Welt, muß er zittern und tönen; man muß es an ihm merken
können. Immer soll, unter dem Vorwände der verschiedenen
Fächer, vom Leben die Rede sein. Wie schön war es, als
einmal ein Bergmann kam, ein gewöhnlicher Bergmann,
der schlicht und schwer von seinen schwarzen Tagen er--
zählte; und wie für ihn, so steht der Lehrersessel für jeden
da, der etwas erfahren hat: für den Reisenden, der von
fremden Gegenden erzählt, für den Mann, der Maschinen
baut, und vor allem für den Schlichtesten unter den Wissen^
den, den Handwerker mit den klugen, vorsichtigen Händen.
Denk, wenn einmal ein Zimmermann käme! Oder ein
Uhrmacher oder gar ein Orgelbauer! Und sie können jeden
Augenblick kommen. Denn ganz leise nur, ohne Last, liegt
das Netz des Stundenplanes über den Tagen. Es wird oft
verschoben. Die Wochen gehen einem nicht mit der mono'
tonen Eile eines Rosenkranzes durch die Finger. Jeder Tag
fängt an als etwas Neues und bringt unerwartete und er^
wartete und völlig überraschende Dinge. Und für alles ist
Zeit. Die Frühstückspause ist so lang, daß man den Tisch
abräumen und mit hellem Wachstuch decken kann. Blumen
werden in der Mitte daraufgestellt, Butterbrotteller und
Gläser und Becher mit Milch; und dann sitzt es rund herum
und ißt und träumt, lacht und erzählt und sieht wie eine
Geburtstagsgesellschaft aus.
Es ist Zeit und Raum in dieser Schule. Um jedes dieser
kleinen, blonden Geschöpfe ist Raum. Wie ein Haus mit
Garten ist jedes. Es ist nicht eingerammt zwischen seine
Nachbarn. Es hat etwas um sich herum, etwas Lichtes,
Freies, Blühendes. Es soll auch nicht gerade so wie seine
Nachbarn aussehen; im Gegenteil: es soll so von Herzen
verschieden sein, so aufrichtig anders, so wahr wie nur
irgend möglich.
Es war konsequent und mutig, diesen Kindern keinen Re^
ligionsunterricht im herkömmlichen Sinne aufzuerlegen.
Eine autoritative Beeinflussung an dieser empfindlichsten
Stelle inneren Eigenlebens hätte alles Gerechte und Mensch^
liehe, das hier versucht worden ist, wieder aufgewogen. Man
hat sich entschlossen, die biblischen Stoffe nach den reinsten,
absichtlosesten Quellen als Historie vorzutragen, und man
will nach und nach dazu kommen, Religion nicht eim oder
zweimal in der Woche zu geben, nicht heute von neun bis
zehn, sondern immer, täglich, mit jedem Gegenstände, in
jeder Stunde. Die Menschen, die diese Schule am meisten
lieben, haben nach Tagen und nach Nächten, im ganzen
Bewußtsein ihrer Verantwortung, diesen Beschluß gefaßt.
Nun muß man Vertrauen zu ihnen haben. Kinder und
Eltern. Denn diese Bedeutung scheint mir leise in dem
Namen Samskola mitzuklingen: Gemeinschule, Schule für
Knaben und Mädchen, aber auch: Schule für Kinder und
Eltern und Lehrer. Da ist keiner über dem andern; alle
sind gleich und alle Anfänger. Und was gemeinsam gelernt
werden soll, ist: die Zukunft."
Es ist klar zu sehen, wo man wieder anfangen muß. Beim
Anfang. Mancher berühmt sich wohl und denkt, wie herr--
lieh weit wir es doch gebracht haben. Die Samskola ist ein
lehrhaftes Beispiel, daß alle Schulerfahrungen geradesoviel
wert sind, um mit allen Konventionen, den „Bazillen alter,
verschleppter Schulseuchen“ und allen üblichen Einrich
tungen, zu denen auch jene „hochnotpeinlichen Unter
suchungen und Verhöre, die man Prüfungen nennt, und die
damit zusammenhängenden Zeugnisse" gehören, gründlich
aufzuräumen und von vorne anzufangen.
Aber ich denke gar nicht daran, daß solches bei uns möglich
ist. Vielleicht durch private Mittel und auf Grundlage einer
sozialen Bildung, die in den Settlements am Bau ist.
