Bauerngarten an der Stadtmauer von Weißenkirchen.
Gemälde von J. E. Schindler.
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Beete schmückten. Die lange, gegen Mittag gerichtete Mauer
war zu wohlgezogenen Spalierpfirsichbäumen benützt, von
denen uns die verbotenen Früchte den Sommer über gar
appetitlich entgegenreiften. In diesem friedlichen Revier fand
man jeden Abend den Großvater, mit behaglicher Geschäftige
keit eigenhändig die feinere Obste und Blumenzucht besorgend,
indes ein Gärntner die gröbere Arbeit verrichtete. Die vielfachen
Bemühungen, welche nötig sind, um einen schönen Nelkene
flor zu erhalten und zu vermehren, ließ er sich niemals ver^
drießen. Er selbst band sorgfältig die Zweige der Pfirsich'
bäume fächerartig an die Spaliere, um ein reichliches und
bequemes Wachstum der Früchte zu befördern.“
Einzelne Beispiele sind noch vorhanden, die in einem etwas
fossilen Zustand die Formen überliefern, die sich als Nieder'
schlag der feinen geistigen Kultur jener Tage offenbaren.
An Haus wie an Garten wird der ewige Grundsatz sichtbar,
der in der Anpassung an die lokalen Verhältnisse, an die
traditionellen Gewohnheiten und an die Natur des Landes
beruht. Ein gewisser und zwar ganz bewußter Gegensatz
zur umliegenden landschaftlichen Natur ist in den kleinen
Gärten festgehalten. Jeder naturalistische Versuch würde die
Intimität ausschließen, Vergleiche mit der wilden Natur
hervorrufen und zugleich das Gefühl des Unzulänglichen,
was den Aufenthalt sicherlich ungemütlich macht. Der
Garten ist als organische Fortsetzung des Hauses gedacht,
denn ein Teil des Lebens soll sich in ihm abspielen. Man
will auch an feuchten Tagen trockenen Fußes darin lust'
wandeln können, weshalb die ^Vege mit Backsteinfliesen
belegt sind; selbst die Blumenbeete sind vielfach abgemauert,
oder mit großen Kieselsteinen zierlich eingefaßt, oder auch,
was man heute noch hie und da findet, mit braunen,
zylindrischen Selterskrügen abgesteckt. Das ist von einer
ganz reizenden dekorativen Wirkung. Überhaupt sind,
namentlich bei unebenem Terrain, die gemauerten Gärten
besonders sinngemäß, und das nicht nur aus praktischen
Gründen, wegen der Bewässerung und Befestigung des Erd'
reiches, sondern auch ganz erheblich aus ästhetischen Gründen,
die aus den architektonischen Bedingungen des Hausgartens
abzuleiten sind, über die Schönheit der trotz ebenem Terrain
gemauerten Blumengärten Hollands ist keine Frage mehr,
und wer jemals den gemauerten italienischen Bauerngärten
einige Beachtung geschenkt, kann es bezeugen, daß der
praktische Sinn der bäuerlichen Besitzer von einem instink'
tiven Schönheitsgefühl nicht verlassen ward.
Die Ästhetik solcher gemauerter Gärten kann man übrigens
auch an den meisten Klostergärten studieren, und wem diese
Gelegenheit entrückt ist, der mag immerhin einen Blick
auf BÖCKLINS Bild „In der Gartenlaube“ werfen, um
zu ersehen, wie ein feines stilistisches Empfinden mit
den einfachsten Mitteln die höchsten Wirkungen erzielen
kann.
Etwas von diesem Stilgefühl lebt auch in den alten Haus'
gärten, die darum der Ausdruck einer feinen geistigen
Kultur waren. Ihre Bestandteile sind nicht Rasen, Raum
oder Baumgruppe, sondern Blumenbeet, Laube und Hecke.
Diese allein stehen im richtigen Verhältnisse zum Baum.
Der schönste Baum würde auf dem beengten Platze das
traurige Gefühl der Gefangenschaft erwecken, sein köstlicher
Schatten würde eine trübselige Finsternis in die allzu nahen
Fenster werfen und auf dem Boden, den er bedeckt, keine
Blumen gedeihen lassen; aller Segen würde in einem solchen
Mißverhältnisse ins Gegenteil verwandelt. (Fortsetzung.)
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