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was
dergleichen mehr ist, als berechtigt erweisen konnte. Dann
ist ihm hie und da die Ehre angetan worden, imitiert zu
werden. —
Ich will von diesem Typus nun nicht behaupten, daß er
alle Phasen einer Entwicklung durchlaufen habe und keiner
Erweiterung, Bereicherung fähig sei. Im Gegenteil. Ich wüßte
nicht, wozu all der technische und wissenschaftliche Vorstoß
des XIX. Jahrhunderts geschehen sein sollte, wenn wir ihn
nicht anwendeten.
Es wäre also durchaus nur zu erwarten, daß wir all das,
war wir auf dem Gebiet der Gesundheitslehren, der Tedv
nik etc. GELERNT haben, dem alten Besitze einver^
leibten. Aber ein Weiterentwickeln ist doch nur dann
möglich, wenn man es versteht, den erworbenen Schatz
zu ERHALTEN. Und mit welcher Ahnungslosigkeit
ist man mit diesem Erbe umgegangen; ja, es haben sich
immer wieder Phrasenhelden gefunden, die diesen Treu^
bruch an den Traditionen und die dafür eingetauschte Hilf'
losigkeit und Haltlosigkeit guthießen und ihn zu gunsten
der beliebten Zukunftsformen ausbeuten möchten.
Nun gibt es aber wenig konservativere Dinge als das
Leben des Bauern. Man mag sagen, was man will; da wo
der Bauer noch Landmann ist, haben sich seine Lebens'
formen NICHT so geändert, daß die überlieferten Formen
der Dörfer für ihn eine formale Lüge bedeuteten. Und da
die dörflichen Bauten doch auch heute noch eine ganz ge'
waltige Rolle spielen, wäre es unsere Pflicht, zu den ein'
fachen, schlichten, aber doch eben schon so hoch entwickelten
GRUNDFORMEN zurückzukehren.
Ja, selbst wenn der Bauer verschwunden wäre, hätte man
allen Grund, sein Erbe, die Form des Bauernhauses, nicht
verkommen zu lassen.
Denn der Schatz, der im Bauernhause als Kunstform nieder'
gelegt ist, birgt die höchsten Werte für die Formen der
menschlichen Behausung ÜBERHAUPT. Denn es ist die
Keimform des feinorganisierten KLEINEN nordischen
Wohnhauses.
Die Sehnsucht unserer neuen Generation, so weit sie unsere
Wohnstätten angeht, zielt auf die Wiedergründung einer
feinen, stillen, bürgerlichen Kultur, in der sie die Ruhe und
das Behagen wenigstens zwischen ihren vier Wänden findet,
zu dem sie der Existenzkampf draußen sonst nicht kommen
läßt.
Aber je nach Stand, Herkunft, Besitz oder auch Neigung
teilt sich diese Generation doch deutlich merkbar in zwei
Klassen.
Die eine, die mehr die wohlhabende, behäbige bürger'
liehe Kultur ihr eigen nennt; die andere, die eine be'
scheidenere, ländlichere Form für sich erringen will. Ich
denke an den sich überall mit Macht verbreitenden Trieb,
weit draußen vor der Stadt, in der Ruhe des Waldes, der
Wiese und der Felder, Wohnhauskolonien zu gründen,
die auch den bescheidensten Ansprüchen gerecht werden
sollten. Ja, gerade von diesen scheint die Hauptbewegung
auszugehen.
Diese Kolonieformen sind zwar in dieser Ausdehnung und
Verbreitung neu. Aber auch diese Ansiedler sind doch nicht
Heimatlose, sondern sie haben ihre Geschichte und ihr
Herkommen.
Vornehmheit ist die Treue gegen die Tugenden der Vor'
fahren. Was liegt also näher, als daß sie die in Holz und
Stein gebrachten Tugenden ihrer Ahnen, die Formen des
deutschen Bauernhauses, in Ehren halten und sie für ihre
Wohnstätten übernehmen?