KUNSTKLEMPNEREI.
VON FRED HOOD.
unstklempnerei!“ — das Wort dürfte selbst denen,
welche mit den kunstgewerblichen Bestrebungen
unserer Zeit wohlvertraut sind, nicht geläufig sein.
Künstler und Kunstfreunde haben der Klempnerei
nicht das Interesse zugewandt, welches sie wohl verdient hätte;
sie haben fast all ihre Liebe für die künstlerischen Werke der
Innendekoration ausgegeben. Aber die Klempnerei ist einer
künstlerischen Durchbildung durchaus fähig, und sie würde
sich, dank ihrer ausgezeichneten technischen Mittel, ebenso
hervorragend wie die Schmiedekunst entwickeln, wenn man
ihr nur etwas mehr Gunst beweisen wollte. Man braucht
nur die letzten Jahrgänge der Kunst- und Kunstgewerbe-
Zeitschriften zu durchblättern, um sich zu überzeugen, daß
man während der großen kunstgewerblichen Bewegung der
letzten Jahre den Arbeiten des Klempners auch nicht das
geringste Interesse zugewandt hat.
Es ist wenig Aussicht vorhanden, daß die aus Blech ge
fertigten, meist untergeordneten Geräte für den Haushalt
jemals gefälligere Formen erhalten werden, weil diese äußerst
wohlfeilen Gegenstände fast nur noch auf maschinellem
Wege durch äußerst sinnreiche und vollkommene Blech
bearbeitungsmaschinen gefertigt werden. Der tägliche Ge
brauch hat diesen Gegenständen die praktische Form ge
geben, und es fehlt offenbar an einem Publikum, das auf
die Durchbildung oder Dekoration dieser Geräte irgend
welchen Wert legt. Gegenstände aber, welche immer wieder
in ganz bestimmten bequemen Formen verlangt werden,
eignen sich vortrefflich zur fabriksmäßigen Herstellung durch
Maschinen, und so haben auch die Fabriken dem Klempner
fast die ganze Gefäßfabrikation aus den Händen genommen.
Dieser bezieht selbst, wie jeder Kaufmann, die Büchsen,
Kaffeekannen, Dosen etc., um den Ansprüchen seiner Kunden
zu genügen, fertig aus der Fabrik. Manche reicher aus
gestatteten Stücke, namentlich aus Kupferblech, werden wohl
noch bisweilen durch den Klempner gefertigt; aber solche
Aufträge sind doch nur vereinzelt und ohne großen Einfluß
auf die künstlerische Durchbildung der Hausgeräte. Wir dürfen
nicht vergessen, daß jedes edlere Stück des Haushaltes in Silber
getrieben oder in Bronze gegossen wird. So mag es begreiflich
erscheinen, daß eigentlich nur die Bauklempnerei eine künst
lerische Entwicklung durchgemacht hat; aber auch im Bau
wesen wird sie mehr als stiefmütterlich behandelt.
Wenn wir uns die mit Zink oder Kupfer eingedeckten
Dachaufbauten, die Rinnen, Gesimsbekleidungen, Regen
abfallrohre u. dgl. an modernen Häusern betrachten, so
finden wir, daß in den meisten Fällen nicht einmal der
Versuch zu einer künstlerischen Durchbildung gemacht ist,
daß man sich mit der Anwendung der nüchternen Formen,
wie sie die Konstruktion ergibt, begnügt hat. Und doch sind
diese Formen meist in der Architektur so störend, daß man
sie zu verdecken oder durch Anstriche unkenntlich zu
machen sucht. So legt man z. B. die Regenabfallrohre,
welchen man in ganz mechanischer Weise stets die kreis
runde Form gibt, in Mauerschlitze, damit sie nur ja nicht
vor die Front vortreten und die Wirkung der Fassade
herabdrücken. Welch törichtes Bemühen, einen wichtigen
Konstruktionsteil, der schon aus praktischen Gründen frei
liegen muß, den Augen entziehen zu wollen! Das Abführen
des Regens vom Dache nach den unter Terrain liegenden
Rohrleitungen bildet eine zu wichtige Funktion dieses an
der Front des Hauses liegenden Organs, als daß man so
gleichgültig darüber Weggehen sollte. Einige wenige Archi-
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