Gartenseite des kaiserlichen Lustschlosses „Schloßhof“.
DIE KUNST DES GARTENBAUES.
on Bacon ist das Wort, daß die fortschreitende Kultur
die Menschen früher dazu brachte, schöne Häuser zu
bauen, als schöne Gärten anzulegen, als ob die Garten^
kunst ein höherer Grad von Vollkommenheit wäre.
Jedenfalls kam die Menschheit, der Not gehorchend, zuerst
darauf, Wohnungen zu schaffen, Wohnungen schlechthin,
als Zufluchtsort, die der allmählich erstarkende Formensinn
auszugestalten half.
Sicherlich sehr viel später ist der Sinn für die Ästhetik der
Pflanze erwacht und der Gedanke, auch das umliegende Stück
Natur zu „vermenschlichen“. In der „Vermenschlichung“
der Naturformen, also ihrer Anpassung an die menschlichen
Bedürfnisse liegt das Wesen der Architektur.
Bei allen Völkern findet sich ausnahmslos bei ihrem Eintritt
in die Geschichte eine mehr oder weniger reiche Gartenkultur,
ja in mehreren Fällen ein hochentwickelter Gartenstil vor,
dessen Grundsätze heute noch vielfach im Gartenbau wirksam
sind, als ob sie ein zuzeiten vielleicht verkanntes, aber eigentlich
unverlierbares Gesetz bildeten. Nach dem heutigen Stande
der schönen Gartenkunst läßt sich sagen, daß in keiner Zeit
und von keinem Volke ein bestimmter Gartenstil entwickelt
wurde, der nicht in der Gartenarchitektur der Gegenwart
nachzufühlen wäre. Der architektonische Garten mit regel
mäßiger rechtwinkeliger Einteilung, von Solitärpflanzen be
standen, war ein Zeitgenosse der Pyramiden; mit der Kunst
Ägyptens wanderte er nach Mesopotamien, wo er den Ursprung
zur Legende von den hängenden Gärten der Semiramis bildete;
dem architektonischen Prinzip vermählte der Orient den
wunderbaren Reichtum der Vegetation und nährte im Alter-
Nach einem Gemälde von Canaletto.
tum eine stark ausgeprägte Gartenliebe, die sich auf die Römer
übertrug. Nach dem orientalen Vorbild brachten sie die Garten
kultur ins Abendland und schufen in allen Besitzverhältnissen
entzückende Beispiele, von den pompejanischen Haus- und
Zimmergärtchen angefangen, bis zu den Villengärten der
römischen Großen, deren Beschreibung man bei Plinius nach-
lesen mag. Von der römischen Gartenkunst nehmen die
Gartenanlagen des Mittelalters und der Renaissance ihren
Ausgangspunkt; einerseits weisen die Klostergärten, die man
heute noch in einzelnen Klosterhöfen findet, auf das Vorbild
des gemauerten römischen Hausgartens zurück: abgezirkelte,
steinumfaßte Beete in strenger geometrischer Einteilung, spar
sam und symmetrisch verteilte Sträucher oder kleine Bäume,
von der Schere in strenger Form gehalten; in der Mitte des
Blumengartens singt eine Fontäne ihre monotone Melodie.
Das Ganze ist ein fesselndes Bild, schön und eigenartig, der
weiße Hof mit den dunklen Arkaden, die blühenden Rosen
bäume, die hellen Blumenbeete und das düstere Kleid der
Mönche. Andererseits gehen auch die Renaissancegärten auf
den römischen Villengarten zurück. Der mittelalterliche Bau
gedanke, das Zusammendrängen der Wohnstätten auf enge,
befestigte Plätze begünstigte mehr die Entwicklung des spar
samen Hausgartens, davon der Klostergarten und manche
Bauerngärten ausgezeichnete architektonische Vorbilder bis
in unsere Zeit überliefert haben. Seit der Renaissance geht
der Garten wieder in die Landschaft hinaus.
Die alten italienischen Gärten sind fast durchwegs architek
tonische Meisterwerke in bezug auf künstlerische Ausnützung
und Überwindung von Terrainschwierigkeiten, wie sie ein
mit Bergen und Hügeln so durchsetztes Land wie Italien
bietet. Die Linien des Gebäudes gehen in die freie Natur
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