einfach und anspruchslos sein. Um das Bild zu heben, hat man außer
Gold auch sonstige Farben versucht, die gute Wirkung haben, wobei
freilich als Grundsatz zu beachten ist, daß es eine Farbe sei, die im
Bilde nicht vorkommt und einen komplementären Gegensatz bildet.
Der Form nach werden immer die geraden Leisten am besten sein;
vor den verzierten Rahmen, die auf den Namen „Kunsthändler^Rahmen“
lauten, ist durchaus zu warnen. Es wird oft die Frage aufgeworfen,
ob man den weißen Rand an reproduzierten Blättern stehen lassen
soll. Bei Radierungen, die den Plattenrand haben, ist der weiße Rand
sicherlich von großer Berechtigung, in allen Fällen aber ist er an und
für sich schon ein Rahmen. Man muß sich in diesem Falle begnügen,
einen ganz schmalen, einfachen Holzrahmen herumzulegen, der ganz
gut weiß sein kann, ja, man braucht nur einen schmalen Streifen
Papier um den Glasplattenrand umzukleben, um des vorteilhaftesten
Aussehens gewiß zu sein.
DAS SCHLAFZIMMER.
VOM ARCHITEKTEN FRANK BRANGWYN A. R. A.
ie meisten Schlafzimmer sind, vom Standpunkte einer zweck'
entsprechenden Ausstattungskunst betrachtet, vernachlässigt, weil
sie nicht den kritischen Blicken unserer Freunde und Bekannten aus'
gesetzt sind. Sie werden selten von jemandem andern gesehen, als von
ihren Eigentümern. Wenn die Schlafzimmer in dem Maße zugänglich
wären wie die Gesellschaftsräume, so würden sie unter den Einfluß
jenes seltsamen Wetteifers gekommen sein, der seit den frühesten
Zeiten zur Ausschmückung jedes Gebrauchsgegenstandes geführt hat,
der der öffentlichen Beachtung ausgesetzt war und Neid oder Bewunderung
erregen konnte. Es würde sehr wenig Kunst geben, wenn
die Menschen unempfindlich wären für den Ansporn des Lobes oder
der Nadelstiche des Spottes und Neides. Die volkstümlichsten Kunst'
formen, wie etwa die griechischen Statuen, und die Bilder italienischer
Kirchen aus dem fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert sind
immer hervorgegangen aus den besten Traditionen und folglich den
größten Meistern. Weltfremde Einsamkeit führt die Kunst hinweg von
dem Hauptstrom des befruchtenden Lebens, und landet sie in irgend
einem ungesunden Sumpfwasser, wo sie schwach und hinfällig wird,
im kleinlichen Ehrgeiz eingebildeter Größe befangen. Erinnern wir uns
daher, daß die Kunst nichts so notwendig braucht, als öffentliche Am
erkennung und öffentliche Nachfrage.
Bei dieser Sachlage ist es wichtig, daß die allgemeine Aufmerksamkeit
auf den schlechten Zustand der sehr schlechten Schlafzimmer gelenkt
wird, welcher heute in 99 von 100 Fällen vor kommt. In den meisten
Schlafzimmern findet man weit weniger Kunst, als in der roh zu'
behauenen Holzhütte eines Südsee'Insulaners. Es ist seltsam, daß wir
nach Jahrhunderten des Fortschritts in anderen Dingen ein so ge'
schmackloses und achtloses Volk geblieben sind in bezug auf die Dinge,
die unserem persönlichsten Gebrauch dienen.
Was soll ein Schlafzimmer sein? Ein paar praktische Betrachtungen
werden die Besonderheiten klarlegen.
1. Man kann annehmen, daß der Raum, der einem zur Verfügung
steht, klein ist, wie in den meisten Schlafzimmern. Man wird daher
mit den Dimensionen das Möglichste tun, um den Eindruck von
Geräumigkeit und Luftigkeit hervorzubringen. Der Raum soll nicht
nur angenehm sein für den Schlafenden, sondern auch für das Er'
wachen.
2. Ein Schlafzimmer ist nicht nur ein Raum, um darin zu schlafen,
sondern auch ein Raum, in welchem eine kranke Person für Wochen,
ja Monate liegen kann, und deshalb soll sich nichts Übertriebenes in
der Ausstattung vorfinden, nichts, das sich dem Auge mit ermüdender
und langweiliger Beharrlichkeit aufdrängt. Aus demselben Grunde
ist es gut, das Bett so zu stellen, daß die kranke Person auf das Winter'
feuer im Kamin blicken kann und angeregt und erfreut wird von
seinem lustigen und hellen Flackern. Man mag vielleicht lächeln über
diese Kleinigkeiten, aber sie sind sehr wichtig.
