KUNST AUF DEM LANDE. „Grablegung“ in der Pfarrkirche zu Kirchdorf-Pernegg, Steiermark.
KUNST AUF DEM LANDE.
i.
U nter diesem Titelwort bringen wir in zwangsloser Folge Kunstwerke,
die auf Wanderungen durch Dörfer und Provinzstädte dem Kodak
unserer Freunde und Mitarbeiter erreichbar sind. Hiebei läßt sich
keine andere Methode verfolgen, als alles zu zeigen, was irgendwie
künstlerisch oder volkskundlich wertvoll ist. Unsere Provinzen sind
überreich an solchen Schätzen einer hochentwickelten künstlerischen
Kultur, die allerdings nicht mehr die heutige ist, und aus diesem
Grunde um so eifriger gehütet werden muß, wo immer Spuren von
ihr anzutreffen sind. Es gewährt unsagbare Freude, nach stunden-
langem Wandern im anscheinend kulturfremdesten Gebirgsland beim
Betreten einer weltentlegenen Waldheimat eines unerwarteten Denk
mals einer hochentwickelten volkstümlichen Kunstblüte zu begegnen.
Man kann sogar sicher sein, daß man solchen Denkmälern alter Kunst
und Kultur um so häufiger begegnen wird, so weiter man sich von
den Zivilisationslinien, den großen Verkehrswegen entfernt. Es ist
nicht unwichtig, diese Kunsttümer dem Vergessen oder der Nicht
achtung zu entreißen, den Wert derselben den betreffenden Gemeinden
oder sonstigen Eigentümern zum Bewußtsein zu bringen, um sie vor
dem Verschleppen oder leichtsinnigen Verkaufen zu schützen. Seit
Jahren ist ein schwunghafter Handel mit solchen Dingen im Gange,
der dem ursprünglichen Besitzer nichts oder im Tauschwege irgend
einen wertlosen Plunder, dem Zwischenhändler aber ein Vermögen
einbringt. Was das Land oder der Ort oder der Eigentümer verliert,
wenn solcher Kunstbesitz weggeführt wird, ist nicht abzusehen.
Solche Werte, klug erkannt und gehütet, haben für die Heimat eine
ebenso künstlerische als wirtschaftliche Bedeutung. Sie besitzen die
Anziehungskraft wie Wallfahrtsorte und wirken an ihrem ursprüng
lichen Platze mit lebendiger Kraft auf die Gemüter, die tot ist, wenn
das Stück als Museumsgut versargt wird. Die Leute ahnen nicht, was
sie verlieren, wenn so ein Stück fortgeschleppt wird. Und ist ein Stein
aus der Krone ausgebrochen, dann folgen die anderen Stück für Stück,
und was an ihre Stelle kommt, sind Zeichen tiefen Verfalles.
Ein Heiltum dieser Art ist die Grablegung, deren Abbildung wir
einem Freunde unserer Bestrebungen, Herrn Eugen Jos. Peters in
Graz, danken. Das Werk ist aus Holz geschnitzt und ganz bemalt. Es
stammt aus dem XVI. oder XVII. Jahrhundert und befindet sich in
der Pfarrkirche zu Kirchdorf-Pernegg in Steiermark. Es mag die
Schöpfung eines bäuerlichen Künstlers sein und ist dann um so inter
essanter. Aus dem heimatlichen Vorstellungskreis erwachsen, zeigt
das Werk bei aller Schlichtheit eine packende Naturwahrheit, die das
Ganze zu einer äußerst lebensvollen Gruppe macht. Die Pfarre zu Kirch
dorf-Pernegg besitzt an dieser „Grablegung“ einen Schatz, den sie wohl
zu hüten verstehen wird.
KUNSTGEWERBLICHE LEHRWERKSTÄTTEN.
n der Erkenntnis ihrer Nützlichkeit ist Deutschland voran. Öster
reich kann von dem preußischen Minister für Handel und Gewerbe
lernen. In einem Erlaß an den Regierungspräsidenten hat er darauf
hingewiesen, wie der Unterricht in Lehrwerkstätten das Mittel in die
Hand gibt, dem Schüler die notwendigen Beziehungen zwischen Werk
stoff und Form nachdrücklich zum Bewußtsein zu bringen und ihn
dazu erzieht, seinen Entwurf sachlicher, wirtschaftlicher und zweck
mäßiger zu entwickeln. Durch die Beschäftigung mit dem Material
wird im Schüler die auf Abwege führende Vorstellung beseitigt, als
ob die Herstellung äußerlich gefälliger Zeichnungen ein erstrebens
wertes Ziel wäre, ohne Rücksicht darauf, ob sie dem Material und
seiner Eigenart gehörig Rechnung tragen. Auch rein künstlerisch wird
die Werkstätte neue wertvolle Anregungen vermitteln können, die sich
statt auf äußerlich übermittelte Formen auf die durch eigene Tätig
keit gewonnene Einsicht in die Gestaltsmöglichkeiten des Materials
gründen. Die Angliederung von Werkstattsunterricht wird endlich
dazu beitragen, die bisher öfter gerügte einseitige Ausbildung von
Kunstgewerbezeichnern, welche das Material nicht kennen und der
handwerksmäßigen Tätigkeit entfremdet sind, einzuschränken und
auf diesem Wege auch auf Förderung des Handwerks hinwirken.
Bei der Einrichtung von Lehrwerkstätten empfiehlt es sich, in erster
Linie die örtlichen Industrien zu berücksichtigen und zunächst solche
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