Niemand, der mir bis hieher mit Aufmerksamkeit gefolgt
ist, wird auf die Idee kommen, ich wollte ein unwürdiges
Spielen mit Bauernhausimitationen empfehlen. Gott behüte
uns vor noch mehr solchen Schweizerhäusern und skandina'
vischen Blockhäusern, wie sie neulich — ich weiß nicht, ob
augenblicklich noch — Mode waren. Sondern es handelt sich
um das Weiterführen und Anpassen, genau wie es Brauch
die Jahrhunderte hindurch war.
EINE EINFACHE BÜRGERLICHE
WOHNUNG.
A uch die kleinbürgerliche Wohnung und die Arbeiter'
/\ wohnung kann ein Schmuckkästchen sein, was Ge'
h—\ schmack, Nettigkeit und Ordnung betrifft, ein trauter
X Raum, in dem man gerne verweilt, der nicht nur be'
wohnbar, sondern auch wohnlich ist und dem Kneipem und
Tingltanglwesen wirksam entgegenarbeitet. Der Andrang in
Kneipen und Tingltangln, die rohe Duzbrüderschaft lassen unfehlbar
auf ein zerrüttetes Hauswesen schließen.
Ein Begriff beherrscht die Anschauungen aller Klassen, der
die Lebens' und Wohnverhältnisse bis in die tiefsten Schichten
der arbeitenden Bevölkerung herab vergiftet hat, der Begriff:
Luxus. Luxus als das schlechthin Überflüssige und darum
eigentlich Schädliche. Das Wort und die Sache, die es deckt,
kam eigentlich dadurch auf, daß eine reiche Lebenshaltung
auf Kreise übertragen wurde, die keine Bedürfnisse in dem
angemessenen Maße besaßen, und die sich der übernommenen
Dinge nur bedienten, den Anschein von Vornehmheit und
Größe zu erwecken. Die Sache ward Mode, und wer sich
nicht mit kostbaren Dingen umgeben konnte, begnügte sich
mit billigem Kleinkram und den rohen, effekthaschenden
Zieraten, die man sogar an der erbärmlichen Trödelware
entdecken kann. Dieser uneigentliche „Luxus“, der in den
meisten Fällen nur über die wahre Armseligkeit und Ode
vieler Heimwesen hinwegtäuschen sollte, brachte die gesunde
Anschauung, die auf das rein Zweckliche ausgeht und in
deren Erfüllung alle Schönheitsmöglichkeiten liegen, zum
Verfall. Die ganze moderne Bewegung bezweckt letztenendes
die Wiedererweckung dieses gesunden Grundsatzes.
Nun bilden die erfreulichen Bildungsbestrebungen der mo'
dernen intelligenten Arbeiterschaft freilich die sicherste Gewä.hr
dafür, daß sich der Ausbau einer inneren Kultur allmählich
vollzieht, der sich denn auch nach außen hin in höheren
Geschmacksanforderungen da und dort geltend macht. Wir
haben ja schon einen ziemlich großen Stand vorgeschrittener
Kunsthandwerker, die berufen wären, voranzugehen mit der
Wahrmachung des Kulturgedankens. Im allgemeinen aber
sieht es noch ziemlich schlimm aus.
Man kehrt beim Kleinbürger ein, bei den mittleren Ständen
oder bei jenen besseren Handwerksleuten, die Anspruch auf
ein geordnetes Hauswesen machen. Bei Leuten, die sich neu
eingerichtet haben. Es ist fast überall das gleiche Bild. Kalt
und hart stehen ein paar Möbelstücke im Raum; fabriks'
mäßig schleuderhaft gearbeitete, vom Händler um schweres
Geld gelieferte Betten, Tische und Stühle, in diesem oder
jenem Stil, neuestens gibt es auch solche im „Sezessionsstile“.
Der Stolz der Leute hängt an ihnen, sie sitzen in der Küche,
um das einzige schöne Zimmer zu schonen und lauschen
am Abend ängstlich auf das mörderische Krachen des zer'
Aus einer
einfachen
Wohnung.
':r R
I ,
Von Arch.
Prof.Joseph
Hoffmann.