3. Die bisherigen Betrachtungen haben rasch über die Grundzüge des
Entwurfes belehrt. Die Notwendigkeit, die man fühlt, das Zimmer
weiter, geräumiger und luftiger erscheinen zu lassen, als es wirklich
ist, führt Sie mit der Logik des gesunden Menschenverstandes zu ver'
schiedenen praktischen Lösungen. Man entscheidet sich zum Beispiel,
keine gemusterte Tapete zu nehmen. Wenn eine Wand über und über
gemustert ist, so lockt sie von allen Standpunkten die Aufmerksamkeit
auf sich, sie scheint sich dem Auge dadurch näher zu bringen und
dem Raum einiges von seiner Länge und Breite zu rauben. Man ent'
scheidet sich auch dafür, daß die Einrichtung nicht mehr Raum einnehmen
darf, als unbedingt erforderlich ist; daher muß die handwerkliche
Leistung die höchsten konstruktiven Vorzüge aufweisen,
damit man den höchsten Grad von Annehmlichkeit und Zweckmäßig'
keit mit dem geringsten Aufwand von Holz erreicht. Nachdem das
Zimmer ein Schlafzimmer ist, hat man ganz recht, das Bett als das
wichtigste Möbelstück zu betrachten, und daß Sie es aus Holz hersteilen,
teils weil gut gearbeitetes Holz so schön und ruhig harmonisch
wirkt, teils weil Messingbetten nicht immer mit den Farben übereinstimmen,
welche man im Auge hat, und endlich, weil sich Metall
zu frostig anfühlt. Das Bett wird nicht so niedrig sein, daß sich die
Magd versucht fühlen könnte, die Reinigung des Fußbodens darunter
zu vernachlässigen, noch wird es so hoch sein, daß der Raum zwischen
Matratze und Fußboden als Speicher für Schachteln und für Staubansammlung
geeignet erscheint. Wenn man zum Schluß das Schlafzimmer
als Krankenzimmer auffassen will, ist der Grundsatz der
Wohnlichkeit unerläßlich, ebenso eine ruhige Heiterkeit in der Farbengebung.
4. Man wird vielleicht Bilder in diesem Schlafzimmer anbringen wollen.
Man hänge keine goldenen Rahmen auf den Grund der Tapete, sondern
treffe eine solche Anordnung, daß die Malerei einen tektonischen Teil
der Wand selbst bildet. In andern Worten, man wähle einen Fries
oder ähnliche andere dekorative Malereien, die man seinem Urteile
nach für gut findet. Das Werk muß einigermaßen mehr sein als
interessant; es muß beitragen zur frischen und ursprünglichen Farbengebung,
die man als passend für ein Schlafzimmer findet, und man
führt sie daher so durch, daß die Malerei nicht aus der Mauer hervorspringt,
sondern flächig wirkt, und im ganzen eine ebenso wirkungsvolle
als bescheidene Rolle spielt.
5. Welches Holz soll man verwenden? Es ist klar, daß die dekorative
Verwendung von Materialien zwingt, streng und einfach zu sein; aber
der Strenge des Stils kann durch eine glückliche Wahl des Holzes
entgegengewirkt werden. Nußholz würde zu schwer im Ton sein und
Eiche zu steif und unbiegsam in Substanz und Masse. Was man
braucht, ist ein leichteres Holz, freundlicher von Aussehen, und
so scheint es nach mancher Überlegung und manchen Versuchen
empfehlenswert, Zuflucht zu Kirschholz zu nehmen. Es hat eine schöne
Textur, der Ton ist hell, warm, freundlich und es hat auch eine Art
von häuslicher Eleganz. Von ebenso glücklicher Wirkung sind weißlackierte
Möbel. Zu ihrem Lobe kann nicht genug gesagt werden. Und
wenn nun das Werk vollendet ist und die Morgensonne in das Zimmer
tritt, so wird man das Zimmer heimlich und traut finden, als einen
freundlichen Raum, sich darin anzukleiden und dem Tag einen guten
Anfang zu geben.
ZEHN JAHRE ÖSTERREICHISCHE VOLKSKUNDE.
D er von Dr. M. HABERLANDT in Verbindung mit Dr. W. HEIN
im Jahre I894 gegründete Verein für österreichische Volkskunde
blickt auf eine zehnjährige von schönen Erfolgen gekrönte Tätigkeit
zurück. Die aus Anlaß des zehnjährigen Bestandes herausgegebene
Festschrift enthält einen summarischen Tätigkeitsbericht, der einen Überblick
über die bisherigen überaus verdienstlichen Leistungen gibt. Zehn
Bände der Zeitschrift sowie das Museum für österreichische Volkskunde,
das eine Sammlung von rund 18.000 Objekten enthält, stellt einen
großen Teil der Lebensarbeit des Gründers und Vereinsleiters
Dr. M. Haberlandt dar. Die in dieser Arbeit vorliegenden Forschungsresultate
haben eine von der Allgemeinheit und zum Teil leider auch
von den offiziellen Kreisen noch viel zu wenig erkannte Bedeutung
für die Entwicklung der Kunst und Kultur oder, wie man vielleicht
richtiger sagen kann, für die Erkenntnis der wahren Quellen der
volksmäßigen Kunst und Kultur, die jeden, der einmal seine Sinne
an diesem Jungbrunnen erfrischt hat, mit tiefem Widerwillen gegen
die heute herrschende Scheinkunst und Scheinkultur erfüllen müssen.
Was hier rückhaltslos ausgesprochen ist, scheint als Grundgedanke
in den Worten zu liegen, die Dr. Haberlandt zur Hoffnung und
Bitte an seine Mitarbeiter zusammenfaßt, daß sie die sicht- und
greifbaren Dinge des Volkslebens NOCH MEHR ALS BISHER zum