 680 qm des Grundftückes. 
Da es vor einem Parke liegt, wurden Küche und Wafcb= 
küche in einen eingefcboffigen Anbau an die Straße ge= 
legt. Huch ein kleines Sprechzimmer liegt gleich vorn am Eim 
gange. Um eine Diele find dann im Erdgefchoß: Salon, Herren^ 
und Speifezimmer, im Obergefchoß: 4 Schlafzimmer und 2 Bäder 
gruppiert. Praktifch ift die Lage der Küche zum Eingang, zum 
Speifezimmer und zur Kellertreppe. Das Haus ift in gefugtem 
Rohbau (kein Verblenden!) errichtet und mit Ziegeln gedeckt. 
Alles äußere Holzwerk und die Dachrinnen find weiß geftrichen 
und mit Ornamenten in Grün und Rot gefchmückt. Die Erd= 
gefchoßzimmer haben Decken von Föbrenbolz, das Holzwerk 
der Diele ift Carolina Pine, geölt. Die oberen Zimmerdecken 
haben etwas Stuckverzierung. Alle Wände find gepult, im Salon 
und Speifezimmer mit Tapeten behängt, Gasbeleuchtung und 
Kachelöfen. Bemerkenswert ift die konftruktive Durchbildung 
und deren Benutjung zu dekorativen Zwecken. Das Haus koftete 
etwa 42000 Mark, d. i. ca. 247 Mark für den Quadratmeter be= 
bauter Fläche, 24,5 Mark für den Kubikmeter unbebauten Raumes. 
C. J. n. VOYSEY 
LONDON W.: LHNDHHUS MOOR CRHG, 
WINDERMERE IM NÖRDLICHEN ENGLAND 
as Haus liegt auf fteilem Hügel über dem See, mit Aus 
ficht auf die umgebenden Berge. In einfachen Maffen ift 
es äußerlich klar und ftraff aufgebaut. Das große, mit 
grünem Schiefer gedeckte Dach zeigt keine Dachfenfter, fondern 
außer den Giebeln nur zwei kleine Ausbauten. So ift es nach 
Möglichkeit gefchloffen. Gleichwohl zeigt der obere Grundriß 
gut beleuchtete Räume. Die Wände haben rauhen Zementpu^ 
erhalten, die in eifernen Teilungen verfehenen Fenfter find mit 
Gewänden von grünem Schiefer eingefaßt. Die Fenfter find fehr 
mannigfaltig, ganz nach Bedürfnis angeordnet und geftaltet. 
Dies gibt dem Haufe etwas Klares und Wohnliches, und man fühlt 
fchon von außen, wie freundlich es im Innern fich leben mag. 
Auf diefe Fenfterverteilung verwendet der englifche Ardütekt 
ftets große Sorgfalt und erreicht damit, daß die Häufer fehr gut 
ausfehen und fehr praktifch zu bewohnen find. Er hat dabei 
den Vorteil, daß fein Bauherr nicht an ein beftimmtes Fenfter- 
fchema und eine beftimmte Soblbankböbe gewöhnt ift, durd^ 
welche Schablone bei uns fo viel Gutes verhindert wird. Der 
Grundriß zeigt zwei aneinandergebaute und in jedem Gefcboffe 
durch eine Öffnung verbundene Häufer, von denen das größere 
der Herrfchaft im Erdgefchoß zum Wohnen, im Dachgefchoß zum 
Schlafen dient; das kleinere birgt im Erdgefchoß den englifchen 
Hnfprüchen gemäß geräumig untergebrachten Wirtfchaftsbetrieb, 
oben find etwa die Räume für Gäfte und der Putjraum für 
Kleider (bousemaids closet). Die Gefamtform des Grundriffes ift 
fehr einfach, nur die drei herausfpringenden Erker beleben fie. 
Jedes Haus bat feine Treppe. Man beachte die bei mäßiger 
Gefcboßböbe (unter 3 Meter) recht ftattlicben Abmeffungen der 
Halle. Die Anordnung der Erker und des großen Kamins wird 
aber keinen gedrückten Eindruck aufkommen laffen. Groß ift 
auch die Küche; mit den zugebörenden Nebenräumen: Vorrats 
kammer (pantry), Leutefcblafraum (servants bedroom), Aufwafcb 
(scullery), Wafchkücbe und Koblenraum, der Fleifcbkammer 
(larder), dem Putjraum für Schube und Meffer (boots und 
knives), endlich dem Getränkeraum (wine), neben der Wafcb- 
gelegenbeit (lavatory) am Eingänge beanfprucbt der Wirtfchafts 
betrieb eines englifchen Haufes von 100000 Mark Baukoften gut die 
Hälfte des Erdgefchoffes, während drei Räume, wovon einer das 
Arbeitszimmer ift, den täglichen Wohn- und dem doch in England 
entwickelten Gefelligkeitsbedürfniffe genügen. Alle Räume des 
Haufes werden durch Kamine erwärmt, auf welche unrationelle 
Heizmetbode der Engländer angewiefen bleibt, weil fie den 
regften Luftwecbfel bervorruft. Die Erdgefcboßräume haben 
1,80 Meter hohe, eichene Wandpaneele, darüber weiße, angetragene 
Stuckdekoration. Eichenholz ift auch zur Treppe und am Äußeren 
verwendet. Es ift überall naturfarben und auch unlackiert ge 
blieben. Das Haus wurde 1898 gebaut, koftete bei 
375 qm bebauter Fläche (10 Zimmer, Küche und 
ausgedehnte Nebenräume) rund 100000 Mark, alfo 
267 Mark für ein Quadratmeter bebauter Fläche. 
Beide Beifpiele nach Berlage und Voysey, die hier 
zum Abdruck gelangen, find in dem kürzlich im Ver 
lag von J. J. Weber, Leipzig, erfcbienenen Buch »Das 
Einzelwohnbaus der Neuzeit« berausgegeben von 
Haenel und Tfcharmann zu finden. Das Buch ent» 
fpricht einem Bedürfnis der heutigen Zeit; man will 
fich über das Neufcbaflren auf dem Gebiet des Einzel« 
wobnhaufes orientieren und das Befte kennen lernen, 
alfo ift eine gute reichhaltige Bilderfammlung mit 
knappen, fachlichen Notizen und wohlfeil, wie diefe, 
willkommen zu beißen. Sie dienen einem wichtigen 
Zweck, nämlich der Popularifierung d?r bürgerlidien 
Baukunft. D 
37
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.