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Full text: Hohe Warte - Illustrierte Halbmonatsschrift zur Pflege der künstlerischen Bildung und der städtischen Kultur, 3. Jahrgang 1906/07

VOLKSKUNST UND HEIMFITSCHUTZ 
lawmiMIHÜHM MIWHJBJmU——MlfBSKETfll I— 
Hltfteirifcbe Wobnräume 
Wirtsftube, 1577 
flltfteirifcbe Wobnräume 
Neumatkter Zimmer, 1607 
diefe Bauten nicht unwefentlich billiger berzuftelten gewefen 
find, als die bisherigen Eindringlinge im ftädtifcben Gewände, 
und es fteht dann zu hoffen, daß die Bewohner der ländlichen 
Ortfchaften felbft den Wunfch haben werden, die Bauweife ihrer 
Vorfahren weiter gepflegt und gefördert zu fehen. □ 
HLTSTEIRISCHE WOHNRftUME 
ach manchen Vorbereitungen erfchien zu Neujahr die 
endgültige Publikation der altsteirifcben Wobnräume, ber= 
ausgegeben von Profeffor Karl Lacher, im Verlage 
K. Hierfemann = Leipzig; auf 32 Foliotafeln in Lichtdruck, 
bergeftellt nach Aufnahmen des Ateliers »Sophie« in Graz 
durch die Firma Röder in Leipzig, find die früher aufge» 
zählten Räume in verfchiedenen Gefamt= und Detailanficbten 
ausgezeichnet wiedergegeben, technifche Deutlichkeit mit malerh 
fcber Wirkung verbindend; der Text fcbildert die früher hervor« 
gehobenen Aufftellungsprinzipien und befcbreibt die einzelnen 
Bilder knapp nach tecbnifcben und biftorifchen Gefichtspunkten, 
das Gefamtrefultat nach feiner kulturellen und pädagogifchen 
Bedeutung. Lacher bat durch diefe Arbeit feine bisherigen 
Veröffentlichungen ergänzt und uns Hoffnungen auf weitere 
Publikationen aus dem Mufeum gemacht, ohne auf Einzelheiten 
eänzugehen — die find von kompetenterer Seite fcbon befprochen — 
muß ich das Werk auf das freudigfte begrüßen, feinen Schöpfern 
danken und ihm weite Verbreitung wünfcben, da es reichen 
Nu^en zu ftiftenberufenerfcheint. Drei derinternftenRäumeftellen 
die beigegebenen Abbildungen dar, die nach Tafeln des Werkes 
bergeftellt find: auf der erften feben wir das Schönberger Zimmer 
von 1568; über die hohe Türfcbwelle tritt man in einen ziemlich 
niedrigen, faft quadratifchen Raum ein, der fein Licht auf zwei 
Seiten durch je zwei Schubfenfter erhält. Sämtliche Wände, mit 
Ausnahme des Teiles beim Ofen, und die Decke, find aus rötlich 
febimmernden Zirbenbolz getäfelt, mit dem das faftige Grün 
des Ofens, das Kupfer des Wafcbgefäßes und die verzinnten 
Türbefcbläge einen ruhigen Zufammenklang bilden. Das Haupt» 
kennzeichen aller diefer Räume ift die rings umlaufende fefte 
Bank; von beweglichen Stücken, Möbeln, erfcheinen nur Tifcb 
und Klappftuhl. Die Wandgliederung ftellt fich ziemlich einfach 
dar, ein Sockelteil, durch die Bank gekennzeichnet, die eigentliche 
Wandftäcbe, belebt durch Spiegel und Rahmen, Pilafter, auch durch 
eingelaffene Zinnfehränke mit Holzgitterwerk; ein Fries, von 
der Wandfläche getrennt durch ein breites Gefims, auf dem 
Gebrauchsgegenftände, wie Teller, Krüge und dergl. fteben, in 
feiner Gliederung die der Wandfläche fortfebend. An der Decke 
fällt befonders der quergezogene, febwere Tram auf, deffen 
Mitte ein gefcbnijjtes Ornament belebt; nur beim Prunkfaale und 
bei der Geifttaler Stube ift die Decke kaffetiert und gerahmt. 
Diefe kurze Schilderung der Innenraumgeftaltung gewinnen 
wir durch den Vergleich der drei Abbildungen, deren zweite 
einen Teil der Wirtsftube von 1577 darftellt; durch die geöffnete 
Türe diefer Stube, die des Abends nur der große, beim Ofen 
ftehende »Spanleucbter« erhellte, feben wir ins Neumarkter 
Zimmer von 1607, dem fchönften Raume nach dem Prunkfaale; 
in der Bürgerftube herrfcht im Vergleich zu den Bauernzimmern 
größere Vornehmheit: die Türe fowie die Bänke haben forgfältig 
gedrehte Säulen, erftere ift reich mit Intarfien aus hellerem und 
dunklerem Holze verziert; febr praktifcb find die Wandfehränke, 
deren einer auf Bild 3 links fiebtbar ift und deffen Verfchlußbrett 
als Klapptifcb dient. Der Zinnfehrank fehlt leider auf dem Bilde, 
aber einen Begriff von feiner eigentümlichen Farbenwirkung 
gewinnt man, wenn man ficb das feurige Rot des Zirbenbolzes 
belebt denkt durch den Glanz des blanken Zinngefdffrres, das 
in der Steiermark einft febr beliebt war und nun dank der 
Bemühungen Lachers wieder erzeugt wird. W. v. S. 
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